„Wir wollen keine Türme verhindern"

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130.000 fehlende Wohnungen in Berlin : „Ich bin mit den Zahlen nicht zufrieden“

Bauträger beklagen die Regulierungen des „Berliner Modells“ bei Siedlungsprojekten, jetzt auch im neuen Hochhausleitbild. Wer einen Turm baut, muss darin Sozialwohnungen schaffen, Grünflächen, offene Dachgeschosse. Das könne keiner bezahlen. Wollen Sie Turmbauten verhindern?
Wir wollen keine Türme verhindern und mir gegenüber hat sich auch kein Investor so geäußert. In der Stadtplanung geht es aber auch nicht darum, den Investoren ein maßgeschneidertes Baurecht zu schaffen. In Berlin ist diese Art von Höhenentwicklung neu. Und unser Konzept der Qualitätsstandards wie Mixed Use wird sehr positiv gesehen. Dadurch entstehen keine monofunktionalen Türme.

Wichtig ist außerdem, dass sie sich ins Umfeld einpassen. Und schließlich sollte auch die Allgemeinheit am exklusiven Ausblick vom Dach teilhaben. Wenn diese Ansprüche zu hoch sind, dann wären Hochhäuser für die Stadt parasitär. Das ist nicht, was wir für Berlin wollen.

Möglichst wenig Spielraum für Private, möglichst viel für die Öffentlichkeit, würden Sie die Meinung teilen, dass der Senat einen Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung vollzieht?
Uneingeschränktes Ja! Der vollzieht sich nicht erst seit dem Sommer 2019, sondern ist schon im Koalitionsvertrag eingeschrieben. Die Voraussetzung dafür ist schon in den 2000er Jahren gelegt worden. Der Bürgerentscheid Spreeufer für alle war 2008 der erste Schritt dazu. Dann folgte 2011 das Moratorium gegen den Verkauf städtischer Grundstücke.

Das erfolgte auf den Druck von Initiativen wie „Stadt neu denken“. Kotti & Co hat 2012 den sozialen Wohnungsbau auf die Tagesordnung gesetzt. Hinzu kommt der Entscheid gegen die Bebauung von Tempelhof im Jahr 2014 und der Mietenvolksentscheid 2015.

Checkpoint Charlie
28. Oktober 1961. Einer der gefährlichsten Momente im Kalten Krieg: An der Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße standen sich Ost und West schussbereit in Panzern gegenüber. Das Häuschen in der Bildmitte wurde zum Symbol für den weltbekannten Grenzügergang, der durch den Mauerbau im August 1961 nötig wurde.Weitere Bilder anzeigen
1 von 35Foto: dpa
05.12.2018 11:3228. Oktober 1961. Einer der gefährlichsten Momente im Kalten Krieg: An der Friedrichstraße Ecke Zimmerstraße standen sich Ost und...

Und Sie stimmen ein, holt euch eure Stadt zurück?
Es gab zivilgesellschaftlichen Druck auf die damals herrschende Politik, die dem gegenüber nicht so aufgeschlossen war wie Koalition und Senat heute. Es sind Öffnungen gelungen, es gab Verhandlungen des Senats mit dem Mietenvolksentscheid. Wir waren damals als Oppositionsparteien mit den Bewegungen eng verbunden. Nach den Wahlen war es unser politischer Auftrag im Senat, die Politik neu auszurichten, transparenter und partizipativer zu gestalten. Es war ein Vertrauensvorschuss der Stadtgesellschaft, den wir durch Wahlerfolg und Regierungsauftrag letztlich bekamen.

Apropos Flächen für alle – am Checkpoint Charlie will eine Gruppe von Kreativen um Tim Renner mitmischen. Dann wäre der Stadtplatz, den Sie den Berlinern zurückgeben wollen, perdu. Wie geht es weiter?
Zurzeit liegt der Bebauungsplan aus. Dann werten wir die Eingaben aus und bereiten die Beschlussfassung vor. Wir müssen im Februar einen rechtskräftigen Bebauungsplan beschlossen haben. Dieses Ziel werden wir nicht verfehlen. Große Änderungen wären zum jetzigen Zeitpunkt schwer, ich sehe auch nicht, dass sie inhaltlich erforderlich sind.

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