Berlin : 1000 Polizisten bewachen Drittliga-Spiel

Heute Großeinsatz bei Partie Union gegen St. Pauli Sportvereine wollen stärker gegen Gewalt vorgehen

H. Heine J. Hasselmann

Fast 1000 Polizisten sowie die Spezialeinheit „EG Hooligan“ sollen heute Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des Berliner Fußballvereins 1. FC Union und des Hamburger Clubs St. Pauli verhindern. Der Einsatz gilt als Generalprobe für das „Hochrisikospiel“ im April: Dann tritt Union gegen Dynamo Dresden an. Beim letzten Dynamo-Spiel in Berlin, Ende Oktober, hatte es schwere Krawalle gegeben, bei denen Dresdener Hooligans Polizisten angegriffen hatten. Polizeipräsident Dieter Glietsch hatte danach Konsequenzen gefordert. Für Polizisten, so Glietsch damals, sei „die Grenze des Zumutbaren überschritten“. Auch Polizeigewerkschaften kritisierten, dass für Drittliga-Spiele oft mehr Beamte im Einsatz seien als bei Bundesliga-Spielen. Bis zu 14 000 Zuschauer werden heute im Stadion an der Alten Försterei in Köpenick erwartet, darunter 3000 Hamburger Fans. Sie sollen von einer Hundertschaft der Bundespolizei begleitet werden.

Gerade bei den Vereinen Union und BFC sei „verstärkte Fanarbeit hilfreich“, sagte der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, Bernd Schultz. Union gehe schon seit langem gegen das Problem vor, teilte der Verein mit. Die neue Stadionordnung der Alten Försterei enthalte nun einen Passus gegen Rassismus. „Pöbler können von Ordnern und Polizei aus dem Stadion entfernt werden, danach kann ihnen Hausverbot erteilt werden“, sagte Union-Sprecher Lars Töffling. Für notorische Gewalttäter sei sogar lebenslanges Stadienverbot angemessen, erklärte ein Sportfunktionär.

Auch Politiker und Sportverbände wollen der Gewalt rund um den Fußball stärker entgegentreten. Mitglieder aller Fraktionen im Abgeordnetenhaus forderten gestern ein konsequentes Vorgehen gegen Hooligans und rassistische Pöbeleien. Immer noch gebe es 300 gewaltbereite Hooligans in der Stadt, berichtete Sportstaatssekretär Thomas Härtel (SPD). Die meisten der 1600 Berliner Spiele pro Woche verliefen zwar friedlich, hieß es von den Sportverbänden. Auffällig sei aber, dass Spiele am häufigsten vorzeitig abgebrochen werden müssten, wenn Migrantenvereine gegen Ost-Berliner Teams antreten, sagte Gerd Liesegang, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Fair Play.

Fußball-Verbandspräsident Schultz und der Vorsitzende des Landessportbundes, Peter Hanisch, versicherten, die Handlungsempfehlungen für die 341 Berliner Fußballvereine konsequent umzusetzen. Darin werden die Clubs unter anderem aufgefordert, sich bei Konflikten rechtzeitig an die Polizei zu wenden. Die Richtlinien wurden nach antisemitischen Ausfällen im vergangenen Jahr verabschiedet. Damals waren jüdische Spieler des TuS Makkabi bei einer Partie gegen VSG Altglienicke von Anhängern der Treptower Gastmannschaft bedroht worden. Der Fall wurde vor dem Sportgericht des Berliner Fußball-Verbandes verhandelt. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Altglienicker Mannschaft dabei kaum bestraft worden sei. „Bei den Sportgerichten ist ein Mentalitätswechsel nötig“, meint auch der Sportsoziologe Silvester Stahl von der Universität Potsdam.

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