Auf den Spuren der Goldenen Zwanziger : Eröffnung der „Moka Efti Bar“ in Mitte

Eine neue Bar will die Nächte in Mitte beleben. Ihr Name erinnert an ein legendäres Tanzhaus.

Gastgeber Minh Chung (l.) und Sascha Kramer (r.) in der neuen Bar.
Gastgeber Minh Chung (l.) und Sascha Kramer (r.) in der neuen Bar.Foto: Doris Spiekermann-Klaas TSP

Die Faszination für die Goldenen Zwanzigerjahre beschert Berlin gerade mächtig Aufmerksamkeit, zieht Touristen in die Stadt, lässt Stummfilmkonzerte und Flapperkleider wieder in Mode kommen. Befeuert durch die Serie „Babylon Berlin“, deren dritte Staffel seit gestern vom Bezahlsender Sky gezeigt wird, steigt die Lust nach Ekstase und großer Kulisse, dabei sind immer mehr Clubs von der Schließung bedroht.

Minh Chung und Sascha Kramer haben die „Moka Efti Bar“ am Monbijoupark eröffnet, der Name erinnert an den legendären Berliner Hedonistentempel, der auch in „Babylon Berlin“ auftaucht. Stadtleben-Autorin Stephanie Golla hat mit den beiden Gründern über Revivals und Neuinterpretationen gesprochen – für die Wochenendausgabe des Tagesspiegel Checkpoint, dem preisgekrönten Berlin-Newsletter von Lorenz Maroldt. Den ungekürzten Newsletter mit exklusiven Interviews und vielen Restaurant- und Ausgehtipps können Sie hier abonnieren. (Die ersten 30 Tage sind kostenlos.)

In Berlin sterben Clubs, weil ihnen die Räume genommen werden. Ist es vor diesem Hintergrund mutig oder dumm, einen neuen Club mitten in Mitte zu eröffnen?

Die Moka Efti Bar in Mitte zu eröffnen, war eine bewusste Entscheidung, ein Statement. Clubs sind in Mitte fast ausgestorben und wir dachten: Es kann doch nicht sein, dass die Leute alle nach Rummelsburg oder Süd-Neukölln rausmüssen, um etwas geboten zu bekommen. Berlin wird international für seine Clubkultur geschätzt und je mehr die wegbricht, desto langweiliger wird es.

Ein „Moka Efti“ gab es schon einmal in Berlin. Es ist sicher kein Zufall, dass eure Bar so heißt?

Die Idee für den Club ist älter als die Serie, aber mit dem aktuellen Hype um die Zwanziger war die Zeit reif für einen Club wie diesen. Es gibt heute einige Parallelen zu den 1920ern, die in ganz Berlin eine Zeit des intensiven Erlebens waren und in denen gleichzeitig große Umbrüche anstanden. Heute ist es wieder so, wir haben eine Klimakrise und eine Wirtschaftskrise, die Menschen sind zunehmend verunsichert. Das Moka Efti der 2020er am Monbijoupark ist ein Ort für exzessives, schönes Feiern, egal wie hart das Leben ist. Wo Leute entspannen und ausgelassen feiern können.

Das heißt, jeder kann rein?

Wir haben keine harte Tür, weil die Leute ganz gezielt zu uns kommen. Primär sind das Leute über 25, die viel arbeiten und, wenn sie feiern wollen, gute Drinks schätzen und Musik, die nicht nur Techno ist.

Das klingt eher elitär statt egalitär.

Unser Publikum sind nationale und internationale Gäste aus den Bereichen Medien, Politik, Werbung, Film, Architektur, Fashion, Kunst und Design, darunter auch andere Clubbetreiber und Prominenz jedweder Couleur, die in unserem Wohnzimmer – manchmal in der Küche – Platz nehmen. Diese Entourage findet den Weg zu uns nicht trotz, sondern weil wir etwas versteckt gelegen sind.

Brechen jetzt also von Mitte aus die nächsten Goldenen Zwanziger an?

Wir zelebrieren die Freiheit und die Nächte, aber Charleston und Flapperkleider werdet ihr bei uns eher nicht finden. Musikalisch sind wir nicht festgelegt, elektronische Musik gibt es, klar, aber daneben ein munteres Crossover. Nicht beliebig, eher besonders ausgewählt. Zu den DJs sagen wir: Legt das auf, was keiner von euch erwartet. Vom Spirit her fühlen wir uns den Zwanzigern verbunden, aber wir feiern kein Revival, sondern bleiben offen für Neuinterpretationen, die wir mit unseren Gästen austesten.

Fr–So ab 21 Uhr, Stadtbahnbogen 160 am Monbijoupark.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!