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Fahrstuhl kaputt? Der öffentliche Nahverkehr in Berlin ist noch nicht überall barrierefrei.

© Mike Wolff

Aufzüge fehlen - oder sind kaputt: Aktionstag Barrierefreiheit in Berlin

Der heutige 5. Mai ist Aktionstag für Barrierefreiheit. Nutzer sagen: Nur die Hälfte der Stadt ist für Menschen mit Behinderung zugänglich.

„Einfach für alle – Gemeinsam für eine barrierefreie Stadt“ ist das Motto des Aktionstages der Aktion Mensch am 5. Mai. Der Tag soll auf Barrieren in allen Lebensaspekten aufmerksam machen – nicht nur auf bauliche. Aber wie barrierefrei ist Berlins öffentlicher Nahverkehr?

Zu 47 Prozent barrierefrei

Zum Aktionstag können Nutzer ihre Stadt auf der Seite der Aktion Mensch in puncto Barrierefreiheit bewerten. Zu 47 Prozent sei Berlin barrierefrei, finden die Nutzer. Die Hauptstadt liegt damit im deutschlandweiten Vergleich im Mittelfeld. Allerdings handelt es sich hierbei nur um die subjektiven Bewertungen einzelner Bewohner, nicht um wissenschaftliche Studien.

Immerhin wurde Berlin für das Jahr 2013 mit dem Access City Award der EU ausgezeichnet. Damals lobte die Kommission vor allem die Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr. Tatsächlich können 156 der 166 S-Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg auch mit dem Rollstuhl erreicht werden, 145 sind mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. Bei der U-Bahn sieht es ähnlich aus. Alle Busse der BVG sind seit Ende Dezember barrierefrei nutzbar, die Straßenbahn soll bis Ende 2017 nachziehen.

Aufzüge funktionieren nicht

Nutzerin Verena attestiert auf der Aktion-Mensch-Seite jedoch: „Die Aufzüge an der S-Bahn funktionieren oft nicht und es scheint keine Eile zu geben, sie zu reparieren.“ Auch Regina Böhme, die als Sozialarbeiterin bei der Behindertenvereinigung Prenzlauer-Berg arbeitet, ist unzufrieden mit den Aufzügen an den Haltestellen: „Es gibt zwar eine App und man kann telefonisch bei der BVG nachfragen, welche Aufzüge funktionieren, aber die Infos sind einfach nicht aktuell.“ Viel zu oft stehe sie mit Menschen in Rollstühlen, mit Rollatoren oder Kinderwägen vor gesperrten Aufzügen. Da funktioniere die Mundpropaganda schon besser, „aber in Zeiten der Digitalisierung sollte das doch eigentlich besser gehen“.

Die BVG gibt an, dass Störungen an U-Bahnaufzügen der Leitstelle sofort gemeldet werden. Innerhalb von zwei Stunden werde eine Entstörung eingeleitet. Laut BVG haben die U-Bahnaufzüge eine Verfügbarkeitsquote von 98 Prozent.

Die Hälfte der Berliner ist eingeschränkt

Zehn Prozent der Berliner sind zwingend auf Barrierefreiheit angewiesen, weitere 40 Prozent brauchen zumindest Unterstützung. Die Hälfte der Einwohner kann sich also nicht uneingeschränkt fortbewegen. Grund genug, den ÖPNV bis 2020 komplett barrierefrei zu machen, wie es das Ziel der BVG ist. Denn: „Wir werden vielleicht nicht alle krank und behindert, aber alt werden wir alle“, sagt Regina Böhme.

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