Auf die Alkoholfahrt folgt der politische Absturz.

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André Stephan ein Jahr nach Alkoholfahrt : "Es hat mich aus der Kurve getragen"
Ernüchtert: André Stephan heute.
Ernüchtert: André Stephan heute.Thilo Rückeis

Um 10 Uhr bekommt Stephan einen Anruf der „Bild“-Zeitung. „In dem Moment wusste ich nicht nur, dass es Ärger gibt. Ich wusste auch, dass es vorbei ist für mich.“ Die Grünen haben nun einen Skandal, in dem es auch um Glaubwürdigkeit und Moral geht. Sie müssen reagieren. Stephan wird von seinen Aufgaben und Ämtern entbunden. Auf die Alkoholfahrt folgt der politische Absturz.

Landesgeschäftsführer, Wahlkampfkoordinator, das heißt Arbeit unter extremen Bedingungen. Wenig Schlaf, ständige Bereitschaft: „Ich habe mich damals übernommen. Dieser Job hatte eine körperliche Komponente und die hatte ich deutlich unterschätzt.“ Man kann sehen, wie André Stephan, während er spricht, die Erinnerungen aber auch die Worte sortiert. Damit er jetzt nichts Falsches sagt. Etwas, das sich später so anhört, als versuche er, die Alkoholfahrt auf diese Weise zu rechtfertigen. Dann sagt er: „Es hat mich aus der Kurve getragen.“

Es ist ein Eingeständnis, erwachsen aus dem gewonnenen Abstand, der ihm auch erlaubt hat, „mal einen Gang rauszunehmen, zu schauen, was eigentlich wichtig ist“. Er hatte plötzlich, das erste Mal seit Jahren, Zeit für sich, für die Familie. Zeit zum Nachdenken.

Und, natürlich, das kommt unweigerlich und in Schüben, für den Blick in den Spiegel, fassungslos im Angesicht der eigenen Dummheit. „Wenn man Politik so lebt wie ich und dann alles mit dem Arsch einreißt, greift man sich natürlich an den Kopf“, sagt er. Blick auf die Holzmarktstraße. Wir könnten jetzt zu der Kreuzung gehen, an der ihn die Polizei damals aufgegriffen hat. Aber das will Stephan nicht. Ein Schulterblick in ein Gestern, über das genug gesagt ist. Stattdessen lieber Gegenwart. Banales Ding: Wie geht es ihm heute? Klare Antwort: Gut. „Ich bin gesünder, gelassener geworden. Und habe auch gelernt, professionell sein heißt nicht sieben Tage durchackern.“

Er arbeitet mittlerweile abseits der politischen Bühne. „Elektromobilität. Kleinigkeiten, Beraterjobs“, sagt er. Mehr sagt er nicht, bleibt vage. Stephan ist vorsichtig geworden. Auch in den Äußerungen, die mögliche politische Ambitionen betreffen. Zukunftsmusik, ganz leise: „Ich will mich einmischen, aber ich arbeite jetzt auch nicht manisch darauf hin, etwas zu finden, damit es den Rest verdrängt.“ Damit verabschiedet er sich und steigt auf eines dieser Miet-Fahrräder der Bahn. Den Führerschein hat er längst wieder. Aber André Stephan ist eben ein Grüner geblieben.

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