Archive unter Wasser : Rohrbruch zerstört 10.000 Akten im Bezirksamt Neukölln

Auch historische Papiere und alte Familienbücher sind nass geworden. Manches könnte für immer verloren sein: Viele Dokumente waren noch nicht digitalisiert.

Fast schon mit Sammlerwert: Akten von 1957 im Bezirksamt Neukölln.
Fast schon mit Sammlerwert: Akten von 1957 im Bezirksamt Neukölln.Foto: Falko Liecke

Die Digitalisierung der Berliner Verwaltung schreitet bekanntermaßen langsamer voran als vom Senat ursprünglich geplant. Warum das verhängnisvoll sein kann, zeigt jetzt ein Vorfall im Bezirksamt Neukölln: In der Nacht zu Sonntag setzte ein Wasserrohbruch das Dienstgebäude in der Blaschkoallee in Britz etwa 30 Zentimeter unter Wasser. Laut Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) sind mehr als 10.000 Akten schwer beschädigt. Viele davon waren noch nicht digitalisiert.

"In den Räumen meines Jugendamtes und im Archiv des Standesamtes stand das Wasser fast kniehoch", schreibt Liecke auf Facebook. Auch Familienbücher und andere historische Unterlagen seien betroffen, teilweise ganze Jahrgänge von 1956 und älter. Vor allem Daten aus dem Standesamt gehen möglicherweise für immer verloren. Sie sind laut Bezirksamt noch nicht digitalisiert, während die Akten etwa des Kinderschutzteams mittlerweile aus einem digitalen Archiv rekonstruiert werden konnten.

Die Meldung, dass die Amtsräume aufgrund einer defekten Leitung unter Wasser stehen, erreichte das Bezirksamt am Sonnabend gegen 22.30 Uhr. Feuerwehr und Berliner Wasserbetriebe stellten daraufhin das Wasser ab und nahmen das Gebäude vom Strom. Bis zum Sonntagmorgen pumpte eine Fachfirma etwa 180 Kubikmeter Wasser ab.

Im Anschluss wurde das Gebäude wieder an den Strom genommen, seit Montagmorgen fließt auch das Wasser wieder aus den Hähnen. Der Betrieb im Amt war durch den Schaden nicht eingeschränkt. Allerdings funktioniert der Aufzug im Haus seit dem Wochenende nicht, so dass etwa Menschen im Rollstuhl das Standes-, Bürger- und Wohnungsamt nicht erreichen können.

Das Bezirksamt teilt mit, die Aufräum- und Trocknungsarbeitern würden noch etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen. Am Dienstag hat ein Fachbetrieb die Akten verpackt und trocknet sie nun. Inwieweit Bürger von der möglichen Beschädigung der Standesamtsakten betroffen sind, sei noch unklar. "Wie hoch der Schaden am Ende ist, lässt sich noch nicht absehen", so Falko Liecke.

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