Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Gartenarbeit im Naturhof Malchow

Der Naturhof Malchow, eine Oase am Stadtrand mit Störchen und wilden Kräutern, legt bei den Aktionstagen mit Helfern neue Beete für essbare Blüten an.

Lena Völkening
Ursel Lorenz auf dem Naturhof Malchow, das in DDR-Zeiten ein Depot der Staatssicherheit war.
Ursel Lorenz auf dem Naturhof Malchow, das in DDR-Zeiten ein Depot der Staatssicherheit war.Foto: Lena Völkening

In Malchow, wenige Minuten Autofahrt vom Prenzlauer Berg entfernt, ist Berlin ländlich. Am Straßenrand stehen Einfamilienhäuser, es riecht nach frisch gemähtem Gras, und in einem Kräuterbeet hat Ursel Lorenz mit der trockenen Erde zu kämpfen. Schulklassen und erwachsene Besucher können hier einige der wenigen Störche Berlins aus nächster Nähe bestaunen. Sie können lernen, Natternkopf und Wiesensalbei voneinander zu unterscheiden, und regionale Produkte wie Honig und Apfelsaft im Hofladen kaufen. Und das alles auf dem Gelände mit drei großen Gebäuden und angrenzenden Wiesen, großflächigen Beeten und einem Teich.

Gesucht werden auf dem einstigen märkischen Bauernhof engagierte Zupacker, denn an den Aktionstagen 7. und 8. September wollen die Organisatoren zusammen mit ihnen ein komplettes Beet mit essbaren Blüten neu errichten. Lorenz und ihre Mitstreiterinnen auf dem Naturhof hoffen, dass viele kommen werden.

„Rund 15 Helfer an jedem der beiden Tage wären toll“, sagt Doreen Hantuschke, Leiterin des Umweltbüros des Bezirks Lichtenberg, zu dem der nördliche Ortsteil Malchow gehört. Daneben wollen sie eine Kräuterspirale bauen, ein schneckenförmiges Beet mit unterschiedlich hohen Ebenen für Küchenkräuter. „Nachahmen ist erwünscht“, sagt die Biologin Sylvie Wesnigk-Michler. Fachmännisch soll die Kräuterspirale angelegt werden, und die Helfer sollen dabei etwas lernen und sich Ratschläge für den eigenen Garten von den Fachleuten holen.

Stadtmenschen die Natur näher bringen

Erklären, zeigen und vormachen, das ist ihr Beruf. Auf dem Naturhof Malchow wollen sie den Stadtmenschen die Natur wieder näherbringen. Die kommen manchmal auf den Hof und finden die ganze Erde, die Insekten und den Dreck erst einmal komisch. Auch die Kinder. Berlin ist zwar eine der grünsten Großstädte Europas. Aber wer in Prenzlauer Berg aufwächst, sieht nicht oft einen Frosch vorbeihüpfen. Auf dem Naturhof Malchow lugen im großen Teich gleich mehrere an der Wasseroberfläche hervor und beäugen die Besucher kritisch.

Wenn Schulklassen hier sind, können Kinder die Natur aus nächster Nähe anschauen, anfassen und auch schmecken. Es gibt Angebote wie ein „gesundes Frühstück“ und eine Kräuterführung, und die Mitarbeiter schauen sich mit Gruppen an, was auf den wild wachsenden Wiesen auf dem Gelände alles kreucht und fleucht. Die Scheu vor der Natur wollen sie den Kindern nehmen.

Aber es geht auch um Artenschutz: Nicht nur die Frösche, sondern auch jede Menge anderer Tiere können hier in Ruhe leben und sich fortpflanzen. Hoch oben auf einem Strommast nistet ein Turmfalke. Insekten wohnen in Bienenstock und Insektenhotel. Regelmäßig sitzen Störche in den zwei Horsten. Einer steht an diesem sonnigen Tag in seinem Nest und fühlt sich gar nicht gestört von den Leuten, die auf der Wiese an einer langen Holztafel essen. Dass man vom sogenannten Storchen-Café im Gebäude nebenan auf einem großen Flachbildfernseher dank Kamera direkt in sein Nest schauen kann, weiß er nicht.

Früher von der Stasi genutzt

Vor drei Jahrzehnten war das hier alles weniger lebendig. Der ehemalige Bauernhof wurde zu DDR-Zeiten von der Stasi genutzt. In den Gebäuden waren Autos untergestellt, der Boden betoniert. Nach der Wende stand der Hof leer und wurde zum Naturhof umfunktioniert.

Die Geschäftsführerin Beate Kitzmann war von Anfang an dabei. „Wir hatten damals eine Vision, wo es hingehen soll“, sagt sie. Bis genügend Fördergelder zusammenkamen, um alle Gebäude und den Innenhof zu sanieren, dauerte es aber noch zwei Jahrzehnte, bis 2015. Daher auch jetzt der Plan, als Teil des letzten Feinschliffs das Beet mit der Kräuterspirale neu aufzubauen. Um dabei mitzumachen, muss man übrigens keinen grünen Daumen haben. Auch echte Stadtmenschen, die noch nie in Erde gewühlt haben, sind gerne gesehen.

Der Naturhof Malchow lädt ein, am 7. (9 - 16 Uhr) oder 8. September (9 - 13 Uhr) zu helfen. Anmelden: info@umweltbuero-lichtenberg.de. Wetterfeste Kleidung, feste Schuhe und, falls vorhanden, Gartenhandschuhe mitbringen. Für einen Imbiss ist gesorgt.

Machen Sie mit: Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin. Dort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit:

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Für die Kippe danach

Weggeworfene Zigarettenkippen sind für alle kein schöner Anblick. Die Aktion von 44 Cool Girls, Ahoj! Souvenirmanufaktur und Touristinformation Neukölln möchte Raucher dazu bringen, ihre Kippen nachbar- und umweltfreundlich mit mobilen Aschenbechern zu entsorgen. Am Freitag, 7. 9., 10 - 15 Uhr sind Helfer willkommen.

Ort: Touristinformation Neukölln, Karl-Marx-Straße 83, Kontakt: 0174 8860866, www.souvenirmanufaktur.de

Zwei Schweinchen Paul & Paula

Die Knirpsenfarm lädt ein, den Kinderbauernhof und seine einzigartigen Tiere hautnah kennenzulernen. Die Knirpsenfarm freut sich am Sonnabend, den 8. 9., auf Freiwillige, die von 10 - 15 Uhr die grüne Oase besuchen und bei der Pflege und Fütterung helfen.

Aktionsort: Malchower Chaussee 2, 13051 Lichtenberg. Kontakt: 925 39 65. E-Mail: info@malchower-grashuepfer.de. www.knirpsenfarm-berlin.de

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