Der Tagesspiegel : Zum ersten Mal seit dem Krieg überquert eine Fähre die Oder Sonnabend beginnt der Betrieb zwischen Güstebieser Loose und Gozdowice

15 Jahre hat es gedauert, bis alle Genehmigungen und ein Schiff da waren

Andreas Wilhelm

Güsterbieser Loose/Lebus - Frank Ehling, Amtsdirektor in Barnim-Oderbruch, spricht von einem „Weihnachtsgeschenk“. Rund 160 Meter entfernt, in Gozdowice am polnischen Oderufer, wartet eine neue Schaufelrad-Fähre auf ihre Jungfernfahrt. Am kommenden Sonnabend soll sie in dem Oderbruch-Dörfchen Güsterbieser Loose empfangen werden. Sie wird dann die erste Fähre sein, die nach dem Krieg die Oder überquert.

15 Jahre lang haben die Anrainergemeinden auf die Fähre gewartet. Sie verkehrte schon von 1815 bis 1945 regelmäßig, 1992 dann entstand der Plan, sie wieder einzurichten. „Ein Außenstehender kann sich kaum vorstellen, welche Maßnahmen ergriffen und welche Behörden beteiligt werden müssen, wenn ein Grenzfluss überquert werden soll“, sagt Ehling. „Als Kommune kann man nicht außenpolitisch tätig werden“, sagt Loose. Alles, was beschlossen wurde, sei über Berlin und Warschau gelaufen. Bis Kriegsende waren Güstebieser Loose und Gozdowice eine Gemeinde. „Nach der Wende sind wir wieder näher zusammen gerückt“, erklärt der Amtsleiter. Die Menschen besuchen sich wieder, die Landstraße setzt sich jenseits der Oder weit ins Landesinnere fort. Die nächstliegenden Brücken überqueren den Fluss in den je 25 Kilometer entfernten Orten Hohenwutzen und Küstrin-Kietz.

Der kleine, 250 000 Euro teure Schaufelraddampfer namens „Bez Granic“ – „Ohne Grenzen“ – wurde zu 75 Prozent von der EU finanziert, Betreiber ist die polnische Gemeinde Mieszkowice. Das Projekt könnte als Modell für weitere Lückenschlüsse dienen. Denn auch in Lebus und gegenüber in Nowy Lubusz gebe es Pläne, die alte Verbindung zu reaktivieren, sagt Wolfgang Skor, Chef der Vereinigung für deutsch-polnische-Regionalentwicklung. Die Fähre in Lebus soll aber nicht Autos, sondern Radler und Fußgänger transportieren. Befragungen hätten ergeben, dass viele Radtouristen an der Oder gerne mal einen Abstecher nach Polen machen würden. Das Gebiet auf der gegenüberliegenden Seite des Landkreises Märkisch- Oderland habe vor dem Krieg wegen seiner Waldflächen und klaren Seen zu den beliebtesten Erholungsgebieten auch der Berliner gehört, sagt Skor. Ein Antrag ans brandenburgische Infrastrukturministerium auf Errichtung eines Grenzüberganges werde gegenwärtig vom Amt Lebus vorbereitet. Dafür müssten noch positive Stellungnahmen der Kreises Märkisch- Oderland und seines polnischen Gegenübers sowie eine Betreiber-Erklärung der Stadt Slubice angefordert werden, erklärt Skor.

Der Wunsch nach einer Fährverbindung bestehe außerdem im ebenfalls in Märkisch-Oderland gelegenen Kienitz und dem polnischen Porzecze. Einen Zeitpunkt, wann die Fähren in Lebus und Kienitz in Betrieb gehen, wagt Skor aber nicht zu nennen. „Doch jetzt, wo wir so viel Erfahrung haben, dürfte es nicht mehr 15 Jahre dauern.“

In Güstebieser Loose wiederum wird der Fähre voraussichtlich zunächst nur für zwei Wochen in Betrieb sein. „Laut Grenzabkommen darf sie nur von April bis Oktober betrieben werden“, sagt Skor. Durch Verzögerungen in der Werft im polnischen Opole hatte sich der Starttermin immer wieder verschoben. Später verhinderte Hochwasser die Überführung. „Dadurch ist es unter den Brücken zu eng geworden.“

Skor hofft nun auf eine Verlängerung der Saison, was sich schwierig gestalten könnte. Denn wieder müssten zahlreiche Behörden, unter anderem Bundespolizei und polnischer Grenzschutz, einwilligen. „Die haben auch die Passkontrollen nur bis Ende des Monats geplant.“ Und warum hat man dann nicht doch noch bis zum Frühjahr gewartet? Eine Frage, bei der Wolfgang Skor seufzen muss. „Es war für dieses Jahr geplant. Jetzt ziehen wir das durch.“

Die Fähre von Güsterbieser Loose hat Platz für sechs Pkw und 20 Personen. Sie soll bei Bedarf bis zu drei Mal stündlich fahren. Preis pro Person: 25 Cent, pro Pkw: 1 Euro.

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