70 Jahre Berlin-Blockade : Der Luftbrücken-Maler

Ein berühmtes Bild, eine markante Fassade an der Neuköllner Flughafenstraße 71: Wer hat sie gestaltet? Eine Spurensuche

Künstler Werner Brunner
Künstler Werner BrunnerFoto. privat

Es gehört zu den legendären Bildern der Luftbrücke: Kinder bestaunen von einem Hügel aus den Anflug eines viermotorigen Douglas C 54-Rosinenbombers in Tempelhof. US-Fotograf Henry Ries hat die Szene 1948 für die „New York Times“ aufgenommen. Doch seit 1989 ist das Bild auch als Wandgemälde auf einer Brandmauer an der Neuköllner Flughafenstraße 71 zu sehen. Wer hat diese großflächige Ansicht damals mit Pinsel und Farbe auf die Wand gebracht?

Den Mann, der im Frühsommer 1989 maßgeblich dabei war, findet man heute in seinem Atelier i Naumannkiez am Schöneberger Südkreuz. Es ist Werner Brunner, 77 Jahre alt, ein Tausendsassa. Er hat Schmied gelernt, Architektur und Archäologe studiert und sich schließlich ganz der Kunst, speziell der Wandmalerei, gewidmet.

Die Luftbrücken-Fassade. Flughafenstraße 71 in Neukölln.
Die Luftbrücken-Fassade. Flughafenstraße 71 in Neukölln.Foto: privat

1989 arbeitete er noch im Team mit der Schweizer Malerin Vera Malamud und dem Berliner Künstler Pit Mischke im damaligen „Atelier Oranienstraße“ zusammen. Sie fühlten sich der Stadt aufs Engste verbunden, wollten deren Antlitz mitgestalten – da kam ihnen der Auftrag für das Haus „ Flughafenstraße 71“ gerade recht. Dessen Eigentümerin hatte bereits frühere Wandgemälde des Trios bewundert – beispielsweise ein noch heute sichtbares Bild zur 750-Jahrfeier Berlins an der Donaustraße. Und nun wünschte sie sich einen ähnlich spektakulären Blickfang. Die Drei schlugen ihr das Luftbrückenmotiv vor, sie war angetan. „Es lag ja nahe“, sagt Brunner. „Der Flughafen Tempelhof ist in Sichtweite.“

Weltweit schrieben Zeitungen über die Malaktion

Dann legten sie los. Vier Wochen lang turnten die Künstler mit Farbtöpfen auf dem Gerüst herum. Der Sender Freies Berlin (SFB), heute rbb, filmte ihr Werk für eine 30-minütige Doku, Anwohner bestaunten die Genesis des Gemäldes und lobten die Idee. Ja, Werner Brunner gerät ins Schwärmen, wenn er sich an die vielen positiven Reaktionen erinnert.

Von Los Angeles bis Neuseeland würdigten Zeitungen ihre Aktion. Die Luftbrücke, dieses Meisterstück der Solidarität, war in der Erinnerung weltweit noch keineswegs verblasst. Und sogar elf Jahre später, im Juli 2010, kam noch ein Dankesbrief aus den USA – von Henry Ries’ Witwe Wanda Ries . Ihr Mann habe Berlin geliebt, schrieb sie. Und: Sie freue sich, „dass seine Ikone an an der Flughafenstraße zu sehen ist“. Der Fotograf ist 2004 verstorben.

Werner Brunner hat sich mit der Geschichte der Wandmalerei befasst

Werner Brunner malt heute eher in kleineren Dimensionen. Mit der Geschichte der Wandmalerei bis hin zu Graffiti hat er sich in mehreren Publikationen befasst. Manche seiner Wandgemälde würde er heute etwas anders gestalten, aber zwei mag er weiterhin„sehr“: Einen gefesselten Baum, der am Wipfel neu austreibt, Symbol des Überlebens an der Pritzwalker Straße 16 in Moabit. Und das Luftbrückenbild. „Schade nur“, sagt er, „dass es Bäume inzwischen etwas verdecken“.

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