50 Jahre Mondlandung : So erlebten Berliner die Mondlandung

Am 21. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuß auf den Mond. 50 Jahre später erzählen Berliner von ihren ganz persönlichen Erinnerungen.

Kai Gies
Am 20. Juli 1969 steht Apollo-11-Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin neben der US-Flagge auf dem Mond.
Am 20. Juli 1969 steht Apollo-11-Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin neben der US-Flagge auf dem Mond.Foto: Nasa/dpa

Frank Zander, 77, Musiker

„Ich war damals ein riesiger Science-Fiction-Fan. Schon als 12-Jähriger habe ich mir die Perry-Rhodan Hefte gekauft, später kleine Science-Fiction-Romane gelesen. Es war etwas Ungeheuerliches, von fremden Planeten Fotos zu sehen. Das war damals einfach nicht vorstellbar. Wir haben bei der Live-Sendung im Fernsehen immer das gleiche Bild gesehen: verschwommen, kaum bewegt, insgesamt schwer zu erkennen.

Die Mondlandung konnte er vor 50 Jahren nur im Schwarz-Weiß Fernseher sehen – heute sieht Frank Zander nur Blau-Weiß.
Die Mondlandung konnte er vor 50 Jahren nur im Schwarz-Weiß Fernseher sehen – heute sieht Frank Zander nur Blau-Weiß.Foto: Soeren Stache/dpa

Obwohl wir damals ja nur Schwarz-Weiß-Fernsehen hatten, war es unheimlich interessant, die Stimme von Neil Armstrong live zu hören. Einige Leute sprachen bereits ängstlich vom Ende der Welt. Zur Zeit der Mondlandung habe ich in Berlin Grafik studiert und nebenher Musik gemacht. Ich habe damals im "Riverboat" in Wilmersdorf gespielt und nach meinem Auftritt die Landung schön gefeiert. Heute bin ich immer noch von der Raumfahrt begeistert. Ich hoffe, dass wir es bald noch auf den Mars schaffen.“

Elke Nehme, 67, aus Tempelhof-Schöneberg

„Damals war ich in Salzgitter zu Besuch. In allen Geschäften in der Innenstadt konnte man auf Fernsehern die Live-Bilder verfolgen. Die Stimmung war ausgelassen, ein unvorstellbares Ereignis. Den damaligen Konflikt zwischen Ost und West im Kalten Krieg habe ich auch mitbekommen und habe mich entsprechend über diesen Erfolg der Amerikaner gefreut.

Elke Nehme aus Tempelhof-Schöneberg.
Elke Nehme aus Tempelhof-Schöneberg.Foto: Kai Gies

Aber eigentlich war ich noch zu jung, um das alles so richtig zu begreifen. Heute interessiere ich mich nicht mehr so sehr für die Raumfahrt. Das ist nicht mein Spezialgebiet. Ich finde, dass es schon genügend Probleme auf der Erde gibt, die wir zunächst lösen sollten, bevor wir noch weitere Weltraum-Missionen starten.“

Joe Groebel, 68, Medienpsychologe

„Ich habe die Mondlandung als eines der ganz großen Weltereignisse in Erinnerung. 1969 hatte ich gerade mein Abitur gemacht und war wie andere zu jener Zeit begeistert vom technischen Fortschritt. Das war damals eine Art Space-Zeitalter, auch in der Popkultur. Zwei Jahre zuvor hatten die Beatles ihren Hit „All You Need Is Love“ in der ersten weltweiten Live-Sendung per Satellit übertragen.

Jo Groebel (rechts) und Grit Weiss in der Mercedes-Benz Lounge auf der Fashion Week Berlin 2012.
Jo Groebel (rechts) und Grit Weiss in der Mercedes-Benz Lounge auf der Fashion Week Berlin 2012.Foto: promo

Aber durch die Mondlandung wurde schließlich die ganze Welt vor dem Bildschirm vereint. Das war für uns der ganz große Schritt. Es hat dabei schon ein gewisser stolz auf den Westen vorgeherrscht, ohne dabei antirussisch zu sein. Die NASA-Liveberichte im Fernsehen rund um die Landung habe ich noch gut in Erinnerung. Ich habe dabei aber fast mehr auf das Bodenpersonal mit den weißen Kurzärmeln und unzähligen Monitoren geachtet, als auf die eigentliche Landung.“

Joachim (79) und Helga (75) Lawatsch, aus Charlottenburg-Wilmersdorf

„Die Nacht vom 20. auf den 21.07.1969 haben wir gemeinsam vor dem Fernseher verbracht, in der Erwartung, dass gleich etwas passiert. Unsere Vorfreude war groß. Dann klingelte kurz nach Mitternacht plötzlich das Telefon und wir wurden von Helgas Bruder informiert, dass ihr Vater soeben verstorben war. Wir versuchten erst einmal, diese schreckliche Nachricht zu verarbeiten.

Das Ehepaar Lawatsch aus Charlottenburg-Wilmersdorf.
Das Ehepaar Lawatsch aus Charlottenburg-Wilmersdorf.Foto: Kai Gies

Im Hintergrund lief weiter der Fernseher und wir hörten Worte von Neil Armstrong, die sich in unser Gedächtnis einbrannten. Wir kamen uns vor, wie in zwei verschiedenen Welten. Auf der einen Seite war dort die fantastische Nachricht aus dem Weltraum, auf der anderen die seelische Leere, die wir beide spürten.“

Barbara Schöne, 72, Schauspielerin

„Mit gerade 22 Jahren war ich damals auf Tournee, ich hatte also mehr mit meiner Karriere als mit der Mondlandung zu tun. Natürlich habe ich die Landung selbst als Sensation wahrgenommen. Ich stand der Sache aber trotzdem sehr kritisch gegenüber. Die Milliarden, die man über die Jahre für die Raumfahrt ausgegeben hat, hätte man sicher auch auf der Erde für etwas Gutes einsetzen können.

Die Schauspielerin Barbara Schöne an der Havel in Kladow.
Die Schauspielerin Barbara Schöne an der Havel in Kladow.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Denken wir doch nur einmal an die verschmutzen Meere oder die vielen Menschen, die hungern müssen. Man sollte also mehr investieren, um unsere Erde in Ordnung zu bringen. Stattdessen schießen wir das Geld quasi ins Weltall. Wofür eigentlich?“

Brigitte Kühnlein, 80, aus Steglitz-Zehlendorf

„Live diese Bilder der Landung sehen zu dürfen war für mich überwältigend. Bis heute lässt mich die Mondlandung nicht los. Erst gestern habe ich wieder eine Sendung im Fernsehen gesehen, die sich damit befasst hat. Es gibt da ja auch viele Verschwörungstheorien, die sich damit befassen, ob die Landung überhaupt stattgefunden hat.

Brigitte Kühnlein aus Steglitz-Zehlendorf.
Brigitte Kühnlein aus Steglitz-Zehlendorf.Foto: Kai Gies

Aber 1969 hat man sich darüber keine Gedanken gemacht. Man hat es schlicht als einen besonderen Erfolg für die Raumfahrt gesehen. Die heutigen Pläne zu einer Marsmission interessieren mich schon. Man hofft natürlich, dass es klappt.“

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