„Angstfrei lernen können“ : Diese Frau soll Mobbing an Berlins Schulen eindämmen

Doreen Beer ist die neue Antimobbing-Beauftragte bei der Senatsbildungsverwaltung. Schon vierzig Beschwerden, vor allem von Eltern, gingen bei ihr ein.

Doreen Beer, Antimobbing-Beauftragte der Senatsbildungsverwaltung
Doreen Beer, Antimobbing-Beauftragte der SenatsbildungsverwaltungFoto: SenBJF

Wenn Kinder oder Jugendliche in der Schule gemobbt werden, ist das für die Betroffenen oft mit viel Leid verbunden. Die Schüler und meist auch ihre Eltern fühlen sich hilflos und wissen oft nicht, wohin sie sich wenden können.

Um diese Situation zu verbessern, hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) im vergangenen Jahr angekündigt, die Stelle einer Antimobbingbeauftragten einzurichten. Das war zu einer Zeit, als mehrere schwere Mobbingfälle die Öffentlichkeit erschüttert hatten.

Seit April dieses Jahres ist die Stelle nun besetzt – mit Doreen Beer, Jahrgang 1978. Sie hat Psychologie mit Schwerpunkt Pädagogik studiert, ist systemische Familientherapeutin, hat wissenschaftlich gearbeitet und war in den vergangenen vier Jahren in einem Projekt der Jugendhilfe an der Schnittstelle von Psychiatrie und Schule tätig.

Als Beer im April anfing, war die Corona-Pandemie schon in vollem Gange, die Schulen bereits geschlossen. Deshalb lud die Bildungsverwaltung erst jetzt zu einem Termin, um Beer und ihre Aufgaben vorzustellen. Ihre Stelle gehört zum Beschwerdemanagement der Bildungsverwaltung, bei dem vier Personen tätig sind, darunter auch der Antidiskriminierungsbeauftragte Dervis Hizarci.

Rund vierzig Beschwerden seien seit April bei ihr eingegangen, die meisten kamen von Eltern, erzählt Doreen Beer. Wegen Corona sei die Situation aber nicht repräsentativ. Da die Schulen erst geschlossen und dann Ferien waren, sei auch die Aufarbeitung der Fälle schwierig. Einige Beschwerden hätten sich um Fälle gedreht, die in der Vergangenheit lagen, bei anderen ging es etwa darum, dass Eltern angaben, ihr Kind sei bei der Materialvergabe für den Fernunterricht ungerecht behandelt worden oder wegen Hygienevorschriften gemobbt worden. Genauer ins Detail geht Beer nicht, sie behandelt die Fälle vertraulich.

"Eltern sollten sich frühzeitig melden"

„Ich will dazu beitragen, dass Schule ein Ort wird, an dem sich Kinder gut entwickeln und angstfrei lernen können“, sagt Beer. Wenn Eltern bei ihr anriefen, versuche sie zunächst, den Fall und die verschiedenen Sichtweisen zusammenzutragen, dann kontaktiere sie die Schule, die Schulaufsicht oder das Schulpsychologische und Inklusionspädagogische Beratungszentrum (Sibuz). Sie versuche, die Stelle, die am besten helfen könne, zu finden. Betroffene könnten sich auch anonym an sie wenden. „Eltern sollten sich frühzeitig melden, bei mir oder anderen, wenn sie den Verdacht haben, dass ihr Kind gemobbt wird“, sagt Beer.

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Wenn Eltern Sorgen hätten, müssten Schulen das ernst nehmen. Eltern rät sie, bei Verdacht ein Mobbingtagebuch zu führen. Das helfe bei der Dokumentation und beim Erkennen, um welche Art von Konflikt es sich handle. Man sollte auch mit dem Kind besprechen, wie man gegen das Mobbing vorgehen kann, ohne dass das Kind noch mehr Angst bekommt.

Auch Schüler sollen bei der Antimobbing-Beauftragten mitarbeiten

Neben der Begleitung von Einzelfällen will sich Beer auch um strukturelle Verbesserungen kümmern und eine Antimobbingstrategie erarbeiten.

Demnächst sollen auch Schüler ihre Arbeit unterstützen. Scheeres hat dem Landesschülerausschuss angeboten, dass bis zu zwei Schüler für drei bis fünf Stunden wöchentlich mitarbeiten. Damit soll das Angebot laut Bildungsverwaltung niedrigschwelliger werden. [Kontakt zu Doreen Beer: Tel. 90227– 5452, doreen.beer@senbjf.berlin.de]

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