Der Tagesspiegel : Zwei Tote nach Explosion in Neuköllner Laubenkolonie

Binnen weniger Minuten brannte eine Holzhütte ab. Eine Nachbarin erlitt eine Rauchgasvergiftung. Die Unglücksursache ist bislang ungeklärt

Marc Neller

Ein gewaltiger Krach zerriss die Morgenstille, wenige Sekunden später standen meterhohe Flammen über der Neuköllner Laubenkolonie „Friedland III“. Was am Sonntag gegen 4.45 Uhr die Explosion in dem Gartenhaus im Sangerhauser Weg ausgelöst hat, ist bislang unklar. Fest steht: Sie hat zwei Menschen das Leben gekostet. Die Polizei vermutet, dass die Opfer ein 78-jähriger Mann und eine 64-jährige Frau sind, die dauerhaft in der Kolonie wohnten.

Die Frau wollte sich offensichtlich noch ins Freie retten. Doch als die Feuerwehr kurz vor fünf am Unglücksort eintraf, lag sie bereits leblos, mit schweren Brandverletzungen vor der völlig zerstörten Holzlaube. Wenig später fanden die Feuerwehrleute unter dem Brandschutt dann die Leiche des Mannes. Die Feuerwehr, die mit 45 Rettungskräften ausrückte, hatte laut Gert Hoffmann vom Lagedienst das Feuer schnell unter Kontrolle. „Aber die etwa 30 Quadratmeter große Holzhütte war da schon vollkommen niedergebrannt.“

Nach ersten Ermittlungen hatten die Verstorbenen ein Dauerwohnrecht. Laut Anwohnern soll das Haus mit einer Gasheizung und einem Gasherd ausgestattet gewesen sein. Das wollte die Polizei gestern aber nicht bestätigen. Ein Sprecher bezeichnete es als großes Glück, dass das Feuer nicht auf andere Lauben übergriff. Allerdings wurden einige der angrenzenden Hütten durch die Druckwelle der Explosion beschädigt. Außerdem erlitt eine 62-jährige Nachbarin eine Rauchgasvergiftung. Sie wurde im Krankenhaus ambulant behandelt. Die Löscharbeiten dauerten bis kurz nach sieben Uhr. In dieser Zeit war die Tauernallee gesperrt. Bei Polizei und Feuerwehr hieß es gestern, Laubenbrände mit Todesfolge seien entgegen weit verbreiteter Meinungen selten.

Zuletzt starb im November vergangenen Jahres eine Rentnerin bei einem Laubenbrand in Biesdorf. Die 68-Jährige schlief, als wegen eines technischen Defekts das Feuer ausbrach. Gut ein halbes Jahr zuvor war ein 55-Jähriger in seiner Wohnlaube in der Lichterfelde verbrannt. Die Polizei vermutet, dass der Mann nach einem Streit mit seiner Frau das Feuer selbst gelegt hatte. Die Frau konnte sich leicht verletzt retten.

Ob die beiden Neuköllner Toten tatsächlich die Laubenbesitzer sind und woran sie starben, soll nun eine Obduktion klären. Laut Gert Hoffmann von der Feuerwehr erliegen Brandopfer in ähnlichen Fällen wie jenem in Neukölln „meist einer Rauchgasvergiftung und nur sehr selten Verbrennungen, die sie erleiden“.

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