25 Jahre Berlin Partner : Es begann mit der gescheiterten Bewerbung um Olympia 2000

Seit 25 Jahren arbeiten die Berlin Partner am Image Berlins: Die Stadt als beliebter Investitionsstandort. Das war nicht immer so leicht wie heute.

November 2000: Die Köche Tim Raue, Wolfgang Nagler und Karlheinz Hauser (v.l.) lassen Volker Hassemer, den Chef der Marketinggesellschaft "Partner für Berlin" probieren. Der ehemalige Senator hat das Format der "Meisterköche" begründet, um Berlin auch kulinarisch nach vorne zu bringen.
November 2000: Die Köche Tim Raue, Wolfgang Nagler und Karlheinz Hauser (v.l.) lassen Volker Hassemer, den Chef der...Foto: picture-alliance / Berliner_Zeit

Feste Feiern gehört bei Marketingleuten zum Kerngeschäft. Gerne auch mit vorzüglichen Speisen und Getränken. Zum Beispiel beim Galadinner der Berliner Meisterköchen, das es seit 1997 gibt. Damals habe man „Projekte gesucht zur Community-Bildung“, hat Volker Hassemer einmal erzählt. „Und da die Berliner Gastronomie einen eher schlechten Ruf hatte, sind wir auf die Idee mit den Meisterköchen gekommen.“

Hassemer war eine der prägenden Figuren der Marketinggesellschaft, die 1994 aus den Trümmern der Olympiabewerbung entstanden war. Die Bewerbung scheiterte 1993, und ein Jahr später wurde die „Olympia 2000 Marketing“ in die „Partner für Berlin Gesellschaft für Hauptstadt Marketing GmbH“ umgewandelt. Die war dann deutlich erfolgreicher.

25 Jahre sind vergangen, und der halbwegs runde Geburtstag wird am heutigen Freitag in Siemensstadt gefeiert. Wieder stehen Meisterköche am Herd, die unter anderem Michael Müller und Cedrik Neike versorgen. Der Regierende Bürgermeister und das Siemens-Vorstandsmitglied hatten sich im Herbst 2018 gemeinsam ins Zeug gelegt, damit der Konzern für 600 Millionen Euro einen Zukunftscampus am Traditionsstandort aufbaut.

Einige der 21 Gründungsmitglieder der Berlin Partner fehlen bei der Geburtstagsparty in Spandau. Die Bankgesellschaft Berlin, die Deutsche Interhotel oder die Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH gibt es nicht mehr. Es ist eben viel passiert, Berlin ist größer geworden und hat die Krisenjahre nach der Wiedervereinigung überstanden. Heute gehören 292 Unternehmen, Kammern, Verbände und Wissenschaftseinrichtungen zu den Partnern, die sich gemeinsam für Stadt und Standort engagieren.

Die Grundlage des Erfolgs: Die Selbstdarstellung Berlins respektive das Marketing richtet sich nicht nur an potenzielle Investoren jenseits der Stadtgrenzen. Die Berliner in herausgehobener Funktion, die Geschäftsführer und Verbandsleute sollten gewonnen werden für ein Engagement. „Das war die große Idee“, erinnert sich Hassemer. Die Bürger selbst und die Unternehmer nehmen die Dinge in die Hand und bringen die Stadt voran.

Mitte der 1990er: Wirtschaftliche Probleme im Osten wie im Westen

Es war ja nicht viel los Mitte der 1990er Jahre: Die Wirtschaft im Ostteil brach zusammen, und im Westen gab es viele verlängerte Werkbänke und kaum starke Unternehmen. Mit der Kampagne „Das neue Berlin“ bemühten sich die Partner Ende 1998 um Aufbruchstimmung – obgleich es fast überall bergab ging. Dann wurde der Potsdamer Platz zum Symbol für eine Stadt im Aufbau, und die Schaustelle Berlin (1996 bis 2005) mit der roten Info-Box auf dem Platz war eine der guten Ideen der Partner. Ebenso das Berliner Hoffest (seit 1999), das der Regierende Bürgermeister gemeinsam mit dem Partnern jedes Jahr ausrichtet.

Berlin Partner betrieb auch die rote "Info-Box" an der Großbaustelle Potsdamer Platz zwischen 1996 und 2005.
Berlin Partner betrieb auch die rote "Info-Box" an der Großbaustelle Potsdamer Platz zwischen 1996 und 2005.Foto: picture alliance / akg-images /

Mit Imagekampagnen versuchte die Marketinggesellschaft zwischen 1998 und 2008 für die Stadt zu werben und dabei drei Stärken zu betonen: Hauptstadt, Ost-West-Metropole und Stadt der Wissenschaft. Das klang gut und plausibel, ähnlich wie Dienstleistungsmetropole und Ost-West-Drehscheibe; doch in der Nachwende-Realität rutschte Berlin ab und wurde vor allem wegen des Verlusts von rund 200 000 Industriearbeitsplätze zur Arbeitslosenhauptstadt.

Senat und Wirtschaft suchten Auswege aus der Misere – und fanden sie in Fusionen. Im Laufe der Jahre hatte sich eine Handvoll Institutionen gebildet, die sich mit Wirtschaftsförderung befassten. Als Erstes wurde die bei der IHK angesiedelte Berliner Absatzorganisation (BAO) mit der Wirtschaftsförderung Berlin International verschmolzen, 2005 dann fusionierten die „privaten“ Berlin Partner mit der „staatlichen“ Wirtschaftsförderung mit dem Ziel einer „One stop agency“: Ansiedlungspolitik und Hauptstadtmarketing aus einer Hand. Das Motto damals: „Wir ermöglichen Wachstum.“ 2008 begann die Kampagne „be Berlin“ mit Berlinerinnen und Berlinern auf Plakaten, um das „Wir“-Gefühl in der Stadt zu stärken und die Vielfalt zu betonen. Gleichzeitig wurde Berlin als Wissenschaftsstandort und Kreativmetropole international beworben. Der rote Rahmen und der Dreiklang „sei..., sei..., sei Berlin“ klang zwar manchmal bescheuert, schaffte es aber zum Markenzeichen.

Februar 2010: Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trägt eine Tasche bedruckt mit dem berühmten Dreiklang: "Sei....sei...sei...".
Februar 2010: Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trägt eine Tasche bedruckt mit dem berühmten Dreiklang:...Foto: Thilo Rückeis

2013 dann der nächste große Schritt. Die Berlin Partner fusionieren mit der Innovationsagentur, der Technologiestiftung Berlin. Unter dem Namen Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie befassen sich seitdem gut 200 Mitarbeiter im Ludwig-Erhard-Haus mit Wirtschaftsförderung, Hauptstadtmarketing und Technologietransfer. Zwei Drittel des Jahresbudgets von 30 Millionen Euro trägt der Steuerzahler; immerhin zehn Millionen kommen von den Partnern.

Aufsichtsratschef Jung fordert vom Senat "Verlässlichkeit"

Unternehmer mit Strahlkraft und Verbindungen haben in den 25 Jahren als Aufsichtsratsvorsitzende agiert. Die ersten zehn Jahre war das der ehemalige Bahnchef Heinz Dürr, dann folgten der Daimler-Manager Rolf Eckrodt und die Vorstandschefs der Berliner Volksbank, erst Holger Hatje und seit vergangenem Jahr Carsten Jung. Heute Abend in Siemensstadt wird Jung in seiner Geburtstagsansprache ein paar Akzente setzen und sich dabei vor allem an Michael Müller wenden. „Verlässlichkeit der Politik“, so Jung im Gespräch mit dem Tagesspiegel, „ist ganz wichtig für die Unternehmen.“

Er meint damit, dass Marketing auch nichts mehr retten kann, wenn in der Stadt ständig von Enteignung und Preisobergrenzen die Rede ist. Es seien im Übrigen nicht nur Wohnungsnot und Mietpreisexplosion, die derzeit den Immobilienmarkt prägten. Auch Gewerbetreibende fänden kaum noch Flächen, Handwerker würden zunehmend aus der City verdrängt, hat der Chef der Berliner Volksbank beobachtet.

Wie seine Vorgänger betont auch Jung die „einmalige Aufstellung“ der Berlin Partner mit Wirtschaftsförderung und Standortmarketing unter einem Dach. Die Zahl der Partner wird bald die 300er Marke erreichen, glaubt er. Schließlich zieht Berlin noch immer Talente und Unternehmer aus aller Welt an. Vor 25 Jahren war das anders. Die damalige Wirtschaftsförderung mit Hans Estermann an der Spitze appellierte an Politik und Öffentlichkeit, sich „nichts vorzumachen und zu glauben, wir würden Tausende von Arbeitsplätzen schaffen“. Heute läuft das Geschäft (fast) wie von selbst. Im vergangenen Jahr betreuten die Berlin Partner Projekte mit einem Investitionsvolumen von knapp 600 Millionen Euro und fast 9000 Arbeitsplätzen. Und auch 2019 läuft gut. Es darf gefeiert werden.

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