Auktion im Naturschutzgebiet : Insel im Müggelsee wird versteigert

Der Entenwall im Müggelsee wird teilweise verkauft. Investitionsanreize gibt es durch strikte Naturschutzauflagen kaum, aber das muss nicht abschrecken.

Markus Lücker
Wer den Entenwall im Müggelsee erreichen will, braucht schon ein Boot - eine Brücke gibt es nicht.
Wer den Entenwall im Müggelsee erreichen will, braucht schon ein Boot - eine Brücke gibt es nicht.Foto: Paul Zinken/dpa

Tief im Südosten, dort wo aus Müggelsee die Müggelspree wird, umzingelt von Rudervereinen, Anglerläden und Wasserrettungsstationen, zwischen den Inselbröcklein Kelchs Ecke und Dreibock, da liegt die Insel Entenwall, mit Bootsstegen gespickt wie ein im Wasser treibender Seeigel. Und zumindest ein Teil von Entenwall kann am 22. März ersteigert werden.

„Das Herzstück“ nennt es die Deutsche Grundstücksauktionen AG, welche für die Versteigerung verantwortlich ist. Angeboten werden 19 521 Quadratmeter Fläche im Zentrum der Insel. Das Mindestgebot liegt bei 125 000 Euro. Doch Entenwall ist ein wildes Eiland, insbesondere für möglichen Bauherren und -damen: Vogelschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet, FFH-Gebiet zum Schutz von Flora und Fauna.

Wer sein zukünftiges Grundstück erreichen will, muss per Seeweg über die Nordwestküste anreisen. Eine Brücke ist nicht vorhanden. Außerdem ist ein Großteil der angebotenen Fläche von einem Erlenbruchwald bewachsen, ein geschütztes Biotop.

Potentielle Käufer für die Insel

Ich kann mir da also nicht einfach mein Hüttchen hinzimmern“, sagt Katja Heringshausen. Sie betreut das Projekt als Auktionatorin. Die Vorschriften zum Naturschutz machen eine Bebauung des Grundstücks sehr schwierig. Eventuell könnten sich die Bodenbeschaffenheiten in den kommenden Jahrzehnten noch ändern, spekuliert Heringshausen. Damit würden sich auch die Baurechte ändern.

Bei den Bietern im März rechnet sie aber hauptsächlich mit Naturschützern und vermögenden Naturliebhabern. Als weitere Käufergruppe kämen die bisherigen Einwohner der Insel infrage. Auf den nicht mit Erlenbruchwald bewachsenen Teilen des Entenwalls stehen schon jetzt einige Häuser. „Die Eigentümer der Parzellen könnten sich zusammentun, um sich ihren Privatwald zu kaufen“, sagt Heringshausen. Damit ließe sich garantieren, dass Entenwall auch zukünftig in seiner aktuellen Form erhalten bleibt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Insel in und um Berlin versteigert wird. Im Herbst erwarb ein Rentner aus Köpenick eine Halbinsel am Müggelsee für 252 000 Euro. Auch hier durfte nicht gebaut werden. Als Motivation nannte der Käufer seine Liebe zum See und sein Interesse am Wassersport.

Erfahrungen beim Inselverkauf

Im Frühjahr 2017 versteigerte die Deutsche Grundstücksauktionen AG zwei Inseln im Brandenburger Scharmützelsee. Auch beim kleinen und dem großen Werl handelte es sich um eher zweifelhafte Investitionsobjekte. Zum einen gelten auch für diese Inseln strikte Naturschutzauflagen, zum anderen wird der kleine Werl von rund 350 Kormoranpärchen bewohnt – ebenfalls geschützt.

Da die Vögel auf der Insel nicht nur leben, sondern auch fressen und verdauen, riecht es auf der ganzen Insel nach Vogelmist. Trotzdem fanden sich Käufer. Der große Werl kam für 128 000 Euro unter den Hammer, für die Vogelkotinsel gab es immerhin noch 40 000 Euro.

Privatisierung von Volkseigentum der DDR

Sowohl hinter der Verkauf der beiden Scharmützelseeinseln als auch hinter dem des Entenwalls steht die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH. Die BVVG wurde 1992 gegründet. Als staatliches Unternehmen hat sie die Aufgabe, in der DDR zum Teil durch Enteignungen verstaatliche Forst- und Landwirtschaftsflächen wieder zu privatisieren. Auch der Entenwall ging in der DDR in Staatseigentum über.

2017 hat die BVVG im Raum Berlin/Brandenburg eine Fläche von 3600 Hektar verkauft. Allein mit dem Verkauf der Landwirtschaftsflächen erwirtschaftete die GmbH so 43 Millionen Euro. Für 2018 rechnet das Unternehmen mit ähnlichen Zahlen. Seit 1992 hat die BVVG 1,4 Millionen Hektar Fläche privatisiert.

Knapp 130 000 stehen ihr noch bevor, eher sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Für den Abschluss wird das Jahr 2030 angestrebt. Das dann privatisierte Gebiet entspricht ungefähr der 1,5-fachen Fläche von Rügen – oder 150 000 Entenwällen.

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