Schon früher gab es Anschläge auf den Rocker Sommer

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Update
Anschlag auf Rocker : Berliner Hells-Angels-Boss mit sieben Schüssen niedergestreckt

Die Tat vom Sonntag ist nicht der erste Anschlag auf Sommer. Im Juni 2009 wurden der Präsident und vier weitere Hells Angels in ihrem Auto nördlich von Berlin von einem anderen Wagen gerammt und mit Macheten attackiert. Sommer wurde in den Rücken gestochen. Der Rocker rief nicht die Polizei, sondern einen anderen Hells Angel an, der ihn in eine Klinik fuhr. Die Klinge des Messers steckte noch in Sommers Rücken. Die Angreifer waren wohl Bandidos, Sommer hat zu den Vorfällen geschwiegen, wie es unter Rockern üblich ist. Ein Jahr später gelang ihm in Absprache mit dem Chef des einflussreichsten deutschen Hells-Angel-Charters in Hannover, Frank Hanebuth, ein seltener Coup: Die Truppe um die Angreifer wechselte die Seiten und schloss sich den Hells Angels an.

Die deutsche Rockerszene in Bildern

Der Kampf gegen die kriminelle Rockerszene
Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
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16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Als die Forderungen nach einem Verbot der Rockerbruderschaften lauter wurden, war es Sommer, der eine Allianz aller Motorradclubs in Aussicht stellte, um innerhalb der Szene gemeinsam Repressionen abzuwehren. Unter seiner Ägide hatten die Hells Angels in der Region stetig an Einfluss gewonnen. In den vergangenen Jahren schlossen sich den Nomads zahlreiche Rocker konkurrierender Gruppen an, so vor allem die ebenfalls in Brandenburg und dem Berliner Osten aktiven Männer des Gremium MC. Die Hells Angels bauten in den vergangenen Monaten in der Region neue Charter auf, in Potsdam und zuletzt in Königs Wusterhausen gab es dabei Auseinandersetzungen mit Gremium-Mitgliedern. Durchsetzen konnten sich dabei die Hells Angels, neben der Potsdamer Dependance haben sie nun Sektionen in Oranienburg, im Dahmeland und in Frankfurt (Oder). In diesen Chartern, so wird gemunkelt, haben sich die Nomads nach dem Verbotserlass vorerst eingerichtet.

Da sich die Hells Angels jedoch nicht nur mit anderen Bruderschaften angelegt haben dürften, muss es sich bei der Tat nicht zwangsläufig um eine Rockerfehde gehandelt haben. Ein Hells-Angels-Sprecher äußerte sich am Sonntag nicht zum möglichen Hintergrund der Tat.

Im Mai 2011 war der 51-jährige Holger B., ebenfalls einst Präsident der Nomads, auf seinem Grundstück bei Strausberg angegriffen worden. Unbekannte hatten mehrfach auf ihn eingestochen. Holger B. hatte die Nomads 2008 im Streit verlassen müssen, Sommer rückte zum Präsidenten auf. Ebenfalls in Hohenschönhausen war 2009 ein abtrünniger Hells Angel erschossen worden. Der 33-jährige Kampfsportler Michael B. hatte sich den Ermittlungen zufolge noch 200 Meter weit geschleppt, er starb wenig später im Krankenwagen. Der Schwergewichtler, hieß es, habe die Hells Angels verlassen wollen und sich mit den Bandidos getroffen. Die Tat ist nicht aufgeklärt.

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