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Fachforum CO2-Bepreisung : Was darf uns die Zukunft kosten?

Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif – doch welchen Preis der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen haben sollte, ist umstritten. Auch beim Fachforum CO2-Bepreisung des Tagesspiegels zeigte sich, wie unterschiedlich die Positionen zum CO2-Preis sind, den die Bundesregierung in ihrem Klimapaket erarbeitet hat.

Von links: Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin, Johann Saathoff, Lisa Badum, PStS Thomas Bareiß sowie Dr. Lukas Köhler im Gespräch mit Jakob Schlandt, Der Tagesspiegel
Von links: Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin, Johann Saathoff, Lisa Badum, PStS Thomas Bareiß sowie Dr. Lukas Köhler im...

Wie stark wird Klimaschutz unseren Alltag in Zukunft beeinflussen? Aus welchen Quellen werden wir unseren Strom beziehen? Wie werden wir uns fortbewegen und unsere Häuser heizen? Die Antworten auf diese Fragen hängen auch davon ab, wie viel es Verbraucher und Unternehmen zukünftig kosten wird, Treibhausgase zu verursachen. Beim Fachforum des Tagesspiegels war die Höhe und Ausgestaltung eines CO2-Preises und die weiteren Maßnahmen des Klimapakets Diskussionsthema zwischen hochrangigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

»Der Einstieg in die CO2-Bepreisung hätte auch beherzter ausfallen können.« Svenja Schulze Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
»Der Einstieg in die CO2-Bepreisung hätte auch beherzter ausfallen können.« Svenja Schulze Bundesministerin für Umwelt,...


Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) kommentierte in ihrer Grundsatzrede das von der Regierung verabschiedete Klimapaket mit den Worten: „Klimaschutz wird jetzt endlich Gesetz.“ Erstmals lege das Klimaschutzgesetz die Klimaziele für die einzelnen Ministerien rechtsverbindlich mit konkreten Jahreszahlen fest. Das Klimapaket der Großen Koalition sieht neben vielen Einzelmaßnahmen einen Einstiegspreis von zehn Euro pro Tonne CO2 in den Bereichen Verkehr und Wärme ab 2021 vor. Doch Schulze gibt auch zu: „Der Einstieg in die CO2-Bepreisung hätte auch beherzter ausfallen können.“

»Offshore-Windenergie kann grünen Wasserstoff produzieren – beispielsweise auch für die Chemieindustrie.« Martin Neubert CEO Offshore Wind, Ørsted
»Offshore-Windenergie kann grünen Wasserstoff produzieren – beispielsweise auch für die Chemieindustrie.« Martin Neubert CEO...

Dass eine Tonne CO2 in einem nationalen Emissionshandel zu Anfang zehn Euro kosten soll, hält die Klimaforscherin Brigitte Knopf vom Berliner Mercator Research Institute für unzureichend: „Was notwendig wäre, um die Pariser Klimaziele zu erreichen, ist ein Preisniveau zwischen 36 und 72 Euro.“

»Nach 2026 ist das Preisniveau offen – für Investitionsentscheidungen ist das schwierig.« Dr. Brigitte Knopf Generalsekretärin, Mercator ResearchInstitute on Global Commons and Climate Change
»Nach 2026 ist das Preisniveau offen – für Investitionsentscheidungen ist das schwierig.« Dr. Brigitte Knopf Generalsekretärin,...

Doch auch ein solcher Preis würde laut Knopf nicht alles regeln, weitere Maßnahmen wären notwendig. Im weltweiten Vergleich befinde sich Deutschland mit seinem vorgesehenen CO2-Preis im unteren Drittel. Schweden glänzt als europäischer Musterschüler im Klimaschutz mit einem CO2-Preis von mehr als 115 Euro – allerdings mit einer Steuer, nicht mit einem Emissionshandelssystem, wie es hierzulande angedacht ist.

»Wir sind der große Gewinner des Klimapakets.« Alexander Doll Vorstand für Finanzen, Güterverkehr und Logistik, Deutsche Bahn
»Wir sind der große Gewinner des Klimapakets.« Alexander Doll Vorstand für Finanzen, Güterverkehr und Logistik, Deutsche Bahn

Mehr Verständnis wünscht sich Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) von Umweltschützern, Linken und Grünen, die ein weit höheres CO2-Preisniveau fordern: Lösch zufolge stehen nämlich „gigantische technologische Herausforderungen“ bevor, die ein „neues Fundament für die Industriegesellschaft“ notwendig machen. Beispielhaft nannte der BDI-Mann die schwierige Aufgabe, Stahlwerke künftig mit grünem Wasserstoff zu versorgen und auf Kohle in den Hochöfen zu verzichten.

Martin Neubert, Offshore-CEO beim Unternehmen Ørsted, sieht einen CO2-Preis als Chance: „Wir müssen die Dekarbonisierung in allen Sektoren voranbringen, da ist der CO2-Preis ein wichtiges Instrument.“ Statt weiterhin Kohle zu verbrennen, müsse eine weitgehende Elektrifizierung mittels grünem Strom stattfinden. Neubert glaubt außerdem an die Innovationskraft, die eine CO2-Bepreisung mit sich bringt: „Offshore-Windenergie ist ein Musterbeispiel, wie man mit gezielten Lenkungsmaßnahmen Innovationen vorantreiben kann, ohne jahrelang Geld zu verschwenden.“ So habe seine Branche innerhalb von sieben Jahren nicht nur Tausende Arbeitsplätze geschaffen, sondern könne mittlerweile auch subventionsfreie Offshore-Windenergie zu marktfähigen Preisen anbieten.

orsted.de/optimismus