Antisemitismus in Berlin : Dregger will Zeichen gegen Judenhass setzen

Gegen Antisemiten hilft Solidarität: Der CDU-Fraktionschef besucht den jüdischen Restaurantbesitzer Yorai Feinberg in Schöneberg.

Lea Diehl
CDU-Politiker Burkard Dregger und der jüdische Gastronom Yorai Feinberg (li.), der schon oft Opfer von antisemitischen Angriffen wurde
CDU-Politiker Burkard Dregger und der jüdische Gastronom Yorai Feinberg (li.), der schon oft Opfer von antisemitischen Angriffen...Foto: Thilo Rückeis

Yorai Feinbergs Restaurant ist gut besucht, sogar besser als früher. „Wir lassen uns nicht abschrecken“, sagt ein Rentnerehepaar und lobt das israelische Essen. Viele Gäste unterstützen Feinberg.

Am Mittwoch sitzt ihm der CDU-Fraktionsvorsitzende Burkard Dregger gegenüber. Er stattet Feinberg einen „Solidaritätsbesuch“ ab, um gegen Antisemitismus in der Stadt ein Zeichen zu setzen: „Wir müssen endlich erkennen, dass das hier kein Einzelfall ist.“ Schließlich sei Berlin für Antisemiten eine „Hochburg“. Eine aktuelle Statistik zu antisemitischen Delikten in Deutschland zeigt das.

„Was in Deutschland passiert, ist gefährlich“

Für Antisemiten ist Feinberg zum Anziehungspunkt geworden, seit er im Dezember ein Video veröffentlichte, in dem er vor seinem Restaurant bedroht wird. Hasserfüllte Ausrufe wie „Ihr landet alle in der Gaskammer“, die der 60-jährige Angreifer äußerte, hört Feinberg seitdem oft: per Mail, am Telefon, manchmal kommen Judenhasser bis in sein Restaurant. „Was in Deutschland passiert, ist gefährlich“, sagt Feinberg.

Auch wenn Feinberg sowohl rechten als auch muslimischen Antisemitismus erlebte, weißt er vor allem auf letzteren hin. Der Antisemitismus sei „importiert“, sagt auch Dregger. An Gebäuden rund um das Restaurant in Schöneberg hängen Regenbogenflaggen. Feinberg sagt, dass viele seiner Angreifer zugleich homophob seien. Intoleranz dürfe nicht toleriert werden. Dregger betont den Aufklärungsbedarf an Schulen.

Aktionsbedarf bei sozialen Medien

Seit über einem Jahr fordert seine Fraktion einen Antisemitismusbeauftragten, um Präventionsprojekte in Berlin zu entwickeln und Daten zu Vorfällen zu sammeln. Der Fall Feinberg zeige, dass dieser überfällig sei. Feinberg betont, dass sich Antisemitismus viel in sozialen Medien abspiele. Vor allem hier sieht er Aktionsbedarf.

Jugendliche würden das, was sie dort läsen, als Wahrheit betrachten: „Wenn sie in sozialen Netzwerken lesen, die Juden beherrschen die Welt, dann glauben sie das.“ Außerdem dürfe Israel nicht „dämonisiert werden“, wie er sagt. Oft ließe sich Israelkritik und Antisemitismus schwer trennen. Angst habe Feinberg in Berlin keine. Schließlich kenne er die Gefahr schon aus Israel.

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