Der Tagesspiegel : Zum Wohlfühlen

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ClausDieter Steyer sucht nach Wegen aus der Krise für das Brandenburger Gastgewerbe

ANGEMARKT

Brandenburg sehnt sich nach guten Nachrichten. Das dachte auch der Verbandschef der Hoteliers und Gastwirte, Thomas Badstübner, beim Verfassen des Jahresberichtes. Kurzerhand löschte er vor der Übergabe der Jahresbilanz an die Presse das Fragezeichen hinter der Überschrift. Denn dieses stand ursprünglich hinter der Aussage „Hoffnungsschimmer am Horizont“. Aber die Zeichen stünden gar nicht schlecht, meinte der selbst ein Hotel führende Mann. Das Brandenburger Gastgewerbe könne schließlich gar nicht tiefer fallen. Die Talsohle sei endlich erreicht. Dieses betrübliche Eingeständnis mag zunächst überraschen. Denn der Jahrhundertsommer, die verbreitete Angst vor Fernreisen und der Trend zum immer kürzeren Urlaub hätten doch gerade dem Brandenburger Gastgewerbe nützen müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Hälfte aller befragten Betriebe meldete einen Rückgang der Gästezahlen. Das bedeutet weniger Umsätze, weniger Geld für die Rückzahlung der Kredite und nicht zuletzt Entlassungen.

Dieses Dilemma beklagen nicht nur die Brandenburger Betriebe. Auch in vielen Berliner Ausflugslokalen und mittleren Hotels fällt das Stimmungsbarometer. Allerdings ist die Lage in Brandenburg und in anderen östlichen Bundesländern besonders schwierig. Die meisten Häuser sind erst vor neun, zehn oder zwölf Jahren entstanden. Anfangs stellten die aufgenommenen Kredite keine große Belastung dar. Aber die sorglose Zeit ist vorüber. Nun brauchen die Hotels und Lokale jeden Besucher, der aber lieber zu Hause bleibt oder sich in der Gaststätte auf ein Getränk beschränkt.

Im Unterschied zu den gescheiterten Großprojekten ist den Akteuren hier kaum ein Vorwurf zu machen. In der Regel stimmen die Preise, die Küche bietet trotz weit verbreiteter Vorurteile eine angemessene Qualität, und auch der Service braucht nicht mehr den Vergleich mit anderen Bundesländern zu fürchten. Dennoch sind gerade innerhalb Brandenburgs die Unterschiede natürlich groß. Wellnesshotels melden beispielsweise überall im Land steigende Umsätze. Wie wichtig diese Wohlfühlangebote sind, zeigt nicht zuletzt das Spitzenhotel „Zur Bleiche“ in Burg im Spreewald. Nachdem der große Wellnessbereich hier im September abgebrannt war, gingen die Buchungszahlen um 80 Prozent zurück. Erst zu Ostern soll der Neubau fertig sein. Nun kann sich nicht jedes Landhotel und jeder Landgasthof eine große Sauna-Landschaft, ein Solarium, ein Massage-Zentrum, einen Fitness-Raum oder Verträge mit einer Kosmetikerin leisten. Aber oft würden schon Hinweise auf entsprechende Angebote und Partnerschaften genügen. Die Gäste honorieren es in jedem Fall. Dann hätte das Löschen des Fragezeichens in der Bilanzüberschrift durchaus seinen Sinn.

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