Das sagt der Politiker: Stadtrad Jens-Holger Kirchner im Gespräch

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Aktion "Saubere Sache" in Berliner Kiezen : Baumscheiben-Paradiese
Jens-Holger Kirchner, 54, ist u.a. Stadtrat für Stadtentwicklung sowie Tiefbau- und Landschaftsplanung in Pankow für Bündnis 90/Grüne.
Jens-Holger Kirchner, 54, ist u.a. Stadtrat für Stadtentwicklung sowie Tiefbau- und Landschaftsplanung in Pankow für Bündnis...Foto: Mike Wolff

Viele Menschen wollen sich engagieren, klagen aber, Ämter machten es ihnen schwer.

Wir werben um Engagement, aber Beteiligung braucht Regeln. So ist etwa nicht jede Pflanzenart geeignet, einige entziehen Bäumen die Nährstoffe. Oder es wird Erde angehäufelt mit der Folge, dass Wurzeln faulen und der Baum abstirbt.

Die Bepflanzung einer Baumscheibe vor ihrer Tür ist für viele ein Beginn, sich für ihren ganzen Kiez zu engagieren.

Ja, denn wo geht das so leicht, wenn nicht unmittelbar vor der Haustür? Da wachsen dann Verantwortung und teilweise wunderschöne Baumscheiben. Eigennutz und Gemeinwohl kommen da ziemlich nah zueinander. Es ist Menschen wichtig, vor ihrer Tür einen schönen Baum zu haben, es ist aber nicht nur Privatsache.

Braucht es einheitliche Regelungen?

Nein, das soll jeder Bezirk machen, wie er es für richtig hält. Die Stadt ist vielfältig, einheitliche Regelungen machen wenig Sinn, weil die Situation in Spandau eine andere ist als in Kreuzberg. Ämter haben die Pflicht, Eigeninitiative zu unterstützen. Aber es darf keine Einbahnstraße sein, wo jeder machen kann, was er will, sondern es geht auch um Sicherungspflicht und Baumgesundheit.

Ist es sinnvoll, Pflegeverträge zu schließen, damit sich Menschen dann auch über längere Zeit verantwortlich kümmern?

Das machen wir. Das wirkt erst mal bürokratisch, drückt aber eine Wertschätzung für den Engagierten aus. Pflegevertrag heißt ja auch, dass wir – wie in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg – zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellen. Bei einem Vertrag ist der Bürger nicht Bittsteller, er vereinbart etwas auf Augenhöhe mit der Verwaltung. Und alle haben was davon, der Engagierte, die Bäume und der öffentliche Raum. Wenn die Baumscheibe dauerhaft gepflegt wird, dann kann man als Amt auch investieren, etwa eine Bank aufstellen. Da wissen wir ja, dass sich dann Menschen um die Bänke kümmern. So wächst auch Nachbarschaft.


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