Angriffe in Berlin : Rückgang von 30 Prozent im letzten Jahr

267 Angriffe zählte die Berliner Beratungsstelle "ReachOut" im vergangenen Jahr, weniger als noch 2016. Einen Grund zur Entwarnung gebe es dennoch nicht.

Anna Ehlebracht

Die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt "ReachOut", hat heute zusammen mit den bezirklichen Registerstellen die Angriffszahlen für das letzte Jahr vorgestellt. Das Ergebnis: "Wir verzeichnen 267 Angriffe insgesamt, darunter auch auf 22 Kinder", sagt Sabine Seyb von ReachOut. 2016 waren es insgesamt 380 Angriffe - die höchste Anzahl seit Bestehen der Beratungsstelle. "Wir verzeichnen also erfreulicherweise einen Rückgang von 30 Prozent", sagt Seyb.

Eine mögliche Erklärung für den Rückgang: "Die sogenannten Wutbürger und Neonazis fühlen sich offenbar durch die AfD in den Parlamenten ganz gut vertreten", sagt Seyb. So verzeichnet ReachOut für das letzte Jahr auch weniger lokale Aufmärsche und Kundgebungen gegen Flüchtlinge. Rassismus käme als Tatmotiv aber immer noch am häufigsten vor, obwohl rassistisch motivierte Straftaten bereits im Vergleich zu 2016 um 48 Prozent zurück gegangen seien. Und die Angriffsorte? "Am häufigsten in öffentlichen Räumen", sagt Seyb. 114 Angriffe wurden hier verzeichnet. Im Bezirk Mitte fanden mit 60 Angriffen die stadtweit meisten Angriffe statt, 22 davon rassistisch motiviert.

Kein Grund zur Entwarnung

"Trotz des Rückgangs sehen wir keinen Grund zur Entwarnung", so Seyb. "Denn der Rückgang rassistischer Gewalt kann unterschiedliche Gründe haben. Möglicherweise bewegen sich potenzielle Opfer dieser Angriffe vorsichtiger im öffentlichen Raum, um sich selbst zu schützen." Und bundesweit? "Einen Rückgang von Angriffen verzeichneten alle fachspezifischen Stellen. Dennoch scheint Berlin die Hauptstadt der Angriffe zu sein", sagt Seyb.

"Es bleibt abzuwarten, wie sich die rassistische Hetze der AfD und auch das Heimatministerium auf die Stimmung auf der Straße auswirken werden", sagt Seyb.

Die Berliner Register dokumentieren neben Angriffen auch Vorfälle wie das Anbringen von Aufklebern, von Plakaten und Sprühereien zu Propagandazwecken. 2800 Vorfälle waren es im letzten Jahr - somit 123 mehr als noch 2016. Das mache 7,6 Vorfälle pro Tag, erklärt Kati Becker von den Berliner Registern. Auch hier sei Rassismus das Hauptmotiv. Circa 20 Prozent der Vorfälle lägen im Themenfeld Antisemitismus. "Allerdings kann nicht von einem gesamtgesellschaftlichen Klima gesprochen werden, vielmehr agieren hier sehr hartnäckige Einzelpersonen", sagt Becker.

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