Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Prima Klima im Kungerkiez

Ein Kiezgarten in Alt-Treptow lässt die Nachbarschaft wachsen – ebenso wie Kulturprojekte. Am 1. September veranstalten Anwohner das nächste Baumscheibenfest.

Gemeinsame Sache: Edda Nadine Neugebauer, Tibor Fuchs, Katrin Wegner (v. l.) im Kungerkiez-Kiezgarten.
Gemeinsame Sache: Edda Nadine Neugebauer, Tibor Fuchs, Katrin Wegner (v. l.) im Kungerkiez-Kiezgarten.Foto: Sven Darmer

Schon von Weitem fällt der grün bewachsene Hinterhof in der Bouchéstraße in Alt-Treptow auf. Ein kleiner Holzweg führt in den Kiezgarten, wo vor einer großflächig bemalten Hauswand einige Hochbeete aus Europaletten stehen. In ihnen wuchert und wächst alles, was sich mit dem deutschen Klima verträgt: Maiskolben, Kohlrabi, Zucchini und Tomaten, aber auch Blumen, Beeren und Kräuter. Der bunte Kiezgarten ist quasi das Herzstück des Projektes „Gutes Klima. Unser Kungerkiez“, das auf nachbarschaftlicher Ebene Klimaschutz voranbringen will.

Die Hochbeete befinden sich auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Die Beete werden von Leuten aus dem Kiez bepflanzt, insgesamt 50 Parteien, per Los wurde entschieden, wem welches gehört. Jede Partei kann anpflanzen, was sie möchte. Unter den Hobbygärtnern seien viele Ältere, auch einige Singles, sagt Katrin Wegner, eine der Initiatorinnen des Projekts. Die klassische Zielgruppe seien aber Familien mit Kindern – die Stadtkinder könnten so lernen, wo das Gemüse herkommt, wenn man es nicht im Supermarkt kauft. Es gibt zwar eine Warteliste für die Beete, die sei aber nicht so furchtbar lang, sagt Wegner. Kein Vergleich zu denen für einen Kitaplatz im Kiez. Und es sei geplant, noch mehr Beete zu bauen.

Ernähren tut der Garten einen nicht

Gegründet wurde der Kiezgarten 2017, mit einer Finanzierungshilfe des Bundesumweltministeriums. Da musste aber erst mal der Hinterhof freigeräumt, Paletten und andere Materialien besorgt werden. Seit diesem Jahr wachsen in den Beeten Obst, Gemüse und Kräuter als kleiner Beitrag zum Klimaschutz. Ernähren könne man sich davon natürlich nicht, sagt Tibor Fuchs, der als Gärtner im Kiezgarten tätig ist.

Ein Mensch allein bräuchte ungefähr 2000 Quadratmeter Acker zum Überleben. Aber wer sein Obst und Gemüse hier selbst anpflanze, lerne, wie viel Arbeit dahintersteckt. „Und man sieht mal wieder, in welchem Luxus wir hier leben“, sagt er. Neben der Nahrung für die Menschen ernährt der Garten auch viele Insekten. Im hinteren Teil, auf einer großen Wiese, haben die Mitglieder ein Insektenhotel gebaut, mit Brutstätten für verschiedene Arten. Außerdem wachsen auf der wilden Wiese Blumen, die den Bienen als Nahrung dienen. „Insektensterben ist ein großes Thema in Deutschland“, sagt Wegner. „Wir versuchen hier, den Insekten auch mitten in der Stadt einen Lebensraum zu bieten.“

Neben dem Garten bietet „Gutes Klima. Unser Kungerkiez“ zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit an, zum Beispiel einen Zero-Waste-Workshop. Hier lernen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen, wie sie selbst Deo, Waschmittel oder Zahnpasta herstellen und in mitgebrachte Glasbehältnisse abfüllen – und damit auf unnötige Verpackungen verzichten.

Nadine Neugebauer, die auch zum festen Projektteam gehört, gibt außerdem regelmäßig Näh-Workshops, bei denen sie den Teilnehmern hilft, ihre alten Sachen zu flicken oder neu zu gestalten. Auch Workshops zum Papierschöpfen, Textilien färben und Upcycling stehen auf dem Programm. Im Kiezgarten wurden zum Beispiel alte Eisbehälter aus der nachbarschaftlichen Eisdiele zu kleinen Blumenkästen umfunktioniert, die jetzt viele der Hochbeete zieren.

Ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz

Auch Projektwochen für Schulkinder sollen in Zukunft regelmäßig stattfinden. Bisher gab es zwei solcher Aktionen für Viertklässler. Die Kinder machten dabei Experimente zu dem jeweiligen Thema, oder bauten etwa eine kleine Wasserkläranlage. Sie würden auch versuchen, das Ganze auf den Kiez zu beziehen, also den Kindern zeigen, wo es etwa in der Umgebung ein Wasserwerk gibt. Ziel sei es, schon früh ein Bewusstsein und Interesse für Umweltthemen zu entwickeln. Der Kiezgarten und all die Projekte, sagt Wegner, beendeten natürlich nicht das Problem der Umweltverschmutzung. „Aber es ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Wir machen eben Umweltschutz im Kleinen.“

Der Kiezgarten gehört zum Verein „KungerKiezInitiative“, den es seit elf Jahren gibt. Seine Mitglieder organisieren Workshops, Kulturprojekte oder Nachbarschaftsfeste wie das Baumscheibenfest, das einmal jährlich im Kiez um die Karl-Kunger- und die Bouchéstraße stattfindet, dieses Jahr am 1. September. Zu dem Fest bepflanzen Anwohner Baumscheiben, die schönste, originellste oder langlebigste bekommt den Goldenen Gartenzwerg verliehen. Außerdem finden im ganzen Kiez Veranstaltungen statt: Es gibt Livemusik, Flohmärkte, Vorführungen, selbst gebackenen Kuchen, Vegetarisches und Nicht-Vegetarisches vom Grill, Bier, Limo.

Das gesamte Programm zum Baumscheibenfest finden Sie unter www.baum-scheiben-fest.de

Machen Sie mit: Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin. Dort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit:

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Aufräumaktion an der Panke

Die Nachbarschaftsetage Soldiner Straße freut sich am Samstag, den 8. September, über möglichst viele MitstreiterInnen bei einer Putzaktion an der Panke. Zwischen Soldiner Straße und der Bibliothek am Luisenbad soll von 12 - 16 Uhr Müll gesammelt werden. Im Anschluss daran sind alle Eltern und Kinder zu einem Müllworkshop in der NachbarschaftsEtage eingeladen, um manches Fundstück in ein kleines Kunstwerk umzugestalten. Der Workshop ist kostenlos und für Stärkung mit Getränken, Obst und Kuchen ist gesorgt.

Aktionsort: Soldiner Straße 77, 13359 Wedding. Kontakt: 38109329. E-Mail: ehrenamt@nachbarschaftsetage.de / Online unter: www.nachbarschaftsetage.de

„Wir schaffen Ordnung“

Im Kiezklub Alte Schule werden am Sonnabend, dem 8. 9., Freiwillige herzlich begrüßt, um gemeinsam mit der Kontaktstelle PflegeEngagement Treptow-Köpenick und den Küchengeistern von 13 - 16 Uhr den Keller auszuräumen und Platz zu schaffen für Neues. Natürlich werden im Kiezklub auch die Angebote der Kontaktstelle vorgestellt und nach der Arbeit wird gemütlich zusammengesessen. Mitzubringen sind: Etwas Zeit, Kraft und Lust! Ein Auto mit Fahrer wäre super. Angeboten werden auch leckere Grillsachen und Getränke.

Aktionsort: Kiezklub Alte Schule, Dörpfeldstr. 54, 12489 Adlershof. Kontakt: 902975767. E-Mail: jacqueline.milde@ba-tk.berlin.de

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