Was am 8.11. rund um die Mauerfall-Feierlichkeiten geschah

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25 Jahre Mauerfall - Blog zum Jubiläum : Berlin hat ausgelassen gefeiert
Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Axel Schmidt / Reuters
12.12.2014 10:49Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.

21.30 Uhr: Nächtlicher Blick von oben

Schon die Flugnummer hat historischen Wert. „AB 1989“. Air Berlin feierte das Jubiläum des Mauerfalls am Samstagabend mit einem Rundflug über die Lichtgrenze. Das Flugzeug, eine Propellermaschine von Bombardier, versprach eine etwas engere Fühlungnahme mit der Stadt, als es die großen Airbusjets zulassen. Aus rund 1000 Meter Höhe präsentiert sich Berlin wie ein funkelndes Paillettengewebe. Es gibt feine Lichtpunkte, grazile Lichtbänder, bunte Lichtknoten, das Olympiastadion wirkt wie eine fluoreszierende exotische Frucht, das Brandenburger Tor wie ein breiter Scheinwerfer, der Alexanderplatz kommt als illuminierte Bühne ins Blickfeld.

Und die Lichtgrenze? Die Fotografen werden langsam unruhig. Man sieht sie einfach nicht. Jede Straßenbeleuchtung scheint heller. Doch dann schiebt sich der Mauerpark unter die Flugzeugfenster. Ein bläulich schimmernder Lichtfaden quert die schwarze Fläche, biegt in die Bernauer Straße ein, wo ihm die Leuchtkonkurrenz wieder die Schau stiehlt. Gut ist die Ballonkette auch an den Ufern von Spandauer Schifffahrtskanal und Spree erkennbar. Im Gegensatz zum Original hat diese Lichtgrenze nichts Bedrohliches. Sie durchschneidet einige schwarze Flächen im Stadtgewebe, die sonst unversehrt blieben, aber mit den Peitschenlaternen, die einst den breitenTodesstreifen ausleuchteten, hat dieser Glimmfaden nichts gemein. Macht nichts. Die Rundflugreisenden, 78 an der Zahl, sind sehr zufrieden mit der Gesamtberliner Leuchtkraft 25 Jahre nach der Mauer. Das war früher nicht so eindrucksvoll.

Mit diesem Blick von ganz oben drauf wünschen wir für heute eine gute Nacht. Morgen geht's weiter mit dem Feiern - und natürlich mit unserem Blog. Alle Veranstaltungstipps für den großen Jubiläumstag gibt's übrigens hier.

20:40 Uhr: Kritischer Blick von außen

Die „Gorbi, Gorbi“-Rufe gehörten zum Soundtrack des Mauerfalls: Michail Gorbatschows Politik war es zu verdanken, dass die Mauer fallen konnte. Zum 25-jährigen Jubiläum kehrte der Friedensnobelpreisträger zurück. Am Sonnabend begann im Allianz Forum am Pariser Platz ein Symposium zum Thema „Die Welt 25 Jahre nach dem Fall der Mauer“. Dabei kooperierte Gorbatschows „New Policy Forum“ mit der Cinema for Peace Foundation, die den einstigen sowjetischen Staatschef am Abend im Hotel Adlon bei einer Gala als „Mann des Jahrhunderts“ auszeichnete. Unter den Klängen von „Freude, schöner Götterfunken“ betrat der Geehrte den Ballsaal. Auch der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas war gekommen, der Gorbatschow ein dreifaches „Merci“ zurief, während Jan Josef Liefers ihn als einen rühmte, der „für uns Deutsche immer ein Freund, Held und Mentor“ sein werde. Schauspieler Adrien Brody bedankte sich mit einem russischen "Spassiba!" und sagte: "Präsident Gorbatschow, die Welt wird nie vergessen, was Sie getan haben." Klaus Meine, Katja Riemann und Maueröffner Harald Jäger, einst Leiter der Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße, feierten ebenfalls. Hans-Dietrich Genscher musste absagen, weil er krank war. Gorbatschow selber hatte beim Symposium schwere Vorwürfe gegen den Westen erhoben. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt sagte er: „Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.“ Es habe sich ein „Zusammenbruch des Vertrauens“ vollzogen. Er warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt.

Das ist doch ein Erinnerungsfoto wert.
Das ist doch ein Erinnerungsfoto wert.Foto: Reuters

20:17 Uhr: 70 Seiten, 25 Gastautoren

Die ersten Exemplare der Tagesspiegel-Sonderausgabe zum Jahrestag des Mauerfalls kommen aus der Druckerei in der Redaktion an: 70 Seiten dick, mit spektakulären Bildern, umfangreichen Artikeln zum Jubiläum und Gastbeiträgen von 25 prominenten Autoren, darunter Wim Wenders und Christo, Jim Rakete und Manuela Schwesig, Walter Momper und Antje Vollmer, Eberhard Diepgen, Frank Henkel und Klaus Wowereit. In ihren Artikeln erinnern sie an die unbändige Freude, die Tage des Wahnsinns vor 25 Jahren. Sie schauen zurück auf den einzigartigen Moment, als die Deutschen das glücklichste Volk der Welt waren. Zugleich wird analysiert, wie auf grenzenlose Euphorie und den Schwung des Neubeginns auch bittere Erfahrungen folgten: Einerseits bot die Freiheit neue Chancen, andererseits wurden Millionen DDR-Bürger zum Neuanfang gezwungen. Vor allem fragen der Tagesspiegel und seine Gäste, wie sich Berlin und Deutschland seit 1989 verändert haben, was wir aus dem historischen Moment gemacht haben, welche Chancen genutzt und welche Fehler gemacht wurden. Am Abend können die ersten Leser die Ausgabe mit dem Titel "25 Jahre Wahnsinn" bei fliegenden Händlern in der Stadt bekommen oder als e-Paper lesen, am Sonntag gibt es sie im Briefkasten und am Kiosk. Ein Video vom Besuch der Gäste im Tagesspiegel-Haus unweit des Potsdamer Platzes von unserer Videoreporterin Jana Demnitz finden Sie unter unten stehendem Link.

Die heutige Tagesspiegel-Redaktion: Walter Momper, Lorenz Maroldt, Klaus Töpfer, Hope Harrison, Frank Henkel, Eberhard Diepgen, Antje Vollmer, Manuela Schwesig, Sebastian Urzendowsky, Florian Mausbach, Frank Gilly, Ines Geipel, Mark Naroska, Roland Jahn, Jens-Holger Kirchner, Bilkay Öney, Harf Zimmermann, Stephan-Andreas Casdorff (v.l.).
Die heutige Tagesspiegel-Redaktion: Walter Momper, Lorenz Maroldt, Klaus Töpfer, Hope Harrison, Frank Henkel, Eberhard Diepgen,...Foto: Kai-Uwe Heinrich

19:16 Uhr: Helden der Revolution

Das Mauerfalljubiläum ist ja eine Steilvorlage für großes Pathos. Das dürfte beim „Heroes Dinner“ von Cinema vor Peace am Samstagabend im Hotel Adlon sicher voll zum Zuge kommen. Leonardo DiCaprio, kann zwar nicht live dabei sein, um Michael Gorbatschow als „Mann des Jahrhunderts“ zu ehren. Er sendet aber eine Videobotschaft. Jan Josef Liefers will Hans-Dietrich Genscher laudatieren als Mann, der sein Leben für die Wiedervereinigung eingesetzt hat. Große Hommagen gibt es für Helmut Kohl, der auch nicht kommen kann, und den verstorbenen Willy Brandt als „Kanzler der Einheit“. Uma Thurman war ursprünglich vorgesehen George Bush Sr. und den Ungarn Miklos Nemeth als „Präsidenten mit einer Vision“ zu loben, wird aber wohl auch nicht anreisen können. Geehrt werden außerdem die Außenminister die im Wiedervereinigungsvertrag involviert waren, James Baker III, Eduard Schewardnadse, Roland Dumas, Douglas Hurd und Lothar de Maizière. Als Mann der den Dritten Weltkrieg verhinderte, wird Stanislaw Petrow ausgezeichnet. Er stufet im September 1983 als leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung einen vom System gemeldeten Angriff der USA mit nuklearen Interkontinentalraketen auf die UdSSR als Fehlalarm ein. Damit verhinderte er womöglich das Auslösen eines Atomkriegs. Bianca Jagger lobt an diesem Abend zudem drei Wächter an den Grenzen Ungarns, Österreichs und innerhalb Deutschlands, die im Sommer und Herbst 1989 nicht schossen, Arpad Bella, Johann Göltl und Harald Jäger. Außerdem soll es spät noch eine ganz besondere Aufführung der Scorpions-Ballade „Winds of Change“ geben und eine Auktion.

Redaktionskonferenz beim Tagesspiegel
Redaktionskonferenz beim TagesspiegelFoto: Kai-Uwe Heinrich

18:21 Uhr: Achtung, Autofahrer - hier sind die Sperrungen

Bevor alle wieder fasziniert die Ballons anschauen und die schönsten Erinnerungen an 1989 hervorkramen. Ein kurzer Blick auf den Verkehrswarndienst: Autofahrer müssen sich auf zahlreiche Straßensperrungen einstellen. Am Sonntag wird die Sperrung der Straße des 17. Juni wird von 9 Uhr bis 22 Uhr auf den Bereich zwischen  Großer Stern und Brandenburger Tor erweitert. Auch die Ebertstraße ist zwischen Dorotheenstraße und Behrenstraße von der Sperrung betroffen. Für Fahrradfahrer ist eine Umleitungsstrecke eingerichtet. Die Abbauarbeiten sollen bis Mittwochabend, etwa  20.30 Uhr dauern. Für die Lichtgrenze am Abend werden weitere Straßen dicht gemacht: Die Bernauer Straße zwischen Gartenstraße und Hussitenstraße von 10 Uhr bis etwa 13 Uhr Die Bösebrücke im Zuge der Bornholmer Straße zwischen Jülicher Straße und Malmöer Straße von 14 Uhr bis Montag, 2 Uhr. Die Eberswalder Straße zwischen Wolliner Straße und Schwedter Straße von 14 Uhr bis 22 Uhr der Bethaniendamm zwischen Adalbertstraße und Köpenicker Straße von 14 Uhr bis Mitternacht. Die Zimmerstraße/Niederkirchnerstraße in beiden Richtungen ist bereits seit Freitag nicht befahrbar und soll am Sonntag um Mitternacht frei gegeben werden. Mehr Informationen zu allen Sperrungen und Verkehrseinschränkungen geben die Veranstalter der Jubiläumsfeier unter der Telefonnummer: 030-247 49 725.

18 Uhr: Momper und der Zettel vom 9. November

Auf dem SPD-Parteitag erinnerten sich am Samstag viele Politiker an den Tag des Mauerfalls. Einer von ihnen ist Walter Momper, zu jener Zeit Regierender Bürgermeister. Er habe damals bei einem Fernsehinterview einen Zettel zugesteckt bekommen, dass die Grenze an der Bornholmer Straße geöffnet sei. "Das habe ich aber nicht vorgelesen, ich dachte, das gäbe Chaos", erzählte Momper. Dabei waren schon Tausende an der Grenze. Lesen Sie mehr von Tagesspiegel-Reporterin Sabine Beikler unter diesem Link.

 17:50 Uhr: Panoramablicke auf die Lichtgrenze

Wer an diesem Wochenende einen guten Blick auf die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls und vor allem auf die Lichtgrenze haben will, hat mehrere besonders geeignete Orte zur Auswahl - hier ein Überblick. Besonders schön könnte am Sonntagabend die Panorama-Aussicht auf die gen Himmel steigenden Ballons der Lichtgrenze vom Hauptturm der einstigen Abhörstation auf dem Teufelsberg aus sein. Die Pächter des Teufelsbergs bieten an diesem Sonntag ab 18.30 Uhr eine Sonderführung an - mehr dazu unter diesem Link.

17:20 Uhr: Geschichtsstunde für den Nachwuchs

Unter den zahlreichen Menschen, die die Lichtgrenze am Potsdamer Platz bestaunen, sind auch zwei etwa zehnjährige Jungen. Der eine, um den Hals einen Union-Schal, zeigt auf die weiße Trennlinie zwischen Gehweg und Radfahrer-Strecke und erklärt seinem Freund mit fester Stimme: "Hier war die Mauer!" Dass sich der mit Pflastersteinen markierte tatsächliche Verlauf der Berliner Mauer Dutzende Meter weit davon entfernt befindet, ficht die beiden nicht an.

16:57 Uhr: Frank Henkel verurteilt Mitwirkung von Theater bei Kreuz-Diebstahl

Der Diebstahl der weißen Holzkreuze, die seit gut zehn Jahren neben dem Reichstag an Todesopfer der Berliner Mauer erinnerten, hat in den vergangenen Tagen viel Empörung provoziert. Dass die Kreuze wohl auch mit Unterstützung des Maxim-Gorki-Theaters gestohlen wurden, wie jetzt bekannt wurde, hat Berlins Innensenator als "verabscheuungswürdig" verurteilt. In einem Gastkommentar für den Tagesspiegel schreibt der CDU-Landesvorsitzende, die Freiheit der Kunst dürfe nicht gegen die Würde des Menschen ausgespielt werden. "Besonders bitter ist, dass diese Komplizenschaft offenbar mit Steuergeldern gefördert worden ist", findet Henkel. Den ganzen Kommentar lesen Sie hier.

Der Ex-Regierende Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen ist zu Gast. Genau wie Roland Jahn (links verdeckt).
Der Ex-Regierende Bürgermeister von Berlin Eberhard Diepgen ist zu Gast. Genau wie Roland Jahn (links verdeckt).Foto: Kai-Uwe Heinrich

16:19 Uhr: Ballons geplatzt - der Staatsschutz ermittelt

Zerplatzte Ballons an der East-Side-Gallery, in Kreuzberg, auch im Mauerpark meldet die Polizei. Und wo waren noch Spielverderber am Werk? "Wir haben da keinen Überblick", heißt es im Veranstaltungsbüro ziemlich locker. "Allerdings stehen 8000 in der Stadt. Wenn da ein paar kaputt gehen, ist das zu verkraften." Die Polizei sieht das weniger gelassen: Am Bethaniendamm Ecke Mariannenplatz wurde vergangene Nacht ein Mann vorübergehend festgenommen, der gegen 0.30 Uhr einen Ballon zum Platzen brachte. In der Mühlenstraße an der East Side Gallery waren es um 2 Uhr morgens gleich fünf Männer und drei Frauen, die zehn Ballons kaputt gemacht hatten. "Aufgrund der möglichen politischen Tatmotivation der Festgenommen hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen übernommen", teilt die Polizei mit. Besonders viele Ballons sind offenbar zwischen Kreuzberg und Friedrichshain zerstört worden: Alleine zwischen dem Bethaniendamm und der East Side Gallery an der Mühlenstraße konnte man am Sonntagabend rund 100 kaputte Ballons zählen - auf einer Strecke von weniger als zwei Kilometern.

Der Grüne Baustadtrat von Pankow, Jens-Holger Kirchner.
Der Grüne Baustadtrat von Pankow, Jens-Holger Kirchner.Foto: Tsp

Tag und Nacht sind Trupps der Lichtgrenze-Organisatoren mit ihren Lastwagen unterwegs; darin: mehr als 700 Ersatzballons. So mancher Ballon verliere aber auch so Luft, ohne dass Unbekannte hineinstechen. Auch seien schon mal Stangen gebrochen, weil der Wind so kräftig war. "Wir tauschen alle aus, wir kontrollieren die Strecke ständig." Das erste Fazit: "Alle zücken Kameras, machen Bilder, es ist fantastisch. Die Menschen sind begeistert, ob am Checkpoint Charlie oder im Nordbahnhof, wo die Ballons in der Dunkelheit richtig gut wirken." Am Sonntag erhalten die 8000 Ballons eine neue Füllung - Helium. Damit sie ab 19 Uhr aufsteigen.

15:36 Uhr: Wissen Sie es?

Am 9. November 2014 ist es 25 Jahre her, dass die Mauer fiel. Montagsdemonstrationen, eine legendäre Pressekonferenz, unverzügliche Reisefreiheit - was wissen Sie über dieses Ereignis? Machen Sie mit bei unserem Quiz zum Mauerfall.

Magische Bilder der Lichtgrenze durch Berlin
Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.Weitere Bilder anzeigen
1 von 132Foto: Axel Schmidt / Reuters
12.12.2014 10:49Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.

15:25 Uhr: "Auswärtssieg, Auswärtssieg"

"Einmal Deutscher Meister, zweimal Deutscher Meister, dreimal ...", riefen die BFC-Dynamo-Fans im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg, bis die zehn Titel des DDR-Rekordmeisters voll waren. Und dann noch einmal: "Immer Deutscher Meister." Genützt hat es nichts. Nicht nur, dass der letzte nationale Meistertitel des BFC sogar ein Jahr länger als der Mauerfall zurückliegt, obendrein ging das Regionalligaspiel gegen den 1 FC Magdeburg heute Nachmittag 0:1 verloren. "Auswärtssieg, Auswärtssieg", riefen die Magdeburg-Fans.

15:20 Uhr: Making-of einer besonderen Ausgabe

Empfang im Foyer, Besuch im Newsroom und eine lange Redaktionskonferenz, in der über das Berlin heute und über die Wirkung des Auftritts von Wolf Biermann im Deutschen Bundestag debattiert wurde. Ein Kurz-Video gibt einen ersten Eindruck, später folgt ein längerer Film.

Die Sonderausgabe von vor 25 Jahren liegt auch heute dem Tagesspiegel bei.
Die Sonderausgabe von vor 25 Jahren liegt auch heute dem Tagesspiegel bei.Foto: Tsp

15:14 Uhr: Applaus am Brandenburger Tor

Das Brandenburg Tor ist der Hauptanziehungspunkt vor allem für viele Touristen an diesem Mauerjubiläumswochenende. Auf einer großen Videoleinwand verfolgen die Menschen Dokumentationen des Mauerfalls. Als die berühmten Worte von Schabowski zu sehen und zu hören sind, brandet spontan Applaus auf. Eine junge Amerikanerin sagt: "Das ist ein sehr schöner Tag für die Deutschen." Von Osten rollt unterdessen eine Kolonne mit Trabis an - als kleine Reminiszenz an den Mauerfall. Aber auch andere wollen sich in den Jubiläumsfeierlichkeiten sonnen so posiert Gina Lisa im kurzen Rock vor einem knallroten Ferrari. Um sie herum nur fragende Gesichter: Wer ist das?

15:10 Uhr: Prominenz beim Tagesspiegel

Unsere Sonderseiten zum Mauerfall-Jubiläum sind fast alle belichtet. Walter Momper, Eberhard Diepgen, Manuela Schwesig, Christo, Wim Wenders, Roland Jahn und viele andere schreiben über ihr neues Berlin. Eindrücke vom Besuch der Prominenz heute in unserer Redaktion gibt es hier:

Wim Wenders - der Filmregisseur.
Den Tagesspiegel mitgestalten: Wim Wenders ist einer der Prominenten, die sich an unserer Sonderausgabe zum 25. Jubiläum des...Foto: dpa

14:22 Uhr: "Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin"

Wohl eher eine Minderheitenmeinung an diesem Wochenende: "Berlin, Berlin, wir scheißen auf Berlin", rufen mehr als 1000 Magdeburg-Fans in der Gästekurve des Jahnsportparks in Prenzlauer Berg. Zur Halbzeit steht das Regionalligaspiel zwischen dem DDR-Rekordmeister BFC Dynamo und dem 1. FC Magdeburg, Europapokalsieger der Pokalsieger von 1974, vor rund 5000 Zuschauern 0:1. Vor 25 Jahren am 8. November ging es am selben Ort in der DDR-Oberliga gegen Stahl Eisenhüttenstadt. Favorit BFC mit Andreas Thom, Thomas Doll und Frank Rohde kam über ein 0:0 nicht hinaus. Damals waren übrigens gerade einmal 2000 Zuschauer da.

14:10 Uhr: Gorbatschow kritisiert den Westen scharf

Bei den Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin hat der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow schwere Vorwürfe gegen den Westen erhoben. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt sagte er am Samstag: „Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen.“ In den letzten Monaten habe sich ein „Zusammenbruch des Vertrauens“ vollzogen.

Der Friedensnobelpreisträger, der als einer der Väter der deutschen Einheit gilt, warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Stattdessen habe man sich zum Sieger im Kalten Krieg erklärt und Vorteile aus Russlands Schwäche gezogen. „Die Ereignisse der vergangenen Monate sind die Konsequenzen aus einer kurzsichtigen Politik, aus dem Versuch, vollendete Tatsachen zu schaffen und die Interessen des Partners zu ignorieren.“ Bereits in den 1990er Jahren habe der Westen begonnen, im Verhältnis zu Russland das Vertrauen zu untergraben, das die friedliche Revolution in Deutschland und in Mittel-Osteuropa möglich gemacht habe.

Magische Bilder der Lichtgrenze durch Berlin
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12.12.2014 10:49Hinterm Horizont geht's weiter: Der feierliche Moment an der East Side Gallery.

„Die Nato-Erweiterung, Jugoslawien und vor allem das Kosovo, Raketenabwehrpläne, Irak, Libyen, Syrien“, nannte Gorbatschow als Beispiele. „Und wer leidet am meisten unter der Entwicklung? Es ist Europa, unser gemeinsames Haus.“ Ungeachtet der schweren Vertrauenskrise forderte Gorbatschow, dessen Politik der Öffnung die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung geschaffen hatte, eine Stabilisierung der deutsch-russischen Beziehungen. „Hier in Berlin, zum Jahrestag des Mauerfalls, muss ich feststellen, dass all dies auch negative Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland hat“, sagte er. „Lasst uns daran erinnern, dass es ohne deutsch-russische Partnerschaft keine Sicherheit in Europa geben kann.“

Gorbatschow trifft am Montag mit Kanzlerin Angela Merkel zusammen. Der 83-Jährige, der früher als Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin hervorgetreten war, warb bei der Veranstaltung der „Cinema For Peace Foundation“ direkt am Brandenburger Tor erneut um Verständnis für die aktuelle Moskauer Politik im Ukraine-Konflikt.

13:42 Uhr: Jahn: "Gysi hat Biermann bestätigt"

Roland Jahn ist heute ebenfalls zu Gast beim Tagesspiegel. Er geht in unserer morgigen Ausgabe der Frage nach: Was ist aus den Revolutionären von damals geworden? Jahn hatte gestern den Auftritt von Wolf Biermann live im Bundestag verfolgt. "Es war sehr symbolträchtig, dass Biermann 'Ermutigung' gesungen hat, weil dieses Lied vielen in der DDR Kraft gegeben hat", sagt Jahn.

Und Biermann habe sehr zugespitzt etwas richtiges anschließend gesagt. "Gregor Gysi hat mit seinem Auftritt die Worte Biermann bestätigt, denn Gysi ist mit keinem Wort auf die Verantwortung seiner Partei am Unrecht in der DDR eingegangen. Gysi und mit ihm die Linkspartei hat da Nachholbedarf."

Damals und heute: Kreuzberger Mauerbilder
Wo verlief die Mauer in Kreuzberg und wie sieht es heute, 25 Jahre später, dort aus? Folgen Sie unserem Rundgang in Bildern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: imago/Carmen Schucker
08.11.2014 22:03Wo verlief die Mauer in Kreuzberg und wie sieht es heute, 25 Jahre später, dort aus? Folgen Sie unserem Rundgang in Bildern.

13:29 Uhr: Merkel findet Diskussion um Unrechtsstaat beklemmend

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die immer wieder aufflackernde Diskussion, ob die DDR ein Unrechtsstaat war oder nicht, als „beklemmend“ bezeichnet. „Die DDR war ein Unrechtsstaat“, erklärte Merkel am
Samstag in Wismar bei einem Landesparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommerns unmittelbar vor dem Mauerfall-Jubiläum. Es habe in der DDR eine Diktatur des Proletariats und den festgeschriebenen Führungsanspruch der SED gegeben. Wer das anzweifelte, für den hätten die auf dem Papier vorhandenen Gesetze ganz schnell nichts mehr gegolten - „und wenn man Pech hatte, für die ganze Familie gleich mit“, sagte die Kanzlerin, die in der
DDR aufwuchs. Merkel reagierte damit auf wiederholte Äußerungen von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), die DDR sei kein totaler Unrechtsstaat gewesen.

12.53 Uhr: Mehrere Ballons in Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg zerstört

Die Polizei hat nun eine erste Bilanz der Nacht gezogen. Ja, es wurden Ballons der Licht-Installation „25 Jahre Fall der Berliner Mauer“ beschädigt, heißt es. Polizisten nahmen einen 28-Jährigen fest, der am Bethaniendamm Ecke Mariannenplatz gegen 0.30 Uhr einen Ballon zum Platzen brachte. Knapp zwei Stunden später wurden die Polizisten nach Friedrichshain gerufen: Dort sahen ein Fußgänger und ein Wachmann acht Personen, die sich an der Kunstinstallation zu schaffen machten. Zehn Ballons der Lichterkette wurden von ihnen an der East-Side-Gallery zerstört. "Die alarmierten Polizeibeamten nahmen die Acht wenig später noch in der Mühlenstraße fest, stellten die Personalien der 21 bis 35 Jahre alten fünf Männer und drei Frauen fest und entließen diese vor Ort". Dies sind aber nur die Fälle, in denen die Polizei die Täter erwischt hat - auch am Mauerpark in Prenzlauer Berg wurden viele, viele Ballons zerstört. Am Sonntag sollen sie eh ausgetauscht werden.

12.44 Uhr: Festmeile in Berlin: Mehr S-Bahnen auf Nord-Süd-Strecke und Stadtbahn

Und wie kommt man nun zu den Feierlichkeiten am Brandenburger Tor? Die S-Bahn bereitet sich gerade auf die Stunden nach dem Streik vor. Am Sonntag sollen zumindest in der Innenstadt die Züge wieder nach Plan fahren. Dann soll es vor allem auf der Stadtbahn und im Nord-Süd-Tunnel ein möglichst vollständiges Angebot geben. Im Nord-Süd-Tunnel - mit Halt am Brandenburger Tor - sollen zusätzliche Entlastungszüge verkehren. Mehr zum Bahnstreik finden Sie in unserem Live-Blog unter diesem Tagesspiegel-Link.

12.18 Uhr: Diskussion über Wolf Biermann in der Tagesspiegel-Konferenz

Die Tagesspiegel-Konferenz ist zu Ende, am Schluss gab es noch ein Gruppenfoto. Auch über den Auftritt von Wolf Biermann im Bundestag wurde kontrovers diskutiert. Manuela Schwesig kritisierte Biermanns Verhalten gegenüber der Linkspartei: "Man braucht auch die Linkspartei zur Aufarbeitung." Dass er sich nicht ans Protokoll gehalten hat und gesprochen hat statt nur zu singen - das wiederum wurde von Schwesig positiv gesehen. "Wer Biermann bestellt, bekommt auch Biermann. Aber ich teile seinen Frontalangriff auf alle Abgeordneten in der Linkspartei nicht. Denn es gibt unter ihnen auch kritische Geister, die man stärken muss." Auch Antje Vollmer äußerte sich kritisch gegenüber Biermann: "Er hat am Hof des Kaisers gesungen." Lob für den Auftritt des Liedermachers kam dagegen von Frank Henkel und Ines Geipel.

12:12 Uhr: Wowereit lobt auf Parteitag

Klaus Wowereit hält auf dem Parteitag der Berliner SPD seine letzte Rede. Er spricht von der "Emotionalität", die gerade kurz vor dem 25. Jahrestag des Mauerfalls in dieser Stadt zu spüren sei. "Es macht mich richtig stolz auf die Menschen, die das geschaffen haben", spricht Wowereit über den Mauerfall. Dieser Ort, Berlin, habe eine "Erfolgsgeschichte" geschrieben. Wesentlichen Anteil daran habe die SPD gehabt, sagt Wowereit. Die Genossen klatschen. Und es gebe keine Diskussion darüber, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Mehr zum Parteitag finden Sie hier.

11:31 Uhr: Das neue Berlin

In unserer Redaktionskonferenz stellen weitere Prominente und Redaktionsmitglieder die Themen für die morgige Sonderausgabe vor. Darunter Florian Mausbach über die Stadtentwicklung in Berlin. Er sagt: "Berlin wird nicht darum herumkommen, neue Stadtteile zu entwickeln." Die US-Historikerin Harrison schreibt über den Umgang Berlins mit den Mauerresten. Frank Henkel hat sich über das Zusammenwachsen der Stadt Gedanken gemacht und sagt über den Mauerfall: "Nicht nur zwei Teile sind zusammengekommen, es war ein Urknall".

11:17 Uhr: Redaktionskonferenz "25 Jahre Wahnsinn"

So voll war es bei einer Tagesspiegel-Redaktionskonferenz lange nicht. Alle Prominenten von Eberhard Diepgen über Roland Jahn bis Manuela Schwesig stellen ihre Beiträge für die morgige Ausgabe vor. Den Anfang macht Roland Jahn, der sich mit der Frage beschäftigt hat: Was ist aus den Revolutionären von damals geworden?

Eberhard Diepgen wird über soziale Unterschiede schreiben, die noch aus der Mauerfall-Zeit stammen. Manuela Schwesig wiederum schreibt über ihre Generation - die Wendekinder.

10:53 Uhr: Lichtgrenze beliebtes Fotomotiv in der Stadt

Lichtergrenze gucken - auch bei strahlendem Sonnenschein sind die weißen Ballons eine Sehenswürdigkeit. In der Niederkirchnerstraße zwischen Mitte und Kreuzberg, wo die Ballons vor Mauerresten aufgereiht sind, werden Handys gezückt und Kameras ausgerichtet. Viele Touristen sind am frühen Vormittag unterwegs, aber nicht nur: So mancher Berliner Radler stoppt auf der für Autos gesperrten Straße, schaut sich verstohlen um und zückt beherzt sein Smartphone. Ein paar hundert Meter weiter, am Checkpoint Charlie, ist ebenfalls schon Betrieb. Die Friedrichstraße ist gesperrt, eine Videoleinwand ist quer auf der Fahrbahn aufgebaut, davor stehen blaue Sitzwürfel. Die ersten Besucher nehmen schon mal Platz - und genießen den Blick auf die Ballons.

10:40 Uhr: Ines Geipel lobt Biermanns klare Worte

Schriftstellerin Ines Geipel findet den Auftritt von Wolf Biermann vor dem Deutschen Bundestag wichtig. "In diesem Herbst reden wir endlich über die Geschichte und da sind die klaren und deutlichen Worte von Wolf Biermann eine notwendige Korrektur." Ines Geipel wird sich in unserer morgigen von Prominenten gestalteten Tagesspiegel-Ausgabe mit ihrer Generation, der Generation Mauer, beschäftigen. Das alles gibt es morgen in der gedruckten Ausgabe oder bereits heute Abend ab 20 Uhr im ePaper.

10:19 Uhr: Der Baustadtrat aus Pankow ist ein erster Gast

Einer unserer Gäste, Jens-Holger Kirchner, Baustadtrat für die Grünen in Pankow, stellt sich die Frage: Warum fiel die Mauer eigentlich an der Bornholmer Straße und nicht an einem der anderen Grenzübergänge - zum Beispiel Checkpoint Charlie oder Heinrich-Heine-Straße? War es wirklich die Entscheidung eines einzelnen Offiziers - oder war es die Kraft der drängelnden Massen? Was meinen Sie, liebe Leser?

Außerdem ist Kirchner verärgert über den Auftritt von Wolf Biermann im Bundestag. "Dass er gesungen hat fand ich gut, aber seine Beschimpfung der Linken nicht." Der Einigungsprozess sei geprägt gewesen von der Sucher nach Erkenntnis aber auch Vergebung. "25 Jahre danach wieder von vorne anzufangen finde ich nicht gut" Seine Beschimpfungen würden nur dazu führen, dass sich die Linken in ihrer bequemen Opferrolle bestätigt fühlten.

10:00 Uhr: Die Prominenz kommt beim Tagesspiegel an

Heute ist in unserer Redaktion großer Auflauf. 25 Prominente gestalten den Tagesspiegel von morgen und schreiben über ihr Berlin von heute.

9:34 Uhr: Mauergedenkstätte mit Graffiti besprüht

In der Nacht gegen 1 Uhr hat die Polizei sechs Personen vorläufig festgenommen, die Graffiti-Parolen an die Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße gesprüht haben. Bei den angebrachten Schriftzügen gehe es inhaltlich um "das Thema Flüchtlingspolitik und Bleiberecht für alle", sagte ein Polizeisprecher.

9:15 Uhr: 4 Seiten Originalausgabe

Nicht nur die Ausgabe für den morgigen 9. November wird etwas Besonderes, auch heute gibt es im Tagesspiegel eine Besonderheit. Wir haben in unserem Archiv gestöbert und die vier Sonderseiten von damals zum Fall der Mauer noch einmal ausgepackt. Das alles gibt es auch hier im ePaper des Tagesspiegel.

9:00 Uhr: Noch keine Lichtspechte am Werk

Die Lichtgrenze hat gehalten über Nacht. Nach Angaben der Berliner Polizei lagen bis zum frühen Morgen keine Meldungen von größeren Beschädigungen vor. Allerdings gebe es schon an der ein oder anderen Stelle einige beschädigte Lichtsäulen. Aber die großen Lichtspechte waren noch nicht am Werk. Unser Autor Thomas Loy hat am Freitagabend einen Spaziergang entlang der Lichtgrenze gemacht und dabei eine ganz besondere Stimmung eingefangen. Seine Reportage können Sie hier nachlesen.

8:50 Uhr: 25 Jahre Wahnsinn - das neue Berlin

Auch in unserer Redaktion ist es ein besonderes Wochenende. Denn die Print-Ausgabe für den morgigen 9. November wird von 25 Prominenten gestaltet und bestückt. Christo und Wim Wenders, Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen, Klaus Töpfer und Bilkey Öney, Ines Geipel und Manuela Schwesig und viele weitere mehr schreiben über ihre Sicht auf das heutige Berlin und ihre Erinnerungen an die Zeit damals. 36 Seiten zum neuen Berlin unter dem Titel: 25 Jahre Wahnsinn.

8:40 Uhr: Sonniger Start ins Jubiläums-Wochenende

Als vor 25 Jahren die Mauer fiel war das Wetter eher typisch November: stark bewölkt, regnerisch, kalt. Heute startet der Tag besser mit Sonne und noch sieben Grad, aber es werden bis zu 11 Grad erwartet. Mehr zum Wetter gibt es hier.

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