Der Tagesspiegel : Zum Zahnarzt in Polen

City-BKK und AOK-Brandenburg bieten Kontakte

Sigrid Kneist

Berlin/Potsdam - Das Angebot ist verlockend. Ein nach deutschen Qualitätskriterien arbeitender polnischer Zahnarzt bietet den Zahnersatz zu polnischen Preisen – also für die Patienten erheblich billiger, in der Regel nämlich ohne Zuzahlung. Und die Krankenkasse stellt den Kontakt her. Seit September bietet die City-BKK, die in Berlin rund 125 000 Versicherte betreut, die Vermittlung zu ausgewählten polnischen oder auch ungarischen Zahnärzten. Nach knapp drei Monaten ist die Nachfrage allerdings eher bescheiden. Das Angebot haben bislang erst 30 bis 40 Patienten aus Berlin wahrgenommen, sagt City-BKK-Sprecher Torsten Nowak. Viele Menschen wägten wahrscheinlich den Aufwand – die Fahrtkosten und vielleicht mehrere Sitzungen beim polnischen Zahnarzt – gegen die Kostenersparnis ab.

Eine Kooperationsvereinbarung mit dem polnischen Unternehmen Medpolska hat die AOK Brandenburg abgeschlossen. Medpolska soll gewährleisten, dass die ausgesuchten Zahnärzte – allesamt deutschsprachig – die hiesigen Qualitätsstandards einhalten. Außerdem gilt wie in Deutschland die zweijährige Garantiezeit auf den Zahnersatz. Wer als AOK-Mitglied ein lückenloses Bonusheft geführt hat und den Heil- und Kostenplan des polnischen Zahnarztes vorlegt, dem wird der Regelzuschuss 100-prozentig gewährt. Da die polnischen Ärzte aufgrund der geringeren Lohnkosten bedeutend preiswerter arbeiten können, müssen die Patienten also meistens nichts mehr zuzahlen. In Deutschland hingegen müssen sie für eine Krone bis zu einigen hundert Euro selber aufbringen. Das Interesse der Versicherten ist allerdings relativ gering. Lediglich 15 Heil- und Kostenpläne aus Polen liegen derzeit vor. Ob sich die Berliner AOK auf ein solches Modell einlassen wird, ist offen. „Wir sind in Gesprächen“, sagte ein Sprecher.

Für die Barmer Ersatzkasse (BEK) und die Techniker Krankenkasse (TKK) sind solche Kooperationen zurzeit kein Thema. Aber nach dem EU-Beitritt sei es Mitgliedern möglich, sich Behandlungskosten aus Polen von der Kasse erstatten zu lassen, sagt TKK-Sprecher Detlef Natusch. Gleiches gilt bei der BEK. Die Nachfrage ist gering, sagt Sprecherin Viola Matzke: „Das sind nur Einzelfälle.“ Die IKK-Direkt etwa lehnt Kooperationsprojekte mit polnischen Zahnärzten ganz ab.

Skeptisch ist die Berliner Kassenzahnärztliche Vereinigung. „Wir beobachten die Entwicklung“, sagt Sprecher Thomas Grande. Man müsse sich darauf einstellen, dass die Wettbewerbsmöglichkeiten durch die EU-Erweiterung dazu führen können, einheimische Praxen zu schwächen. Bisher gibt es nach Grandes Angaben noch keine Rückmeldungen von Berliner Zahnärzten, die über Abwanderungen ihrer Patienten nach Polen berichten.

Informationen gibt es bei der City-BKK unter 030/8895 1259 und bei der AOK Brandenburg unter 0180/265 11 11.

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