Die Vespas sind los

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1. Mai in Berlin : Nicht nur in Kreuzberg ist eine Menge los
Joy Schilling Simon Grothe
Stinkt schön. Bis zu 500 Rollerfahrer knattern vom Winterfeldtplatz aus durch die Stadt – auch Claudius Stier.
Stinkt schön. Bis zu 500 Rollerfahrer knattern vom Winterfeldtplatz aus durch die Stadt – auch Claudius Stier.Foto: privat

Automatikroller sind hier in Schöneberg nicht erwünscht. Und auch keine Plastikroller. Claudius Stier muss es wissen, er ist zum zehnten Mal beim „Anrollern“ dabei und rechnet auch in diesem Jahr mit bis zu 500 Fahrern. Start ist am Donnerstag um 12 Uhr am Winterfeldtplatz. Dann knattern die Nostalgiker durch die Stadt. Stationen sind Halensee, Schlachtensee, Spinnerbrücke, dann Kaiserdamm, Straße des 17. Juni, Brandenburger Tor.

Der qualmende Frühlingsgruß ist nicht nur für Stier ein wichtiges Ereignis: „Wir machen ein friedliches Kontrastprogramm zu den Demos am 1. Mai und wollen ein Gemeinschaftsgefühl aufleben lassen“, sagt der 30-Jährige, der als Unternehmensberater arbeitet. Mit der Vespa fahren, das sei für ihn stilvoll und wecke ein italienisches Lebensgefühl. Seit dem Ende der Schulzeit ist er fasziniert von den alten Rollern und schraubt viel an seinen „alten Ladys“, wie er die Roller nennt. Zwischenzeitlich besaß er acht Modelle, von denen er die schönsten drei aufgehoben hat. Beim Anrollern fährt er eine blaue Vespa 50 r, Baujahr 1979. „Ein Zweirad mit Stil“, sagt er und verweist auf „Mod“, die britische Subkulturbewegung aus den 80er Jahren mit dem Leitsatz: „Der Schein bestimmt das Sein“. Die Vespa ist ein Vollzeithobby: „Wenn man auf der einen Seite fertiggeschraubt hat, kann man auf der anderen Seite von vorne anfangen“, sagt er. „Trotzdem besser als die Plastikmodelle ohne Gangschaltung“.

In den vergangenen Jahren wurde der Vespakorso mehrmals von Polizeiautos eingekreist und getrennt; es ist ja keine Demo im klassischen Sinne, es gibt keine Anmelder, keinen Veranstalter. „Richtige Probleme hatten wir aber noch nicht," sagt er. Simon Grothe

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