Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Die BSR macht Berliner zu "Kehrenbürgern"

Seit Jahren unterstützt die BSR Initiativen, die etwa Unrat aus der Spree fischen, Spielplätze oder Parks verschönern, mit Besen, Müllsäcken und der kostenlosen Abholung des Mülls.

Sabine Hölper
Ab aufs Board und Unrat vom Wasser fischen: 80 freiwillige Helfer waren dabei – unterstützt von der Stadtreinigung.
Ab aufs Board und Unrat vom Wasser fischen: 80 freiwillige Helfer waren dabei – unterstützt von der Stadtreinigung.Foto: DAVIDS/Christina Kratsch

Die Laune und das Wetter ist gut am Sonntagvormittag, als sich 80 Frauen und Männer am Badeschiff in Treptow treffen. Sie machen beim ersten „SUP Clean-up“ mit. Die Surfrider Foundation Germany hat gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben und im Rahmen der Initiative „Alles im Fluss“ zu dieser Aktion aufgerufen. Jeder, der Lust hatte, konnte mitmachen. Fast vier Stunden lang sind die Teilnehmer auf Stand-up-Paddeln die Spree hinuntergepaddelt und haben umhertreibenden Müll herausgefischt.

Das Clean-up war eine von den „Kehrenbürgern“ unterstützte Aktion. 2005 sind die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) mit dieser Plattform für bürgerliches Engagement gestartet. Damit greift das Unternehmen Berlinern, die die Stadt verschönern wollen, unter die Arme. Zum einen stattet es die Engagierten mit einem „Kehrpaket“ aus. Es enthält Kehrbesen, Greifzangen, Müllsäcke, Westen und Handschuhe. Des Weiteren holt die BSR den gesammelten Unrat unentgeltlich ab. Unterstützend wirkt ferner die Webseite Kehrenbürger.de. Hier können die Organisatoren ihre Events einstellen, also bewerben.

Unterstützung für Verschönerungsbedarf

Kehrenbürger-Aktionen finden lediglich in Bereichen statt, für die die BSR nicht zuständig ist. „Wir wollen niemandem unsere Arbeit aufdrücken“, sagt Pressesprecher Sebastian Harnisch. „Die Bürger sollen also nicht die öffentlichen Straßen reinigen.“ Sie sollen aber da Unterstützung erhalten, wo sie darüber hinaus Verschönerungsbedarf sehen. Etwa auf Spielplätzen oder Grünanlagen in ihrem Kiez, in Waldstücken, auf Uferstreifen oder Gewässern, ebenso in Hinterhöfen oder allgemein im Wohnumfeld. 60.000 Euro gibt die BSR jedes Jahr aus, um die Kehrpakete zur Verfügung zu stellen, den Internetauftritt zu pflegen und Anzeigen zu schalten. Dazu kommen laut Harnisch weitere Kosten für die Logistik und die Entsorgung.

Die BSR unterstützt, aber veranstaltet werden die Aktionen von den jeweiligen Organisationen. Das können Schulen oder Sportvereine sein, nachbarschaftliche Gruppen oder Unternehmen. So veranstaltet der Bootsverleih Ahoi Ostkreuz an der Rummelsburger Bucht beispielsweise am Dienstag, den 4. September eine „Clean-up-Regatta“, ebenfalls mit dem Ziel, Müll aus der Spree zu fischen.

Am gleichen Tag lädt der Betreiber von Stadtrundgängen, Sandemans New Europe, zu einer Saubermachaktion ein: Eine Stunde lang werden freiwillige Helfer Müll im Tiergarten aufsammeln. Am Samstag, den 8. September wird der Verein Moabiter Ratschlag gemeinsam mit der Nachbarschaft den Sprengelkiez vom Müll befreien. Das sind nur einige von Hunderten Aktionen.

Immer mehr Kehrenbürger

Im vergangen Jahr haben 400 Events mit rund 17.000 Teilnehmern stattgefunden. Seit Bestehen der Kehrenbürger sei die Zahl jährlich gestiegen, sagt Jana Becker, die im Unternehmen für Kehrenbürger verantwortlich ist. Für dieses Jahr rechnet sie erneut mit einer Zunahme, zumindest aber mit einer gleichbleibenden Anzahl. Manche Events wie etwa „Ahoi Ostkreuz“ finden mehrmals im Jahr statt, andere nur ein Mal. Und einige Organisationen machen schon seit vielen Jahren mit. Darunter ist zum Beispiel der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder Berlin-Oberschöneweide, der seit 2009 die Wuhlheide vom Müll befreit. Die meisten Aktionen finden im Frühjahr, Sommer und Herbst statt. Im Winter und während der Schulferien ist es etwas ruhiger.

Klar, im Januar lässt es sich schlecht auf der Spree paddeln. Vergangenen Sonntag hingegen waren die Bedingungen ideal. Die Teilnehmer des Clean-ups konnten das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. 40 Boards stellte der StandUpClub Berlin am Badeschiff unentgeltlich zur Verfügung, andere Teilnehmer benutzten ihr eigenes Equipment. Um 11 Uhr ging es los auf die Bretter, und nach ein paar Minuten Üben klappte es bei den meisten ganz gut, gleichzeitig zu paddeln und Plastikflaschen oder Chipstüten aus dem Wasser zu fischen. Begleitet wurde die bunte Truppe übrigens von zwei Booten und fünf Kajaks. Etwa 40 Säcke voller Müll haben die Freiwilligen an Land gezogen, inklusive einer kleinen Matratze, einer Bierbank und Fahrradteilen. Vor der „Escobar“ am Badeschiff haben sie ihre Ausbeute präsentiert. Zur Belohnung gab es Würstchen und vegetarische Wraps sowie kühles Berliner Wasser.

Die Aktion war die erste dieser Art, die die Berliner Gruppe der Surfrider Foundation initiiert hat. 1984 wurde die Stiftung in den USA gegründet, seit 1990 ist sie in Europa vertreten, der Hauptsitz ist im französischen Biarritz. Vor sieben Jahren wurde in Hamburg die Surfrider Foundation Germany ins Leben gerufen, seit eineinhalb Jahren gibt es die Berliner Gruppe. „Von Anfang an veranstalten wir in Berlin gemeinsam mit Kehrenbürger Clean-ups“, sagt Stephan Keichel, einer der beiden Gründer der Berliner Gruppe. So haben sie etwa im Treptower Park und am Urbanhafen Müll gesammelt.

„Kehrenbürger ist eine tolle Sache“, sagt der 34-Jährige. „Denn so haben wir nicht das Problem der Müllentsorgung.“ Nach dem erfolgreichen Reinemachen kann er sich gut vorstellen, dass dies nicht die letzte Aktion auf dem Wasser war. Keichel: „Es war super, gerne nächstes Jahr wieder.“

Machen Sie mit. Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin. Unter der Adresse können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Ein Hochbeet für unseren Garten

Für die BewohnerInnen des Wohnheims für Geflüchtete und des angrenzenden Seniorenwohnheims in der Zeughofstraße soll am 6. 9.ein Hochbeet für Kräuter und Gemüse angelegt werden – tatkräftige Unterstützung ist von 10 bis 17.30 Uhr herzlich willkommen. Für Baumaterial, Erde und Pflanzen sowie eine Stärkung vom Grill wird gesorgt.

Ort: Zeughofstraße 12, 10997 Kreuzberg. Kontakt: 610 007 31 oder 610 007 25. E-Mail: ehrenamt.zeughof@diakonie-stadtmitte.de. www.diakonie-stadtmitte.de

Herbstputz im Garten

Herbstlich willkommen im Dr. Harnisch Haus – am 7. 9. von 8 bis 13 Uhr wird dazu eingeladen, die schöne Einrichtung für 182 pflegebedürftige Menschen kennenzulernen und gemeinsam Besen, Putzlappen und Harke zu schwingen.

Ort: Liebigstraße 39, 10247 Friedrichshain. Kontakt: 96 24 90. E-Mail: qmb.harnisch-haus@stephanus.org. www.stephanus.org/stiftung

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!