Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Eine Villa für viele Ideen

Die „Ulme 35“ ist ein Treffpunkt für engagierte Anwohner und Geflüchtete. Auch diesen Sonnabend braucht es handwerkliche Unterstützung in der alten Villa.

Die Villa, die viele Jahre leer stand, soll ein Zentrum für Westend werden.
Die Villa, die viele Jahre leer stand, soll ein Zentrum für Westend werden.Foto: Michele Galassi

Im Rahmen der Aktionstage "Gemeinsame Sache" öffnet die Ulme35 diesen Sonnabend ab 14 Uhr ihre Pforten für freiwillige Helfer. Für den ein oder andere Besucher dürfte schwer zu glauben sein, dass die Ulme35 früher eine Nervenklinik war. Auch, dass das denkmalgeschützte Gebäude in der Villenkolonie über 15 Jahre leer stand, verblüfft im ersten Moment. Betritt man die pompöse Eingangshalle, führt sie einen in einen herzlich-offenen Begegnungsort, den gleichsam Geflüchtete und alteingesessene Berliner mit Leben füllen.

Neugierige, Hilfesuchende und Helfer organisieren unter dem Dach der Ulmenallee 35 Jobberatungen und Deutschkurse für Geflüchtete, Filmabende für Kinder, Schreibwerkstätten für Frauen und interkulturelle Kochabende. Den vorgelagerten Garten haben kleine Jungen zu ihrer Spielwiese gemacht. Sie tollen und raufen. Sind weit weg von ihren Fluchterfahrungen.

Die Vision, dass dort ein interkultureller Zufluchtsort entstehen könnte, hatte die Architektin Birte Arndt schon 2015. Damals wurden die ehemaligen „Kuranstalten Westend“ nebenan in der Eschenallee zu einer Unterkunft für Geflüchtete umgestaltet. „Da dachte ich, das muss man doch zusammenbringen können!“, erzählt Arndt mit einem leichten Schmunzeln. Also kontaktierte sie den Integrationsverein „Willkommen in Westend“, der von der Idee schnell begeistert war.

Begonnen vor "Wir schaffen das"

„Wir begannen, um das Haus zu werben, schon ein dreiviertel Jahr, bevor Frau Merkel irgendetwas von ’Wir schaffen das’ erwähnt hat“, erinnert sich Amei von Hülsen-Poensgen stolz. Sie ist ehemalige Vorsitzende von „Willkommen in Westend“ und eine von zwei Festangestellten der Ulme35. Das sei die Chance gewesen, Handfestes für die Integration zu tun und einen Willkommensort zu schaffen, bevor der Senat das altehrwürdige Gebäude verkaufen würde.

Also veranstaltete der Verein im Herbst 2016 ein „Fest der Möglichkeiten“. Es sollte zeigen, welches Potential die alte Klinik birgt und was Nachbarn und Engagierte erschaffen können, wenn man sie lässt. Der Plan ging auf: Nach knapp zweijährigen Bemühungen war im März 2017 auch der Senat überzeugt.

Beim Gang mit Amei von Hülsen-Poensgen durch das Gebäude kommt man nur langsam voran: Ständig wird sie von Menschen angesprochen. Sie haben Ideen für neue Projekte oder kommen mit anderen Fragen zu ihr. „Verschiedene Veranstaltungen und Projekte finden hier nebeneinander statt. Es gibt kein Gegeneinander, niemand nimmt sich hier etwas weg“, freut sie sich. Dafür lohne sich die ganze Arbeit, die sie täglich reinsteckt.

Begegnungskochen mit deutsch-arabischer Küche

Auch für Oday Hussein lohnt es sich, jeden Tag in die Ulme35 zu kommen. Der 25-Jährige stammt aus Syrien und ist einer von zwei Bundesfreiwilligen. Für seinen Job nimmt er gerne die weite Fahrt von Neukölln, wo er wohnt, ans andere Ende der Stadt auf sich. Er arbeitet in der Bar und hat zudem einen ganz besonderen, inoffiziellen Titel. „Ich bin der Chefkoch!“, sagt Oday und zeigt grinsend mit dem Daumen auf seine stolze Brust.

In der Küche schnippelt eine Gruppe junger Erwachsener, Geflüchtete und Berliner, Gemüse und richtet das Abendessen an. „Heute gibt es Reis mit Erbsen, Hummus und Salat“, erzählt Oday und deutet auf die fast fertigen Speisen. Er hat das sogenannte Begegnungskochen initiiert, bei dem immer ein deutsches und ein arabisches Gericht zubereitet wird. „Oday ist nicht nur der Chefkoch, ihm ist auch zu verdanken, dass das Angebot so gut angenommen wird. Er ist sehr talentiert darin, Menschen zusammenzubringen und zu animieren“, lobt Amei von Hülsen-Poensgen ihren Freiwilligen.

Gegenüber der Küche befindet sich das Büro von Mohammad Mallak, Mitbegründer der Organisation Alsaieda. Sie setzt sich in Syrien und der Türkei gegen Zwangsheirat und für Frauenrechte ein, möchte Frauen im arabischen Raum eine Stimme geben. In Berlin koordiniert Mohammad Schreibkurse für Frauen, ermutigt sie, ihre Geschichten zu erzählen, und publiziert diese in einer regelmäßig erscheinenden Zeitschrift auf Arabisch. Bald sollen die Geschichten der Frauen ins Deutsche übersetzt werden.

Dunkler Anstrich fürs Filmegucken

Außerdem organisiert Mohammad regelmäßig im Kinosaal Abende für Kinder, die DVDs dafür reihen sich von „Shrek“ bis „Happy Feet“ in seinem Regal. Der Saal wird auch für Theateraufführungen und Tanzabende genutzt, er bedarf aber noch einiger handwerklicher Arbeit. Während des langen Leerstands hat ein Wasserschaden an den Decken des Gebäudes genagt, und das vor allem im Kinosaal. Außerdem stört die zu helle Deckenfarbe beim Filmegucken. Deshalb wünscht sich die Ulme35 einen neuen, dunklen Anstrich.

Der Kinosaal der Ulme35 soll einen neuen Anstrich bekommen.
Der Kinosaal der Ulme35 soll einen neuen Anstrich bekommen.Foto: Michele Galassi

Und ein neues Projekt steht schon in den Startlöchern: Eine Werkstatt soll eingerichtet werden. Eine alte Werkbank wurde bereits gespendet, im nächsten Schritt soll der Raum auf Vordermann gebracht werden, damit hier bald die Späne fliegen können und die Westender ihrer Kreativität freien Lauf lassen können.

In der Ulme35 pinseln, streichen und werken – dabei können Interessierte am Aktionstag „Gemeinsame Sache“ am Sonnabend, den 8. September, ab 14 Uhr, mithelfen. Materialien sind vorhanden. Ort: Ulmenstraße 35, Westend. Tel. 0163 3733122. E-Mail: info@interkulturanstalten.de

Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlinDort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Willkommen zum Traberwegfest

Der Karlshorster Kiezladen Potpourri freut sich über Freiwillige, die am 8. 9. von 9 - 20 Uhr Lust haben, sich beim Familienfest von Auf- & Abbau bis Kinderschminken einzubringen. Jede helfende Hand ist herzlich willkommen. Unterstützen Sie das Fest und feiern Sie mit.

Ort: Traberweg / Liepnitzstraße, 10218 Lichtenberg. Kontakt: 501593 28. E-Mail: potpourri@ejf.de. Online unter: www. potpourri-karlshorst.de

HerbstBlühen Kornelius Gemeinde

Die Kornelius-Gemeinde in Wedding lädt am 8. 9. von 10 - 13 Uhr herzlich zur Mitarbeit beim Gartenprojekt ein und möchte eine Umzäunung anbringen. Die Zaunteile sind gespendet worden. Zudem sollen Hecken geschnitten werden. Gartenwerkzeuge werden gestellt. Danach sind alle Mitmacher*innen zum Danke-Schön-Imbiss eingladen.

Um Anmeldung wird gebeten: 452 10 54 oder korneliusgemeinde@t-online.de. Aktionsort: Edinburger Straße 78, 13349 Mitte. www.korneliusgemeinde.de

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