Kiez aufräumen und vom Herbst träumen

Seite 2 von 2
Aktionstage Gemeinsame Sache 2018 : Mitte macht fit im Kopf

Die Kitakinder nach der Putzaktion im Soldiner Kiez.
Die Kitakinder nach der Putzaktion im Soldiner Kiez.Foto: Isabell Zerbe

Saubere Sache an der Moabiter Grundschule 

Für die Kinder der Moabiter Grundschule war bereits seit Montag „Gemeinsame Sache“ angesagt: Bei ihrer jährlichen Putzaktion widmeten sich die knapp 400 Schüler die ganze Woche über unterschiedlichen Orten im Schulgebäude - vom Musikraum bis zur Garderobe. „Uns war wichtig, dass die Kinder sehen, dass wir etwas für uns und unsere Schule tun, aber auch für die Gemeinschaft, indem wir Teil eines größeren Projekts sind“, sagt Direktorin Undine Zeibig.

Schüler, Eltern und Lehrer machen gemeinsam dort sauber, wo die Zuständigkeit der Reinigungsfirmen endet, erklärt Zeibig. Etwa bei den Klebestreifen von Basteleien an den Glasfenstern der Türen. Damit nicht alle Kinder gleichzeitig drauflosstürmen, fanden die Putzaktionen der Klassen einzeln über die Woche verteilt statt.

2015 berichtete der Tagesspiegel zum ersten Mal über das Engagement in der Moabiter Grundschule. Die „Gemeinsame Sache“ hat dort seitdem Tradition und trägt erste Früchte: An einem Birnenbaum, den eine Mutter bei einem der letzten Aktionstage spendete, hängen im Schulgarten inzwischen zwei kleine Birnen.

 

Undine Zeibig, Direktorin der Moabiter Grundschule.
Undine Zeibig, Direktorin der Moabiter Grundschule.Foto: Sophie Krause

Neue Beete für den Hof der Fabrik Osloer Straße

In der Fabrik Osloer Straße herrscht am Freitagvormittag fleißiges Gewusel: Mehrere Mitmachaktionen finden dort statt. Zum Hoch- und Tiefbeete Bauen im Hof ist hoher Besuch gekommen: Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) steht im Sand und packt mit an. „In Berlin ist 365 Tage im Jahr Freiwilligentag“, lobt sie am Morgen in ihrer Eröffnungsrede das soziale Engagement der Stadt. „Ganz viel Engagement fällt den Menschen gar nicht auf, weil es selbstverständlich ist“, sagt sie. Deshalb sei es wichtig, darauf aufmerksam zu machen und die Menschen zum Mitmachen einzuladen.

 Auch sieben Mitarbeiter der Firma Gesobau beteiligen sich an der Aktion, die von der FreiwilligenAgentur in der Fabrik Osloer Straße initiiert wurde. Die Mitarbeiter pflanzen Blumen und schrauben Hochbeete aus Europaletten zusammen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat sich das Unternehmensziel gegeben, 1100 Stunden soziales Engagement zu leisten. Ein paar davon stecken nun in bunten Blumenbeeten.

 

Beim Hochbeete Bauen half auch Sozialsenatorin Elke Breitenbach.
Beim Hochbeete Bauen half auch Sozialsenatorin Elke Breitenbach.Foto: Sophie Krause

Kitakinder befreien Spielplätze vom Müll

Etwa 70 Kinder stürmen nach und nach in orangefarbenen Westen auf den Hof der Fabrik Osloer Straße. Sie haben am Freitagvormittag die Spielplätze des Soldiner Kiezes abgeklappert und aufgeräumt. Im Vorgarten der Fabrik türmen sich nun die Müllsäcke. 96 Zentimeter misst Isabell Zerbe vom Familienzentrum Fabrik Osloer Straße. So viel Müll haben die Kinder in knapp zwei Stunden aufgesammelt. Für ihren Fleiß werden sie mit Bonbons belohnt.

Die Idee zur Aktion kam aus dem Kita-Netzwerk Soldiner Kiez. „Hier im Kiez sind die Spielplätze so schmutzig“, sagt Janka Pfaff vom Familienzentrum Pankstraße. „Mit der Aktion wollen wir kindgerecht zeigen, wie viel Müll draußen tatsächlich herumliegt.“ Sieben von 15 Kitas im Kiez nahmen an der Aktion teil. Weil Fachkräfte fehlen, hätten leider nicht alle Einrichtungen mitmachen können, sagt Pfaff. Isabell Zerbe meint: „Die Kinder fanden die Aktion cool.“ Sie kann sich gut vorstellen, das Ganze im nächsten Jahr zu wiederholen.

 

Die Kitakinder nach der Putzaktion im Soldiner Kiez.
Die Kitakinder nach der Putzaktion im Soldiner Kiez.Foto: Isabell Zerbe

Haushaltsgeräte reparieren mit dem Repaircafé

Ob kaputter Toaster, Fernseher oder Fahrrad – im Repaircafé finden engagierte Schrauber für (fast) alles eine Lösung. „Da kann jeder kommen, das kostet nüscht“, sagt Manu stolz. Gemeinsam helfen die Ehrenamtler den Besitzern defekter Haushaltsgeräte bei der Reparatur. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat öffnet das Repaircafé von 17 bis 20 Uhr in der Fabrik Osloer Straße. Es ist eines von 39 Repaircafés in der Stadt, erklärt Manu.

Die Nachfrage ist groß: „Manchmal ist es so voll, dass wir gar nicht alles schaffen“, sagt Kollege Olaf. Bis zu 20 Leute kommen dann mit ihren Geräten in den kleinen Arbeitsraum. Die meisten der sieben ehrenamtlichen Schrauber arbeiten im technischen Bereich wollen ihr Wissen beim Reparieren defekter Gegenstände weitergeben. Für viele Geräte finden sie eine Lösung, „aber wenn es Schrott ist, dann ist es Schrott. Alles können wir auch nicht!“ sagt Olaf.

Moabit hilft wird bunter

Der Verein Moabit hilft engagiert sich seit drei Jahren für Geflüchtete. Am Aktionstag wollen die Ehrenamtler ihre Räume in der Turmstraße, im ehemaligen Archiv des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo), aufhübschen: „Und zwar im laufenden Betrieb“, erklärt Christiane Beckmann von Moabit hilft. Schon morgens um halb zehn kommen die ersten Menschen.

Im Laufe des Tages sollen die Wände des großen Beratungs- und Aufenthaltsraumes neu gestrichen werden. Eine Wand soll mit unterschiedlich farbigen Handabdrücken und den Namen der Mitmachenden gestaltet werden: „Um zu zeigen, dass wir alle Menschen sind“, erklärt Beckmann. Während der Streichaktion geht der Betrieb weiter, mittags wird zusammen arabisch gekocht. Etwa 80 Hilfesuchende kommen jeden Tag vorbei. Eine Mammutsaufgabe. Beckmann ist optimistisch: „Wir sind ja dafür bekannt, dass wir aus desolaten Zuständen das Beste rausholen.“

 

Bei Moabit hilft greifen Viktoria, Mohamed und Julia (v.l.) zum Pinsel.
Bei Moabit hilft greifen Viktoria, Mohamed und Julia (v.l.) zum Pinsel.Foto: Michele Galassi

Nachbarn treffen beim Quartiersmanagement Badstraße

Sich in fünf Minuten kennenlernen, austauschen und über Aktionen im Kiez informieren – das ist das Ziel des Speed-Datings, das die Mitarbeiter des Quartiersmanagements Badstraße auf dem Gehweg vor ihrem Büro organisiert haben. Doch am Freitagmittag ist der Andrang verhalten. Zu weit abseits liegen die Räume in der Bellermannstraße von den Mitmachaktionen in der Osloer Straße, zu ungünstig ist die zwischen 12 und 13 Uhr, weil viele Nachbarn noch bei der Arbeit sind. Doch Ralf Kersten vom Quartiersmanagement ist optimistisch. „Wir wollen die Leute in Kontakt bringen“, sagt er. „Wenn es passt, wollen wie hier jeden Monat ein offenes Angebot dafür machen.“

Wer es am Freitag nicht geschafft hat, kann sich vor Ort auch außerhalb der Aktionstage über Projekte im Kiez informieren und über Probleme austauschen. Außerdem stehen die Quartiersrats- und Aktionsfondsjurywahlen bevor, erklärt Kersten. Interessierte, die ihren Kiez künftig selber mitgestalten wollen, können im Büro in der Bellermannstraße 81 einen Bewerbungsbogen ausfüllen.

 

Ralf Kersten vom Quartiersmanagement Badstraße.
Ralf Kersten vom Quartiersmanagement Badstraße.Foto: Sophie Krause

Herbstfein im Café Via

Im Café des Jugendmigrationsdienstes In Via in der Bellermannstraße 92 bereiten Charlotte Krämer und Susanne Nadapdap die Bastelaktion vor. Gemeinsam mit Freiwilligen und Jugendlichen wollen sie ihr Schaufenster neu dekorieren und das Café herbstlich gestalten. Seit 20 Jahren werden hier Jugendliche mit Migrationshintergrund betreut. Etwa 90 Jugendliche kämen zurzeit in die Beratung, erklärt Charlotte Krämer. „Wir sind ein Treffpunkt für die jungen Menschen, bei uns werden soziale Kontakte geknüpft, das geht über die Hausaufgaben-Betreuung hinaus“, sagt Susanne Nadapdap. „Uns geht es darum, dass die Jugendlichen hier Fuß fassen und sich wohl fühlen. Dabei unterstützen wir sie wo nötig.“

Bastelaktion im Café Via.
Bastelaktion im Café Via.Foto: Sophie Krause

Upcycling in der Prinzenallee

Mit Comicseiten bezogene Stöckelschuhe, ein Lampenschirm aus Pralinenpapier, eine Tischleuchte aus einer Gemüsereibe – im Café des Vereins Mensch im Mittelpunkt in der Prinzenallee können Besucher ganz besondere Ausstellungsstücke bewundern. Die Objekte wurden beim „ReUpcycling“ aus weggeworfenen Gegenständen gefertigt. Die Aktion, die von Ehrenamtlern und einer Mädchengruppe gestartet wurde, soll für Nachhaltigkeit und Plastikmüll sensibilisieren.

Einen Künstler gebe es hier nicht, erklärt Vereinsvorstand Markus Naefe. Man wolle gemeinsam etwas für die Umwelt tun und zeigen, was man mit Gegenständen tun könne, ohne sie wegzuwerfen. Die Ausstellungsstücke basteln die Mitarbeiter gemeinsam mit den Gruppen, die sie betreuen. Das sind vor allem Migranten aus den Balkanstaaten, darunter viele Roma-Frauen, sagt Geschäftsführerin Ivana Naefe. Zur Arbeit des Vereins gehören Deutschkurse und Unterstützung bei Behördengängen, aber auch gemeinsames Nähen, Singen und Tanzen. Und das Basteln an bunten Installationen.

UpCycling: Wenn aus alten Schuhen Kunst wird.
UpCycling: Wenn aus alten Schuhen Kunst wird.Foto: Sophie Krause

Jobs für Geflüchtete

Gute Nachrichten brachten am Freitag einige Besucher der Jobbörse für Geflüchtete in der Fabrik Osloer Straße mit nach Hause: Bei der Veranstaltung, bei der sich 22 Arbeitgeber vorstellten und verschiedene Jobs und Bildungsmöglichkeiten anboten, wurden etwa 50 Bewerbungstermine abgemacht und zwei Arbeitsplätze vermittelt. Etwa 340 Geflüchtete kamen, um sich bei der Jobbörse von Work for Refugees zu informieren. Das Projekt des Paritätischen Wohfahrtsverbandes und der Stiftung Zukunft Berlin soll Flüchtlingen zu Arbeit und Ausbildung verhelfen und somit zur Integration beitragen.

Alle Berichte zur Gemeinsamen Sache finden Sie auf unserer Themenseite: www.tagesspiegel.de/gemeinsamesache

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!