Der Tagesspiegel : Zwei Männer starben bei Badeunfällen

Trotz Wassertemperaturen von bis zu 26 Grad können Herz und Kreislauf durch die Abkühlung beim Schwimmen schlapp machen

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Gleich zwei tödliche Badeunfälle meldete gestern die Polizei. Im Schlänitzsee bei Potsdam kam ein 80 Jahre alter Mann ums Leben. Er war aus seinem Boot ins Wasser gesprungen, um verlorene Schuhe einzusammeln. Nach dem Sprung tauchte er jedoch nicht wieder auf, so dass seine 66 Jahre alte Lebensgefährtin die Polizei alarmierte. Nach einer halben Stunde bargen Mitarbeiter der Verkehrswacht den leblosen Körper. Versuche zur Wiederbelebung blieben erfolglos.

Ums Leben kam auch ein 69-jähriger Rentner im Mochowsee bei Lieberose in Ostbrandenburg. Er erlitt im Wasser einen Schwächeanfall und sank unter die Wasseroberfläche. Badegäste zogen den leblosen Körper an den Strand. Eine zufällig anwesende Ärztin und eine Krankenschwester leisteten zwar erste Hilfe, aber der Mann konnte nicht wiederbelebt werden. An den Tagen zuvor hatte es mehrere tödliche Badeunfälle von Kindern gegeben.

Dennoch gibt es nach Einschätzung der Polizei keine ungewöhnliche Häufung bei tödlichen Badeunfällen. „Wir liegen auf dem Niveau der vergangenen Jahre“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder), Peter Salender. „Fünf Wochen schönstes Sommerwetter hat die Seen und Flüsse so stark erwärmt, dass viele Menschen leichtsinnig werden und sich überschätzen.“

Trotz der vergleichsweise hohen Wassertemperaturen von derzeit 24 bis 26 Grad Celsius verkraften oft Herz und Kreislauf die Abkühlung nicht. Vor allem nach einem vorherigen Sonnenbad oder einer körperlichen Anstrengung erleiden viele Badende einen Schock.

Zu den Hauptursachen für tödliche Unfälle zählt die Brandenburger Polizei dennoch vor allem Sprünge in unbekannte Gewässer. Diese führten oft zu schweren Unfällen wie Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen, Knochenbrüchen, Verrenkungen und Verstauchungen sowie Wunden aller Art. Für Nichtschwimmer sei besonders das Baden in unbekannten Gewässern gefährlich, denn Sand, Schlick oder Untiefen im Boden können zum plötzlichen Untertauchen führen. „Das löst bei den Betroffenen Panik aus, so dass sie nicht mehr normal reagieren“, sagte ein Experte der Polizei. Zur Vorsicht wird auch beim Baden an Flüssen wie Elbe, Oder, Spree und Havel geraten. Häufig würden selbst gute Schwimmer die Kraft der Strömung unterschätzen. Gesundheitsexperten empfehlen, bei Kältegefühlen sofort das Wasser zu verlassen. Es könnten sich sonst Krämpfe einstellen.

Im vergangenen Jahr kamen 33 Badende in Brandenburg um Leben. Das ist eine Steigerung gegenüber 2004 um fünf Fälle. Fast ein Fünftel der Toten waren Kinder, die noch nicht schwimmen konnten. Für dieses Jahr liegen noch keine Zahlen vor.

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