Antisemitismus : Sogar in Berlins Kitas wird gemobbt

Das Netzwerk jüdischer Berliner Anwälte, das Opfer von Antisemitismus betreut, warnt vor weiteren Fällen von Mobbing. Oft würden nicht Täter die Schule verlassen, sondern die Betroffenen.

Ein Mann mit einer Kippa (Symbolbild)
Ein Mann mit einer Kippa (Symbolbild)Foto: dpa/Peter Steffen

Antisemitisches Mobbing an Berliner Schulen ist weiter verbreitet als bislang bekannt. Das sagte die Rechtsanwältin Vladislava Zdesenko dem RBB. Sie gehört einem Netzwerk jüdischer Berliner Anwälte an, das Opfer von Antisemitismus betreut. Der jüngste bekanntgewordene Fall an der John-F.-Kennedy-Schule sei „sehr alarmierend“, weil dort ein Tabu gebrochen worden sei.

Während aggressives antisemitisches Mobbing in den von dem Netzwerk betreuten Fällen meist von muslimischen Schülern ausgegangen sei, sei das Opfer im aktuellen Fall von nicht-muslimischen Schülern gemobbt worden. „Das ist nach unserer bisherigen Erfahrung ungewöhnlich“, sagte die Juristin. Antisemitismus nicht-muslimischer Schüler äußere sich bislang „eher in passiver Form“.

Dass in aggressiven Mobbing-Fällen meist die Opfer die Schule verlassen und nicht die Täter, sei für Juden „ein verheerendes Signal“, auch „weil die Schule nicht tätig wird“, sagte Zdesenko: „Die Täter bleiben und tragen keine Konsequenzen davon.“ Typisch für solche Fälle sei, dass betroffene Schüler von einer Gruppe immer wieder bedroht und als „Scheiß Juden“ beschimpft würden, die man töten sollte. Den Opfern werde nach der Schule aufgelauert, „es kommt zu Sachbeschädigungen und Körperverletzungen“.

In einem ihrer Fälle habe eine Gruppe türkischer Schüler angefangen zu mobben, polnische Schüler seien miteingestiegen. In einem weiteren Fall sei sogar ein Kind im Kindergarten antisemitisch gemobbt worden.
Aggressionen gegen jüdische Schüler entwickelten sich oft, nachdem im Unterricht der Nahostkonflikt behandelt wurde, sagte die Rechtsanwältin. Gegen einen Schüler, der sich pro-israelisch äußere, bilde sich in der Klasse dann eine Gruppe, die diesen „systematisch mobbt“. Um Antisemitismus an Schulen zu bekämpfen, seien Meldepflichten und eine statistische Erfassung wichtig. (epd)

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