100 Millionen Euro für neue Anlage : Bayer stärkt Produktion in Berlin

Der Pharmakonzern baut eine neue Produktionsanlage in der Hauptstadt – und setzt bei der Mitarbeiterschulung künftig stark auf digitale Hilfsmittel.

Christoph M. Kluge
Teamwork. Bayer-Manager Stefan Oelrich (links) und Wolfram Carius (rechts) und der Regierende Michael Müller.
Teamwork. Bayer-Manager Stefan Oelrich (links) und Wolfram Carius (rechts) und der Regierende Michael Müller.Foto: promo

Bayer hat große Pläne für seine Hauptstadt-Niederlassung. Schon jetzt steuert der Konzern von seinem Areal in Berlin-Mitte aus sein globales Pharmageschäft und unterhält hier auch Teile seiner pharmazeutischen Forschung, Entwicklung und Produktion. Gerade letztere will er künftig noch deutlich stärken.

Insgesamt rund 100 Millionen Euro investiert der Konzern deshalb in den Bau einer keimfreien Produktionsanlage, um damit die Kapazitäten für die Entwicklung, klinische Versorgung sowie die Markteinführung neuer Produkte zu erweitern. Das teilte Bayer-Vorstandsmitglied, Stefan Oelrich, am Mittwoch mit – und nutzte die Gelegenheit zugleich, um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller über die Baustelle zu führen.

In der neuen Produktionshalle sollen einmal, so plant es Bayer, 70 Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachleute entstehen – zusätzlich zu den 5000 bestehenden am Standort. Bayers Berliner Fertigungsanlage ist schon heute einer der wichtigsten Produktionsstandorte des Unternehmens für die Herstellung und Verpackung flüssiger Arzneiformen, wie Injektions- und Infusionslösungen. Die in Berlin hergestellten und verpackten Produkte werden weltweit in über 130 Länder exportiert.

13 Spezialroboter sollen eingesetzt werden

Für den neuen Produktionsbetrieb sucht der Konzern Fachkräfte aus verschiedenen Branchen. Zum Beispiel Pharmakanten, die auf sterile Fertigung spezialisiert sind. Außerdem Apotheker, Logistiker, Ingenieure und IT-Spezialisten für die Arbeit mit Robotern.

Denn die Anlage soll nach den Plänen des Konzerns einen hohen Grad an Automatisierung aufweisen, wenn er 2021 eröffnet wird. So sollen insgesamt 13 Spezialroboter des japanischen Herstellers Denso bei der Produktion eingesetzt werden. Deren Roboterarme könnten präzise greifen und dem Menschen monotone Tätigkeiten abnehmen, sagte Denso-Mitarbeiter Oleg Bowkum. Eine solche Maschine ist etwa einen Meter hoch und vier Kilo schwer. Kostenpunkt: mindestens 80.000 Euro.

„Wir kombinieren eine hoch automatisierte Herstellung mit einer innovativen, robotisierten Abfüllung und nutzen eine stark digitalisierte Fertigungsunterstützung“, erklärte Wolfram Carius, der die Pharmasparte bei Bayer leitet. „Dadurch können wir die Notwendigkeit von manuellen Eingriffen senken und verschiedenste Präparate sehr flexibel in kleinsten Stückzahlen skalierbar produzieren.“

Mitarbeiter sollen durch Virtual-Reality-Anlage trainiert werden

Doch nicht in der Produktion, auch bei der Schulung der menschlichen Mitarbeiter setzt Bayer künftig am Standort Berlin auf digitale Hilfsmittel. Die Ingenieurin Ines Olbrich präsentierte am Mittwoch eine Virtual-Reality-Anlage, auf der neue Mitarbeiter trainiert werden sollen. Die echte Fertigungsanlage sei 24 Stunden am Tag im Einsatz, daher soll die Einweisung in Zukunft so erfolgen. Mit einer VR-Brille auf dem Kopf kann man sich durch eine virtuelle Anlage bewegen und alle Tätigkeiten ausführen. Bisher befindet sie sich allerdings noch in der Testphase.

Der Regierende Bürgermeister zeigte sich am Mittwoch beeindruckt: „Der Innovationsstandort Berlin gewinnt mit diesem wichtigen Projekt weiter an internationaler Bedeutung“, lobte Michael Müller. Für den Standort Berlin sprächen sehr gute Argumente: Neben den Forschungseinrichtungen der Stadt, der lebendigen Start-up-Szene auch die lange Liste von Pharmakonzernen, die in der Stadt bereits heimisch geworden sind.

Bayer-Manager Oelrich verwies seinerseits auf die lange Tradition, die die Hauptstadt mit dem Konzern verbindet. Früher habe Deutschland als „Apotheke der Welt“ gegolten, sagte er. Der Standort Berlin habe einen großen Anteil daran gehabt. Denn in Wedding habe die Schering AG bereits seit dem 19. Jahrhundert Medikamente über Jahrzehnte hinweg produziert – bevor sie 2006 von Bayer übernommen wurde.

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