Der Tagesspiegel : Zum Shoppen nach Polen

Der Zloty steht schlecht und lockt Deutsche an

S. Prutean (dpa)/A. WilhelmD

Frankfurt (Oder) - Einen Fernseher oder eine Waschmaschine in Polen kaufen? Für Deutsche war das bis vor kurzem fast undenkbar. Inzwischen haben nicht nur Bewohner der Grenzregion umgedacht, jetzt kommen auch Kunden aus Berlin und Niedersachsen gezielt nach Polen zum Shoppen.

„Der Zloty-Kurs ist für unsere deutsche Kundschaft attraktiv“, sagt ein Verkäufer aus einem Elektrofachmarkt in der Grenzstadt Slubice. Am Montag gab es für einen Euro 4,68 Zloty. Vergessen sind die Zeiten, als es für einen Euro nur etwas mehr als drei Zloty gab und der Grenztourismus in die umgekehrte Richtung lief. „Sie überschreiten die Preisgrenze“ weist ein Plakat gleich am Eingang von Slubice auf den Vorteil hin.

Auch die polnischen Grenzmärkte am östlichen Oderufer haben der gute Umtauschkurs und das wärmer werdende Wetter aus dem Winterschlaf geholt. An Wochenenden flanieren tausende deutsche Kunden zwischen den Ständen. „Wir kommen einmal im Monat zum Einkaufen“, sagt Familie Schwenke aus Peine (Niedersachsen). Seit 18 Jahren besucht sie den Basar in Slubice, gegenüber von Frankfurt (Oder) und kauft Lebensmittel und Textilien. „Auch unsere Haustiere stammen von hier“, sagt Mutter Kerstin. „Wir finden es hier toll, die Leute sind nett, die Preise günstig.“ Es ist mittlerweile schwer geworden, am Wochenende vor Märkten und Geschäften einen Parkplatz zu bekommen. An Zigarettenläden stehen die Kunden Schlange.

„Eigentlich lohnen sich nur noch Zigaretten und Benzin“, sagt ein Mittvierziger aus Berlin, der den Markt in Küstrin (Kostrzyn) auf der Durchreise angesteuert hat. Die Stange Zigaretten ist ab 16 Euro zu haben. Seit Jahresbeginn können aus Polen pro Person 800 Zigaretten für den eigenen Bedarf mitgebracht werden – zuvor waren es viel weniger. In Plastiktüten mit der Aufschrift „800 Zigaretten mitnehmen erlaubt“, tragen Raucher aus Magdeburg ihre Waren zum Auto. Mit seinem Namen „Oder Center Berlin“ verweist der Basar hinter dem Grenzübergang Hohenwutzen auf seine Kundschaft. „Ich komme immer an diesen Stand“, erzählt die Berlinerin Birgit Lang und zeigt ein modisches Sommerkleid, das sie gerade gekauft hat. „Preis-Leistungs-Verhältnisse stimmen einfach.“

Auch in den Bistros ist kein Platz frei. „Essen und rauchen im Lokal – wo kann man das noch in Deutschland?“, fragt ein 62-Jähriger. Aber nicht nur auf den Märkten suchen Deutsche Schnäppchen. Für einen modischen Mantel hat sich eine ältere Frankfurterin im neuen Slubicer Kaufhaus „Prima Galeria“ entschieden. „Da habe ich mindestens 100 Euro gespart“, freut sie sich. Elektrogeräte seien in Polen bis zu 20 Prozent billiger, sagt ein polnischer Fachhändler. Gefragt seien Spülmaschinen, Fotoapparate, Waschmaschinen und Flachbildschirme.

Die deutschen Händler am anderen Ufer müssen sich aber noch keine Sorgen machen. „Wir haben keine signifikanten Einschnitte“, sagte der Manager vom Frankfurter Spitzkrug-Multicenter, dem größten Einkaufszentrum in Ostbrandenburg. „Der deutsche Service wird nach wie vor geschätzt“, sagt auch Christina Minkley, Leiterin des Handelsverbandes Ostbrandenburg. Vor allem betuchte polnische Bürger würden nach wie vor gern in deutschen Geschäften einkaufen; von Umsatzeinbußen sei noch nichts bekannt. S. Prutean (dpa)/A. Wilhelm

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