• Angehörige von Clan-Chef offenbar gestorben: Clanmitglieder liefern sich Verfolgungsjagd mit Polizei

Angehörige von Clan-Chef offenbar gestorben : Clanmitglieder liefern sich Verfolgungsjagd mit Polizei

Im Urbankrankenhaus soll Familienmitglied eines Clan-Chefs verstorben sein. Vor der Rettungsstelle versammeln sich 60 Angehörige.

Clan-Chef Issa Remmo.
Clan-Chef Issa Remmo.Tsp

Mitglieder des berüchtigten Rammo-Clans haben in der Nacht zu Dienstag einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Ein Familienmitglied des Clan-Oberhaupts Issa Rammo soll im Urban-Krankenhaus verstorben sein.

Zuerst berichtete die „Bild“-Zeitung darüber. Die Frau soll in ihrer Wohnung in Neukölln zusammengebrochen sein, kurz vor Mitternacht wurde die Feuerwehr gerufen. Rettungskräfte brachten sie ins Urban-Krankenhaus.

Dort versammelten sich binnen kurzer Zeit rund 60 Mitglieder der deutsch-arabischen Großfamilie, die unter den beiden Namen Remmo und Rammo geläufig ist. Das Sicherheitspersonal der Klinik befürchtete einen Clan-Tumult vor der Rettungsstelle in der Dieffenbachstraße in Kreuzberg und rief die Polizei.

Die Beamten sorgten für Ruhe und mussten die Einhaltung der Corona-Abstandsregeln durchsetzen. „Es lief ruhig ab, es gab keine Wutausbrüche wie sonst beim Besuch von größeren Clan-Gruppen in Kliniken“, hieß es von der Polizei.

Hundert Stundenkilometer bei Tempo 30

Zwei weitere Vorfälle stehen offenbar im Zusammenhang mit dem Clan-Auflauf. Es geht um zwei Autos, die vor dem Wohnhaus der verstorbenen Angehörigen des Clan-Chefs von Zeugen gesehen worden sein sollen.

Die Fahrer der Wagen haben sich in der Nacht Verfolgungsjagden mit der Polizei geliefert. Zweimal musste ein Polizist zur Seite springen, um nicht überfahren zu werden. Nicht wenige Mitglieder des Clans sind bereits mit schweren Straftaten aufgefallen – Raub, Drogen, Überfälle. Jetzt nehmen sie offenbar sogar den Tod von Polizisten in Kauf.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Zunächst raste gegen ein Uhr ein roter Porsche auf dem Weg zur Rettungsstelle mit etwa hundert Stundenkilometern in eine Geschwindigkeitskontrolle der Polizei – in einer temporären Tempo-30-Zone in der Hermannstraße. Die Polizei rechnet den Wagen dem Rammo-Clan zu.

Polizist musste zur Seite springen

Obwohl ein mit Signalweste deutlich erkennbarer Polizist den Fahrer zum Anhalten aufforderte, raste dieser auf den Beamten zu. Als der Polizist zur Seite sprang, prallte sein Anhaltestab gegen den Porsche. Zivilfahnder entdeckten den Porsche danach auf dem Columbiadamm, wo er mehrere Ampeln bei Rot überquert haben soll. Wegen des hohen Tempos des Porsche, mussten die Beamten die Verfolgung abbrechen. Jetzt wird nach dem Wagen gefahndet.

Gegen 1.20 Uhr wollte derselbe Polizist in der Kontrollstelle einen Golf stoppen, der statt erlaubter 30 mit 86 Stundenkilometern unterwegs war. Der Fahrer soll zunächst abgebremst, dann aber mit aufheulendem Motor stark beschleunigt haben.

Der Polizist musste zunächst vor dem Wagen auf die Gegenfahrbahn ausweichen, doch der Fahrer steuerte den Golf direkt auf den Beamten zu, der auch diesmal zur Seite springen musste. Der Anhaltestab knallte gegen die Windschutzscheibe des Golf, der Beamte erlitt leichte Verletzungen.

18-Jähriger festgenommen

Der Golffahrer raste davon, missachte mehrere rote Ampeln. An der Kreuzung Grimmstraße, Ecke Dieffenbachstraße in der Nähe des Krankenhauses gelang es Beamten, ihren Wagen direkt neben dem Fluchtfahrzeug zu stoppen. Doch der Fahrer beschleunigte und rammte den Einsatzwagen.

[Behalten Sie den Überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über die aktuellsten Entwicklungen rund um das Coronavirus. Jetzt kostenlos anmelden: checkpoint.tagesspiegel.de]

Die Beamten nahmen den 18-Jährigen fest, im Wagen waren auch zwei Männer im Alter von 20 und 43 Jahren, eine 34-Jährige – und ein Messer. Jetzt wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt. „Bei allem Verständnis für den schmerzhaften Verlust eines geliebten Menschen – in unserem Land gelten Gesetze, an die sich alle Menschen zu halten haben“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei.

Wer nicht davor zurückschrecke, einen Menschen umzufahren, begehe ein versuchtes Tötungsdelikt. „Wer das anders sieht und klein redet, pflegt genau die falsch verstandene Toleranz, die uns zu den heutigen Problemen bei arabischen Clans in der organisierten Kriminalität gebracht hat“, sagte Jendro. Der Polizeiabschnitt 55 braucht nun Ersatz für zwei zerstörte Anhaltekellen.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!