Aktionstage "Gemeinsame Sache" : Wenn Saubermachen glücklich macht

Einfach anfangen, etwas gegen Vermüllung und Klimabelastung zu tun, das will „Plan A“ – mit sogenannten "Big Clean Up"-Aktionen in Berlin.

Thomas Wochnik
"Plan A"- Gründerin Lubomila Jordanova.
"Plan A"- Gründerin Lubomila Jordanova.Foto: Promo

Dass man für Engagement nichts weiter benötigt als Willen und etwas Zeit, zeigen die Erfahrungen des letzten Big Clean Up am 8. Juli im Volkspark Friedrichshain. Das Projekt, bei dem mit Handschuhen und Müllgreifern ausgestattete Freiwillige sich im Park zum Saubermachen trafen, hatte sich schon anhand der Zahl der vorherigen Anmeldungen über Facebook erfolgversprechend angefühlt, erzählt Lubomila Jordanova. Geradezu überwältigend aber sei es gewesen, zu sehen, wie viele Passanten, ganze Familien und Freundeskreise, die zufällig am Ort waren, spontan mit angepackt haben – auch ohne Handschuhe und Greifer.

Jordanova fühlte sich davon bestätigt. Spricht man vom Klima, so ihre Erfahrung, dann in der Regel als Katastrophe – als müsse man, um etwas Relevantes zu tun, unermesslichen Aufwand betreiben und das eigene Leben komplett ändern. Das Resultat sei, dass Menschen es müde würden, immer dieselbe Leier zu hören und sich resigniert abwendeten. Mit der Unternehmung „Plan A“ möchte die 29-jährige Jordanova das anders machen. Sichtlich euphorisch wird sie, als sie die Geschichte dahinter erzählt: Vor einigen Jahren habe sie im Urlaub in Marokko, auf Freunde wartend, spontan und aus bloßer Langeweile damit begonnen, Müll einzusammeln, der vor ihren Augen lag. Mehrere Taschen voll mit Schuhen und Plastikflaschen habe sie schnell zusammengehabt.

Dies, erzählt sie, war ihr Schlüsselerlebnis. Die Beschäftigung mit Themen wie Plastikmüll, Nachhaltigkeit und Klima mündete bei der gebürtigen Bulgarin, die Wirtschaft studiert hatte, schließlich in der Aufgabe ihrer Stelle bei einem Londoner Startup und der Gründung von „Plan A“ im Jahr 2016. Weil der Brexit bereits absehbar war und „Plan A“ auf europäischer Ebene agieren sollte, zog sie nach Berlin. Dass sie in ihrer bulgarischen Heimatstadt Sofia eine deutschsprachige Oberschule besucht hatte, erleichterte die Entscheidung. „Plan A“ will dem Gefühl der Ohnmacht etwas entgegensetzen.

Tausende Teilnehmer in Berlin mobilisiert

Nicht das Unterlassen, sondern Handlungsoptionen und aktives Tun sind die Botschaft, die über die Online-Plattform, die Veranstaltungen und Aktionen vermittelt wird. Allein in den letzten sechs Monaten hat das Projekt in Berlin über 3000 Teilnehmer mobilisiert, sagt Jordanova. Da zur Mobilisierung auch Aufklärung gehört, betreibt „Plan A“ einen Online-Informationspool, in dem der Klimawandel von einem Expertenteam verständlich erklärt wird: Klimaexperten, Datenanalysten, sogar ein Anthropologe gehören dazu.

Geschafft. Big Clean Up von "Plan A" im Volkspark Friedrichshain.
Geschafft. Big Clean Up von "Plan A" im Volkspark Friedrichshain.Foto: Promo

Aber: Es ist eine Sache, Menschen zu informieren, die schon nach solchen Informationen suchen. Was aber wäre das wert, wenn man nicht die Entscheider aus Politik und Wirtschaft erreichte? So ist ein wesentlicher Aspekt der Arbeit von „Plan A“ die Herstellung eines Dialogs zwischen politischen und privaten Akteuren, Nichtregierungsorganisationen und Klimaexperten, auf Basis der wissenschaftlich gesicherten Daten – netzwerkbasierte Lobbyarbeit also.

Wie das geht? „Man ruft einfach an oder schreibt den Leuten direkt. So einfach ist das.“ Mit Leuten, die wissenschaftlich an Klimafragen arbeiten, wird weit weniger gesprochen, als man meinen könnte, erzählt sie. Es gibt viel Spekulation und Halbwissen in der Bevölkerung. Und dennoch frage kaum jemand das verfügbare Expertenwissen direkt ab. Dabei sind die meisten Forscher überaus auskunftsfreudig. Zumal dann, wenn die Verwendung der Daten in ihrem Sinne ist. Dasselbe gilt auch für die politischen Akteure: die nähmen geschenktes Fachwissen dankbar an, solange es integer ist.

Schlüsselerlebnisse, die viel bewirken

Einfach machen – es klingt so einfach, wenn Lubomila Jordanova ihr Projekt beschreibt. Von dieser Einfachheit kann man sich bei den Clean-Up-Aktionen auch selbst überzeugen. Die Teilnehmer und auch Passanten, die spontan mitmachen, verspürten eine Befriedigung, etwas zu Umwelt und Gemeinwohl beigetragen und ihre Zeit sinnvoll verbracht zu haben. Spaß hätten sie dabei auch gehabt, hätten Gespräche geführt und gleichgesinnte Menschen kennengelernt. Die meisten möchten das dann immer wieder erleben. Ganz nebenbei verinnerlichten die Mitstreiter, dass es keinerlei besonderer Kenntnis oder Ausrüstung bedarf, um aktiv zu werden.

Solche Schlüsselerlebnisse können viel bewirken, weiß Lubomila Jordanova aus eigener Erfahrung. Wenn es gelinge, solche Erfahrungen zu vervielfachen, Tatendrang zu provozieren und die Hemmschwellen für ein Engagement herabzusetzen, sei viel erreicht. Und notwendig sind die Aktionen auch. Denn der Name des Projekts, „Plan A“, bedeute auch, dass es einen „Plan B“ für den Planeten nicht gibt.

Die nächste Gelegenheit zum kollektiven Saubermachen findet am Sonnabend, 8. September, von 14 bis 18 Uhr im Böcklerpark in Kreuzberg statt. Alle Helfer sind herzlich willkommen. Weitere Informationen: www.plana.earth

Machen Sie mit: Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin. Dort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit:

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Unser Wedding kann auch Schmuck Design/sein

Unter diesem Motto sind Interessierte herzlich eingeladen, am Samstag, 8. 9., von 14 - 18 Uhr gemeinsam mit BewohnerInnen des Wohnheimes für Menschen mit geistiger Behinderung handgefertigten Schmuck herzustellen. Freuen Sie sich auf das Ergebnis und verbringen Sie den Tag gemeinsam in einer entspannten Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen.

Ort: Wohnheim Nordufer 24 - 25 (Haus 4), 13351 Wedding. Kontakt: 830098-13/-0. E-Mail: andreas.stoltz@unionhilfswerk.de

Zeitschenker-Frühstück

Sie wollen Kindern Zeit schenken? Dann kommen Sie am 8. 9. von 10 - 13 Uhr vorbei – unsere Patengroßeltern erzählen bei einem kleinen Frühstück von ihrem Ehrenamt. Mindestalter 50+.

Ort: Dolgenseestraße 21, 10319 Lichtenberg. Kontakt: 85714656. E-Mail: info@berliner-familienfreunde.de. www.berliner-familienfreunde.de

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