Angeklagt wegen versuchten Mordes : Motiv war vermutlich verletzte Familienehre

Ein 20-Jähriger muss sich seit heute vor Gericht verantworten. Er soll den heimlichen Freund seiner älteren Schwester attackiert haben.

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Justizia.Foto: dpa

Ein 20-Jähriger, der den heimlichen Freund seiner älteren Schwester niedergestochen und schwer verletzt haben soll, hat vor dem Berliner Landgericht eine Aussage verweigert. Der Angeklagte habe den 29 Jahre alten Geschädigten und seine Schwester vor rund sechs Monaten in der Familienwohnung im Stadtteil Reinickendorf zufällig angetroffen und spontan den Entschluss gefasst, den Mann zu töten, heißt es in der zu Prozessbeginn am Dienstag verlesenen Anklage wegen versuchten Mordes. Das Opfer sei durch zwölf Messerstiche schwer verletzt worden.

Der Geschädigte und die 23-jährige Schwester des Angeklagten mit türkischer Staatsangehörigkeit hätten ihre Liebesbeziehung vor der Familie geheim gehalten, so die Anklage. Sie hätten gewusst, dass diese die Verbindung nicht tolerieren würde. Der 20-Jährige sei am 8. Juli 2019 überraschend früher nach Hause zurückgekehrt und habe das Paar entdeckt. Der Angeklagte habe ein Messer aus der Küche geholt, erst die Frau bedroht und dann den 29-Jährigen attackiert - „aus Wut über die verletzte Familienehre“.

Der Angeklagte habe auch im Ermittlungsverfahren geschwiegen, hieß es am Rande der Verhandlung. Der Geschädigte sagte als erster Zeuge, er könne sich nicht an Details erinnern. Es sei zu einer Rangelei gekommen, weil er sich als Fremder in der Wohnung befunden habe: „Weder ich noch der Angeklagte war der Angreifer.“ Inzwischen hätten sich die Familien versöhnt. (dpa)

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