Ahmad „Patron“ Miri verurteilt : Selbsternannter Clan-Chef muss ins Gefängnis

Wegen Gewalttaten und Waffenverstoß – der selbsternannte Clan-Mann Ahmad „Patron“ Miri erhielt zwei Jahre und drei Monaten Haftstrafe.

Kerstin Gehrke
Anklage im Clanmilieu in Berlin.
Anklage im Clanmilieu in Berlin.Foto: dpa

Eine mutmaßlich 38 Jahre alte Größe aus dem Clanmilieu, der sich auf seinen Social-Media-Kanälen selbst Ahmad „Patron“ Miri nannte, ist zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Zwei Jahre und drei Monate Gefängnis verhängte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Dienstag. Zuvor hatte die Clan-Größe zwei Fälle der gefährlichen Körperverletzung sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz gestanden.

Über seinen Verteidiger erklärte der nach eigenen Angaben aus Syrien stammende Ahmed A., er habe sich im Internet „nur aus Spaß als Patron Miri bezeichnet“. Tatsächlich sei er kein Clan-Chef und übe keine Funktion in der Familie aus. Er sei in der Musikbranche tätig, so der mehrfach vorbestrafte Mann. Die Frau von A. heiße Miri, hatte eine Polizeibeamtin vor Gericht erklärt. Im Prozess ging es unter anderem um einen brutalen Überfall auf die ehemalige Freundin eines Ex-Rappers durch vier Männer. Die 30-jährige Pflegerin wurde durch einen Schlag mit einem Holzknüppel verletzt.

Miri ist der Name einer aus dem Libanon stammenden Familie, die seit der Wende schwerpunktmäßig in Bremen lebt. A., der sich schon lange Ahmad „Patron“ Miri nennt, soll eine Angehörige der Großfamilie nach islamischen Recht geheiratet haben. Um das mutmaßliche Miri-Oberhaupt gab es in Deutschland einen zähen Rechtsstreit und diplomatische Verhandlungen mit dem Libanon. Vergangenen Herbst durfte Ibrahim Miri schließlich abgeschoben werden.

Seit Jahren soll der Angeklagte die Behörden mit diversen Identitäten beschäftigen: Offiziell wird er bis heute von der Justiz mit drei Aliaspersonalien geführt, weil nicht zweifelsfrei klar, welche korrekt wäre. Mal ist er 1980 geboren, mal 1982 oder 1984, mal in Libanon, mal in der Türkei, mal in Syrien. Dass er eigentlich Syrer sei, hatte der Angeklagte zur Überraschung von Beamten vergangenes in einem "Spiegel TV"-Beitrag mitgeteilt. Zuletzt soll er vor allem in Tempelhof gesehen worden sein.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!