Berlin : Angriff aus der zweiten Reihe

FDP und Grüne wollen wieder mitreden und denken an Jamaika. Zwei Oppositionsparteien im Vergleich

Lars von Törne

Ein blau-gelb dekorierter Konferenzsaal in Tiergarten, ein grüner Saal in Friedrichshain. Eine Partei, die bei der letzten Wahl mit 7,6 Prozent in der Opposition gelandet ist und eine mit 13,1 Prozent. Zwei Parteitage, auf denen am Sonnabend Berliner FDP und Grüne nach Wegen suchten, politisch an Bedeutung zu gewinnen. Was trennt und verbindet sie?

Jamaika-Pläne. Die FDP will nicht nur mit der CDU besser zusammenarbeiten. „Wenn es der Wähler will, haben wir auch gegenüber einer Koalition mit den Grünen keine Vorurteile“, sagte der Liberalen-Landeschef Markus Löning am Sonnabend. Hauptsache: „Das rot-rote Elend in Berlin muss beendet werden.“ Die Grünen hingegen sperren sich weiter gegen schwarz-gelb-grüne Farbenspiele. „Ein Friedbert macht noch keinen Frühling“, spottete Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth auf dem Landesparteitag über den CDU-Fraktionschef. „Eine Koalition in der Opposition gibt es nicht, sonst fangen wir bald mit dem Krötenschlucken an“, warnte auch die neu gewählte Berliner Grünen-Chefin Barbara Oesterheld vom linken Flügel der Partei. Irmgard Franke-Dressler vom bürgerlich-pragmatischen Parteiflügel hingegen, die gestern ebenfalls in die zweiköpfige Grünen-Führung gewählt wurde, will Bündnisse daran messen, „wie viele grüne Inhalte damit erreichbar sind.“

Berlin-Politik. Die FDP will weg vom Image der Partei, die nur für Wirtschaft, Finanzen und Bildung steht, sagt Parteichef Löning. In Berlin wollen die Liberalen künftig auch mit Umwelt- und Sozialpolitik um Wähler werben. So steht es auch in den Leitanträgen, die die 350 Delegierten verabschiedeten. Während sich also die Liberalen programmatisch nach links bewegen, setzen die Grünen auf ihre klassischen Kernthemen. „Wir müssen uns auf grüne Ziele konzentrieren“, sagt die neue Parteichefin Franke-Dressler und meint damit vor allem Umweltschutz, erneuerbare Energien und Klimapolitik. Barbara Oesterheld will die Grünen darüber hinaus wieder stärker als soziale Partei profilieren.

Konfliktpotenzial. Die FDP-Spitze weiß, dass sie es Delegierten und Stammwählern nicht leicht macht. „Das geht einigen zu sehr in Richtung Grüne“, sagt Liberalen-Chef Markus Löning über die neu gesteckten Ziele. „Aber die große Mehrheit hat es satt, dass die FDP immer nur als Wirtschaftspartei gesehen wird.“ Die Grünen wollen sich stärker als „Partei mit Ecken und Kanten“ präsentieren, sagt Franke-Dressler – und mit einem Seitenhieb auf die bisherige Parteiführung um Till Heyer-Stuffer und Almuth Tharan, die gestern ihre Amtszeit beendeten: „Wir brauchen keine weichgespülten Vorsitzenden.“ Kämpferische Töne, die bei den Delegierten gut ankamen und auch an der Basis gern gehört werden.

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