Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Flashmob der Solidarität

Am Wochenende werden bei den Freiwilligentagen engagierte Bürger die Stadt schöner machen – und alle Berliner sind zum Mitmachen eingeladen.

Drei engagierte Gärtner machen den Kiezgarten im Kungerkiez und ihre Stadt schöner.
Drei engagierte Gärtner machen den Kiezgarten im Kungerkiez und ihre Stadt schöner.Foto: Sven Darmer

„Verantwortung übernehmen“, das ist an diesem Freitag das Motto für die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll-Oberschule in Spandau. Am Aktionstag „Gemeinsame Sache“ werden sie entlang des Spandauer Schifffahrtskanals die vom trockenen Sommer ausgedörrten Bäume wässern.

Verantwortung übernehmen, das tun den Schülern an anderen Orten mehrere tausend Berliner gleich. Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle des Sozialverbands Deutschland werden etwa im Kinderhaus Mitte Beete anlegen und pflanzen, Zäune streichen und Spielgeräte reparieren, damit sich die Kinder wohlfühlen – und mehrere Dutzend Mitarbeiter der Deutschen Bank arbeiten beim Projekt „Inklusionskita“ oder beim Sportfest der Lebenshilfe. „Aus Prenzl’berg wird Glänzl’berg“, heißt es wiederum bei der CDU des Bezirks, die sich aktiv für einen sauberen Kiez einsetzt und Unrat sammelt. Und, und, und – könnte man hinzufügen, so viele positive Beispiele gelebten Bürgersinns gibt es.

Über 230 Mitmach-Aktionen

An sehr vielen Stellen der Stadt werden am Freitag und Sonnabend die Freiwilligen anzutreffen sein, die sich bei der „Gemeinsamen Sache“ mit Aktionen für ein schöneres Berlin einsetzen. Über 230 Mitmach-Aktionen wird es an beiden Tagen in allen Teilen der Stadt geben: Menschen, die Verantwortung übernehmen, die anpacken, wo es der Hilfe und der Unterstützung durch engagierte Berliner bedarf, um Kieze schöner zu machen oder bedürftigen Menschen zu helfen.

Wie vielfältig das ehrenamtliche Engagement in Berlin ist, das haben in den vergangenen Wochen die täglichen Berichte des Tagesspiegels gezeigt. An den Freiwilligentagen „Gemeinsame Sache“ sind alle Aktionen zugleich eine Einladung an jeden Berliner, sich ein Herz zu nehmen, sich den Aktiven anzuschließen und anzupacken – alle sind dort herzlich willkommen. Wer an einem der beiden Tage mittun möchte: Alle Aktionen finden Sie unter www.gemeinsamesache.berlin.

"Gemeinsame Sache 2017"
In Tempelhof wurden die Außenwände der ufa-Fabrik renoviert.Weitere Bilder anzeigen
1 von 119Foto: Matthias Jauch
09.09.2017 14:12In Tempelhof wurden die Außenwände der ufa-Fabrik renoviert.

Einem Muskel ist das weiße Otto-Bock-Haus am Potsdamer Platz nachgeformt. Das unter anderem machte es zum perfekten Ort, um am Mittwochabend die fünfjährige Partnerschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und des Tagesspiegels als Veranstalter der Aktion „Gemeinsame Sache“ zu feiern. Denn Muskelkraft für ein schöneres Berlin ist am Freitag und Sonnabend gefragt.

Michael Müller plaudert aus der eigenen Werkstatt

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) als Schirmherr der Aktionstage nutzte den Anlass, mal aus der eigenen Werkstatt zu plaudern. Er habe sich so über eine Formulierung gefreut, die seiner Redenschreiberin eingefallen sei. Die fühlte sich bei der Aktion an einen „Flashmob der Solidarität“ erinnert. Müller sieht in den Freiwilligentagen auch einen wichtigen Beitrag gegen die Entsolidarisierung, die durch Globalisierung, Digitalisierung und den Rückzug ins Private stattgefunden habe.

Damit griff er den besonderen Zauber der Aktion auf, die auch gegen die besonders in Städten grassierende Krankheit der Einsamkeit hilft: „Menschen, die sich vorher nicht kannten, machen etwas zusammen.“ Die gute Tat wird gewissermaßen automatisch mit einem guten Erlebnis belohnt. Darüber, so Müller, könne nicht genug geredet werden. Folgerichtig ermutigte er den Initiator der Aktionstage, den Leitenden Redakteur des Tagesspiegels, Gerd Nowakowski, auch künftig als „wandelnder Werbeblock“ diesen Geist weiterzutragen.

Verbreitet wird der Spirit gerade dadurch, dass er am Wochenende überall in der Stadt sichtbar gemacht wird. Diesen Aspekt hob die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Gabriele Schlimper, hervor. Schließlich engagierten sich Menschen Tag für Tag für gute Zwecke, oft genug aber fehle die öffentliche Anerkennung.

Soziale Produktivität einbringen

Wie schafft man es, gelebten Bürgersinn so ins Licht zu rücken, dass andere sich mitreißen lassen? In der Gegenbauer Unternehmensgruppe werden etwa ehrenamtliche Einsätze gezielt gefördert, sagte deren Personaldirektor Claus Kohls, der selber kürzlich eine Woche in einer Wohnungsloseneinrichtung gearbeitet hat. „Das liegt in der DNA unseres Unternehmens.“ Gegenbauer-Mitarbeiter unterstützten am Donnerstag mit einem Einsatz am Tegeler Flughafensee den Naturschutzbund Deutschland.

In der zunehmenden Bedeutung des Engagements spiegelt sich nach der Beobachtung der Unternehmerin Antje Meyer, die CSR-Sprecherin bei der Industrie- und Handelskammer ist, auch ein gesellschaftlicher Wandel. „Wenn Mitarbeiter richtig gut sind, legen sie Wert darauf, in einem sinnhaften Unternehmen zu arbeiten“, sagte sie. Daher gehe es auch darum, Orte zu schaffen, wo sie ihre soziale Produktivität einbringen könnten.

Gemeinsame Sache 2015
Im Monbijourpark räumte der Berlin International Women’s Club auf.Weitere Bilder anzeigen
1 von 246Foto: Kai-Uwe Heinrich
30.09.2015 20:26Berlin macht sein Ding: "Saubere Sache - Gemeinsame Sache" hießen die beiden Aktionstage am 18. und 19. September, bei denen sich...

Was die Politik tun kann, um Engagement noch mehr zu fördern, dazu gab es viele gute Ideen – auch von Alexander Fischer, Staatssekretär in der Arbeits- und Sozialverwaltung, der neben steuerlichen Aspekten die bessere Förderung der Stadtteilzentren nannte, die nah bei den Wohnorten einsatzwilliger Bürger auch Möglichkeiten dazu böten. Kann man Jugendzentren nicht tagsüber, wenn alle in der Schule sind, für Senioren nutzbar machen? Ließe sich auch im sozialen Sektor die Barrierefreiheit weiter ausbauen? Menschen mit Behinderungen wollen ja auch nicht immer nur diejenigen sein, für die etwas getan wird, sondern auch selber etwas tun. Gabriele Schlimper betonte noch, wie wichtig es sei, ältere Menschen vor dem Ruhestand auf Möglichkeiten des Engagements aufmerksam zu machen und einzustimmen.

Dass ehrenamtlicher Einsatz auch Spaß und Befriedigung bringt, ist ein ganz wesentlicher Aspekt, der von Teilnehmern betont wurde. Helfen macht glücklich, dass kann jeder Berliner erfahren. Man muss sich nur einen Stups geben.

Übrigens: Wer sich für die Stadt engagiert, soll auch feiern. Der Tagesspiegel und der Paritätische Wohlfahrtsverband als Veranstalter der „Gemeinsamen Sache“ wollen deshalb Danke sagen und laden alle Helferinnen und Helfer am Sonntag, 23. September, zur Party in das Tagesspiegel-Haus am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg ein. Also diesen Termin schon mal vormerken.

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