• Angeblich geschönter Lebenslauf: Autor kritisiert Vergangenheit der Senatssprecherin, war aber selbst bei der Stasi
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Angeblich geschönter Lebenslauf : Autor kritisiert Vergangenheit der Senatssprecherin, war aber selbst bei der Stasi

Der Autor Hans-Joachim Lehmann wirft der Senatssprecherin Claudia Sünder Lügen vor, kooperierte selbst aber zu DDR-Zeiten mit der Stasi.

Claudia Sünder war laut eigener Biografie 1988 „Redakteurin Pressedienst Berlin“.
Claudia Sünder war laut eigener Biografie 1988 „Redakteurin Pressedienst Berlin“.Foto: Paul Zinken/ dpa

Neue Wendung in der Geschichte aus der Vorwendezeit: Auf fast 80 Seiten hatte sich der Berliner Autor Hans-Joachim Lehmann nachzuweisen bemüht, dass Senatssprecherin Claudia Sünder ihren Lebenslauf geschönt, beziehungsweise sensible Informationen verschwiegen habe. In dem Pamphlet warf Lehmann etwa die Frage auf, warum Sünder als 19-Jährige eine Laufbahn als Redakteurin in einem „Pressedienst“ in Ost-Berlin aufnahm.

Sünder war dagegen zivilgerichtlich vorgegangen, hatte nur teilweise Recht bekommen und ging in die nächste Instanz. Vorerst darf Lehmann der Senatssprecherin noch vorwerfen, einen „fast komplett geschwindelten Lebenslauf“ zu haben. Wobei das Gericht betonte, nicht den Wahrheitsgehalt der Meinungsäußerungen des Autors überprüft zu haben. Nun kommt heraus: Lehmann kooperierte kurzzeitig mit der Stasi.

Übersiedlung in die DDR wegen einer Frau

Das offenbarte er einem RBB-Journalisten, der ihn für eine „Inforadio“-Reportage interviewte, die am Wochenende gesendet wird. Ein Auszug liegt dem Tagesspiegel vor. Darin berichtet Lehmann von der Flucht seiner Eltern aus der DDR nach Köln, wo er studiert haben soll.

Als Partnerreferent der evangelischen Studentengemeinde sei er 1969 in Kontakt mit der Partnergemeinde in Ost-Berlin gekommen und habe Bekanntschaft mit der Gruppe um die Bürgerrechtler Gerd und Ulrike Poppe gemacht. In diesem Zirkel habe er eine Frau kennengelernt, wegen der er 1975 einen Antrag auf Übersiedlung in die DDR gestellt habe.

„Da erhielt ich erst einmal Einreiseverbot“, erinnert er sich. Man habe befürchtet, dass er als neuer DDR-Bürger schnell in „staatsfeindlicher Weise“ abdriften könnte. Die Stasi habe sich dann aber bei ihm gemeldet. „Ich wurde zur Kooperation aufgefordert“, sagte Lehmann dem RBB.

Und weiter: „Man sagte: 'Sie wollen in die DDR übersiedeln, dann müssen Sie beweisen, dass Sie loyal sind.'“ Er habe einer Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit dann zugestimmt, aber unter der Bedingung, dass durch seine Tätigkeit niemand zu Schaden käme. So sei es auch in seiner Akte vermerkt, behauptet Lehmann im RBB-Gespräch.

Hausdurchsuchungen bei Lehmann

Im Rahmen seiner Tätigkeit sei er auch auf einen Fluchthelfer angesetzt worden. „Dem habe ich mich aber offenbart“, sagte er dem RBB. Daraufhin habe der Verfassungsschutz sein Haus durchsucht und ihm verboten, Kontakt nach Ost-Berlin aufzunehmen. „So hatte ich schon damals meine ersten Kontakte mit der Stasi und auch mit dem Verfassungsschutz.“

Eine Hausdurchsuchung der Polizei hatte Lehmann in den vergangenen Monaten wieder erlebt, nachdem die Senatskanzlei – und Sünder privat – gegen Lehmann Anzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede erstattet hatten. Im Tagesspiegel-Interview hatte Sünder damals erklärt, in ihrem Lebenslauf nichts verschwiegen zu haben: „Es gibt absolut nichts in meiner Biografie, wofür ich mich zu schämen bräuchte.“

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller sieht kein Anzeichen, dass seine Mitarbeiterin gelogen habe, wie er am Mittwoch erneut im Abgeordnetenhaus betonte.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, Lehmann habe für die Stasi gearbeitet. Diese Formulierung wurde geändert.

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