Aktionstage Gemeinsame Sache 2018 : In Treptow-Köpenick wird der Wald zurückerobert

Waschmaschinen, Sofas, Autorreifen: Die Menschen entsorgen fast alles im Wald. Der wird am Samstag vom Müll befreit.

Daniel Godeck
Müllsammelaktion in der Königsheide in Treptow.
Müllsammelaktion in der Königsheide in Treptow.Foto: Thomas Loy

Die Königsheide, ein Wäldchen zwischen Baumschulenweg und Johannisthal in Treptow-Köpenick, ist ein beliebter Abladeplatz für überflüssig gewordenes Inventar aus Haus und Garage. Bei der der Müllsammelaktion des SPD-Abgeordneten Lars Düsterhöft stoßen die Helfer auf Matratzen, Sofas, eine Waschmaschine, Styroporreste, einen Motorradhelm, Autoreifen und einen Flachbildfernseher, der noch recht intakt aussieht. Jakob (9), Lilia (6) und Leonard (10) schleppen das Fundstück zur vereinbarten Sammelstelle. Dort lagern schon Dutzende Mülltüten, die rund 30 Erwachsene und Kinder innerhalb von zwei Stunden gefüllt haben, mit den üblichen Verpackungen und Essensresten, die Menschen achtlos wegwerfen.

Einige entsorgen gleich ihren gesamten Haus- und Gartenabfall im Wald, in Mülltüten gestopft und halb vergraben, wie Helferin Manuela Stoppe erzählt - "ziemlich grenzwertig", findet sie. loy

Die Kita in der Mansarde packt an

Dass zu Beginn nur ein paar Helfer da sind, macht Tuba Ölmez nicht nervös. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir später noch mehr werden“, sagt die Leiterin der Kita in der Mansarde. Immerhin sei ja Samstag, und viele schliefen aus, meint sie. Dabei wird im Garten der Einrichtung bereits am Vormittag fleißig gewerkelt. In einer Ecke bekommt der Spielgeräteschuppen eine Holzverkleidung; in einer anderen gräbt ein Vater den neuen Untergrund für das Spielhaus um; wieder woanders befreit eine Helferin den Gartenweg von Sand. Mittags sollte auch die hiesige Freiwillige Feuerwehr dazukommen, um den Garten der Kita aufzuhübschen. Auch einige Kinder packen mit an. dgo

Die Kita in der Mansarde in Treptow-Köpenick packt an.
Die Kita in der Mansarde in Treptow-Köpenick packt an.Foto: Privat

Gärtnern in Rahnsdorf

Zugegeben, zwei Freiwillige sind nicht gerade viel. Gleichwohl haben sich die beiden Helfer im Gartencenter Rahnsdorf der Union Sozialer Einrichtungen mächtig ins Zeug gelegt. Etwa beim Setzen der Stecklinge: Amira Wolter und Christopher Schoof haben die Triebe verschiedener Pflanzen wie der Buntnessel in die Erde verpflanzt. Eine mühevolle Kleinarbeit. Darüber hinaus fertigten die jungen Ehrenamtlichen bei der Gärtneraktion farbenfrohe Herbstgestecke. „Wir haben dazu verschiedene Herbstblumen und Dekomaterial verwendet“, erklärt Schoof. Um neun Uhr am Morgen haben sie angefangen − an einem Samstag gewiss keine Selbstverständlichkeit. dgo

Amira Wolter und Christopher Schoof beim Gärtnern in Rahnsdorf.
Amira Wolter und Christopher Schoof beim Gärtnern in Rahnsdorf.Foto: Daniel Godeck

Ausstellung über engagierte Flüchtlinge

Es ist eine Win-win-Situation, die Hussein so zusammenfasst: „Ich lerne deutsch und die anderen lernen Smartphone.“ Der aus Syrien stammende IT-Ingenieur kam als Flüchtling nach Berlin, heute gibt er älteren Menschen zwei Mal im Monat Nachhilfe im Umgang mit Smartphone, Internet und Co. Husseins Geschichte ist eine von acht anderen, die in der Ausstellung „dabei.sein − Teilhabe durch Engagement“ der Freiwilligenagentur Kreuzberg-Friedrichshain und des Vereins Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V erzählt werden. Anlässlich der Freiwilligentage war sie in der Volkshochschule Treptow-Köpenick zu sehen. Bei Führungen kamen die Protagonisten wie Hussein mit interessierten Besuchern ins Gespräch. dgo

Hussein zeigt interessierten Besuchern die Ausstellung über engagierte Flüchtlinge in der Volkshochschule Ttreptow-Köpenick.
Hussein zeigt interessierten Besuchern die Ausstellung über engagierte Flüchtlinge in der Volkshochschule Ttreptow-Köpenick.Foto: Daniel Godeck

Anpacken fürs IBZ Königsheide

In drei Wochen ist es soweit: Das Informations- und Begegnungszentrum (IBZ) Königsheide öffnet seine Pforten. Es soll ein Ort der Begegnung sein für Betroffene, Forschende und all jene, die sich für die Geschichte des Makarenko, des einst größten Kinderheims der DDR, interessieren. Bis zur Eröffnung ist noch einiges zu tun.

Daher haben Sabrina Knüppel als Vorsitzende des Vereins Königsheider Eichhörnchen und einige andere Freiwillige im IBZ-Gebäude in Johannisthal aufgeräumt und in der Umgebung Plakate für die Eröffnungsfeier am 29. September aufgehängt. Auch für diesen Tag können die Organisatoren noch fleißige Hände gebrauchen. dgo

Anpacken fürs IBZ Königsheide in Treptow-Köpenick.
Anpacken fürs IBZ Königsheide in Treptow-Köpenick.Foto: Daniel Godeck

Grünau blitzt

Am Sportdenkmalplatz in Grünau passt alles: Wetter (Sonne), Ausblick (Dahme), Musik (Ghettoblaster), Verpflegung (Buffet). Entsprechend gut gelaunt sind die Vereinsmitglieder von "Zukunft in Grünau", während sie den Platz im Wald harken und die Stufen am Ufer vom Unkraut befreien. "Der Platz ist unser Patenkind", sagt Gerhard Bechtoldt.

"Wir machen eine Frühjahrs- und eine Herbstkur. Das spart dem überforderten Bezirksamt Arbeit." Nebenan ackert der lokale SPD-Abgeordnete Robert Schaddach, der sich um die Zukunft des Platzes kümmert: Nächstes Jahr wird an der Stelle des zu DDR-Zeiten abgerissenen Wassersportdenkmals ein "Denkzeichen Wassersport" errichtet. Der zweite Frühling des idyllisch gelegenen Platzes ist nicht mehr weit. obs

 

Aktion am Sportdenkmalplatz in Grünau.
Aktion am Sportdenkmalplatz in Grünau.Foto: Stephan Jacobs

Alle Berichte zur Gemeinsamen Sache finden Sie auf unserer Themenseite: www.tagesspiegel.de/gemeinsamesache

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