Amtsgericht Tiergarten : Vorwurf der Tierquälerei - Prozessbeginn gegen Zirkus-Chefs

Ein Ehepaar muss sich vor dem Amtsgericht verantworten: Es soll seine Zirkustiere nicht ausreichend gepflegt haben. Der Anwalt weist die Vorwürfe zurück.

Unter anderem ein Alpaka soll im Zirkus der Angeklagten gequält worden sein (Symbolbild).
Unter anderem ein Alpaka soll im Zirkus der Angeklagten gequält worden sein (Symbolbild).Foto: Bethanien-Diakonie

Manege frei für ein Verfahren, das sich seit Jahren hinzieht: Mussten neun Huftiere in einem Wanderzirkus leiden? Es geht um einen Alpaka, einen Esel, zwei Ponys, ein Lama, zwei Kamele, einen Scheck-Hengst und ein Fohlen.

Sie waren Teil des Programms, mit dem Familie S. im Juni 2015 in Spandau gastierte. Und sie wurden aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend gepflegt. Zu schmerzhaften Fehlstellungen, in einem Fall zu Räude und in einem anderen zu Verhaltensstörungen sei es gekommen.

Vorwürfe, die Zirkus-Direktor Ramon S. am Mittwoch vor dem Amtsgericht Tiergarten über seinen Verteidiger zurückwies. „Die Anklage ist falsch“, sagte der Anwalt. Als Mitarbeiter des Veterinäramtes kamen, habe man gerade das Freilaufgehege aufbauen wollen.

"Die Kamele waren in der Haarung"

Die Tiere hätten ausreichend Auslauf bekommen, Hufe seien regelmäßig gepflegt, Trensen und Geschirr für jedes Pferd angepasst worden. Kein Tier sei an Räude erkrankt gewesen – „die Kamele waren in der Haarung“. Die mitangeklagte Frau des 66-Jährigen schwieg zu diesem Vorwurf.

Das Paar mit sieben Kindern sagt von sich: „Wir sind Zirkusmenschen.“ Früher standen sie als Artisten in der Manege, nun leitet Ramon S. den Familien-Zirkus Moreno. Seine Frau kümmere sich um das Finanzielle. „Alle Kinder sind bei uns, wir führen gemeinsam einen Zirkus in der siebten Generation“, sagte die Angeklagte.

Von Tierquälerei durch Unterlassen geht die Anklage aus. Bei sieben Tieren sei die Hufpflege derart vernachlässigt worden, dass das Laufen auf hartem Grund schmerzhaft gewesen sei. Ein Fohlen habe monatelang viel zu wenig Auslauf bekommen, ein Hengst sei „aufgrund längeren Leidens“ verhaltensgestört.

Mehrere Tierärzte sollen im Prozess gehört werden. Die Verteidiger lehnten zunächst eine Gutachterin wegen Befangenheit ab. Eine Nähe zu einer Tierschutzorganisation sei nicht ausgeschlossen. Fortsetzung: 20. März.

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