Alternative Wohngemeinschaft : Das Öko-Haus von Lichtenberg

Die Bewohner der Wönnichstraße 103 leben ausschließlich mit Bio-Produkten. Selbst das Abwasser wird pflanzlich wieder aufbereitet.

In dem kleinen Wintergarten im Hof bauen die Mitglieder der Hausgemeinschaft Gemüse an.
In dem kleinen Wintergarten im Hof bauen die Mitglieder der Hausgemeinschaft Gemüse an.Foto: Robert Klages

Vormittags, 10 Uhr, in der Lichtenberger Wönnichstraße, Hausnummer 103. Ein junger Mann öffnet verschlafen die Tür. Andreas Keller, 31, einer der Bewohner des Hausprojekts – es ist eine sozial und ökologisch ausgerichtete Gemeinschaft. Sie wollen eine ressourcenschonende, nachhaltige und gemeinschaftliche Lebensweise verwirklichen, erzählt Keller. Im ganzen Haus herrscht Bio – sowohl bei der Duschpflege als auch beim Essen.

Keine Elmex-Zahnpaste also zum Beispiel – sondern nur Produkte aus dem Bioladen oder mit Öko-Siegel. Alles muss ökologisch abbaubar sein. Das Dusch-, Küchen- und Waschmaschinenwasser der 15 Erwachsenen und fünf Kinder wird im hausinternen Wassersystem aufbereitet und wiederverwendet. Eine Pflanzenkläranlage im Keller und im Garten reinigt das Grauwasser. Getrunken wird das aufbereitete Wasser jedoch nicht – das Haus verfügt über zusätzliche Trinkwasseranschlüsse. Hinzu kommen Solar- und Photovoltaikanlagen auf dem Dach sowie Komposttoiletten. In der Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss wird ausschließlich vegetarisch gekocht. Vegane Ernährung hat sich jedoch noch nicht durchgesetzt.

In diesem Jahr wollen die drei Architekten das Haus an eine Bürgerstiftung verkaufen

Im Jahr 2000 haben drei Architekten das Grundstück samt Haus gekauft – da war die Gegend noch Sanierungsgebiet. Sie bildeten eine Hausgemeinschaft und wollen nun das Grundstück noch in diesem Jahr an die „Bürgerstiftung Trias – Wem gehört der Boden“ verkaufen. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Weiterverkauf von Grundstücken zu verhindern. „Trias ist unsere Sicherungsinstanz“, sagt Andreas. Sowohl das Grundstück als auch das Haus könnten nur mit der Zustimmung des jeweiligen Vertragspartners verkauft werden – also der Hausgemeinschaft und Trias.

Beide haben ein Vorkaufsrecht. „Und Trias wird nicht verkaufen, denn das wäre gegen ihren Stiftungszweck. An diesen sind sie gebunden“, sagt Keller. So ist ebenfalls gesichert, dass Bewohner das Haus nicht verkaufen können – denn es soll für mehrere Generationen gesichert sein. Denn nach Erbbaurecht müsse Trias zustimmen, wenn das Haus verkauft werden soll. Die Stiftung wiederum würde bei einem Verkauf des Bodens die Zustimmung der Hausbewohner benötigen.

Einmal im Monat gibt es die Volksküche

Boden, Ökologie und gemeinschaftliches Wohnen sind die Themen der 2002 gegründeten Stiftung Trias. „Boden ist Gemeingut und nicht nur Bauland für Investoren“, heißt es auf der Website. Die Stiftung lebt von Spenden, der Mitgliedergemeinschaft und Schenkungen.

Zusätzlich zu den Wohnungen gibt in dem Haus in der Wönnichstraße einen großen Gemeinschaftsraum und einen Wintergarten. Zudem einen „Schaufensterraum“ zur Straße hin, welcher für „unkommerzielle Zwecke“ mietfrei diversen Gruppen zur Verfügung gestellt wird. So finden hier Chorsingen oder Yoga statt. Einmal im Monat gibt es „VoKü“, Volksküche: vegetarisches/veganes Essen gegen Spende und etwas Kulturprogramm wie zum Beispiel Karaoke.

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