Der Tagesspiegel : Zuhause bei russischen Sängern Museum für die Kolonie Alexandrowka eröffnet

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Potsdam Käme der russische Hausherr von 1826 um die Ecke, er würde sich ohne weiteres in seinem Potsdamer Blockhaus zurechtfinden. In der Kochecke könnte er etwas zubereiten und vor dem prasselnden Feuer im alten Kachelofen die Beine ausstrecken. Denn das Haus Nr. 2 in der russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam wurde originalgetreu restauriert. Gestern öffnete hier das „Museum Alexandrowka“. Der Betreiber Hermann Kremer ist ein Gynäkologe aus Westfalen. Mitte der 90er Jahre stieß er zufällig auf die Siedlung zwischen Neuem Garten, Pfingstberg und Park Sanssouci. „Der Zustand vieler Häuser erschreckte mich“, sagt der Mann, der seinen Sohn mit der Museumsleitung betraute. Um die Kolonie, ein Unesco-Weltkulturerbe, zu retten, kaufte er zwei der 13 Häuser: Nr. 8 vermietete er an Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, Nr. 2 machte er zum Museum.

Mit den 1826 und 1827 erbauten Häusern wollte König Friedrich Wilhelm III. den russischen Zaren ehren und gleichzeitig den russischen Sängern des ersten preußischen Garderegiments ein Heim bieten. 1812 waren die ersten 62 russischen Soldaten als Kriegsgefangene nach Potsdam gekommen. Der König wünschte sich für seine Soldaten einen „Russischen Sänger-Chor“ und tatsächlich gelangte dieser mit der preußischen Armee bis nach Paris. Als Geschenk des Zaren blieben die Russen in Potsdam. Heute wohnen noch in zwei Häusern direkte Nachkommen der Sänger. Das Museum räumt mit der bei Stadtführern beliebten Legende auf, dass die Alexandrowka nach dem Vorbild russischer Militärdörfer gebaut sei. Vielmehr diente die Kolonie als Vorbild für Siedlungen in Russland selbst, zum Beispiel für das Parkdorf Glasowo bei Pawlowsk in der Nähe von St. Petersburg. ste.

Das Museum Alexandrowka ist täglich außer montags von 10-17 Uhr geöffnet, ab Mai bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 3,50 Euro, Kinder bis zwölf Jahre sind frei. Tel. 0331/818 02 03, www.alexandrowka.de

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