Berlin : Abgezockt

Bernd Matthies

Der kultivierte Schlendrian ist nicht so Berlins Sache. Wir denken schnell, essen schnell und trinken noch schneller, und insofern ist es logisch, dass uns auch das Zocken nicht mehr so elegant von der Hand geht. Im Smoking nächtens um den Spieltisch tändeln, die schöne Unbekannte immer in den Augenwinkeln, hier ein Hunderter auf Noir, hier ein Tausender aufs Ganze – das ist zu viel Getue, wenn es doch auch reicht, ein paar Münzen in die Automaten nebenan zu stopfen. James Bond wäre mit seinen Allüren hier so fremd wie in Warschau oder Wangerooge.

Ein Trend, jedenfalls. Das Casino am Alexanderplatz hat im letzten Jahr im „großen Spiel“ fast vier Prozent weniger eingenommen als 2005, an den schnöden Automaten dagegen neun Prozent mehr. Insgesamt ein Anstieg, aber doch zu wenig, um Berlin zur Zockermetropole zu erheben. Aber es kommt trotzdem was rüber: 14,96 Millionen Euro wurden von den Einkünften abgezweigt, um anderswo zu helfen. Man könnte es auch gleich jenen geben, die es brauchen. Das ist aber nicht so spannend.

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