Berlin : Aus der Ferne

Die Aubis-Chefs Wienhold und Neuling haben ihr Imperium verloren und genießen nun die Seeluft

Ralf Schönball

Den einen hat es an den Tegernsee verschlagen. Der andere bevorzugt die Halbinsel Zingst an der Ostsee. Klaus Wienhold und Christian Neuling, die Schlüsselfiguren der Berliner Bankenaffäre, bevorzugen gesundes Seeklima. Über ihr waghalsiges Millionenspiel mit Krediten aus dem Konzern der Bankgesellschaft wird wohl nicht mehr gerichtet werden: Sie sind zu krank für die Anklagebank.

Wienhold und Neuling hatten 2001 mit einer Barspende an die Berliner CDU eine Krise in der großen Koalition ausgelöst, die zu Neuwahlen und einem Regierungswechsel führte. Obwohl die Ermittler glauben, dass bei der Bewilligung der Aubis-Kredite Untreue im Spiel war, wird es wohl keine Auftritte mehr von Neuling und Wienhold vor Gericht geben. Im Verfahren gegen Landowsky und andere Bankvorstände konnten sie sich auf ihr Recht auf Zeugnisverweigerung berufen: denn sie wurden selbst in parallel laufenden Verfahren als Angeklagte beschuldigt. Nur in einem dieser Verfahren wurde Klaus Wienhold verurteilt: vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 000 Euro, weil 2000 Mieter bei der Betriebskostenabrechnung geprellt worden sein sollen. Bei diesem einen Urteil wird es wohl bleiben: Beide sind verhandlungsunfähig.

Bei Neuling haben zwei vom Gericht bestellte Gutachter übereinstimmend eine psychische Erkrankung festgestellt. Dabei verblüffte er vergangenes Jahr beim Zieleinlauf des Berlin-Marathons mit einer Zeit von unter viereinhalb Stunden. Die mehr als respektable Leistung für den über 60-Jährigen warf die Frage auf: Ist dieser Sportler wirklich zu krank für die Strafbank? Bei der Justiz heißt es, eine neue Begutachtung sei vorgesehen.

Das Handelsregister führt Neuling und Wienhold als Geschäftsführer der Alpha Immobilien und Beteiligungen GmbH & Co KG. Sitz der Firma ist Westerland auf der Nordseeinsel Sylt. Dort, in der Bomhoffstraße, liegt das „Aubis Hotel“ – Doppelzimmer kosten in der Saison über 150 Euro pro Nacht. Und wer bei „Alpha“ anruft, den begrüßt ein Mitarbeiter des Aubis Hotels: Nein, die Geschäftsführer von „Alpha“ kenne er nicht, auch die Hoteleigentümer habe er noch nicht zu Gesicht bekommen. Anfragen leite er per Fax weiter. Auch habe er die Anweisung, keine Telefonnummern herauszugeben.

Wienhold wird vom Handelsregister auch als Firmenchef der „F.A.B.R.I.K. Fitness GmbH“ geführt. Sitz des Unternehmens ist Tegernsee. Dasselbe gilt für die „Wohnanlage Plauen Wienhold GmbH“. Aber wie in den 90er Jahren will manches nicht richtig gelingen: Über das Vermögen dieser Firma wurde vor gut einem Jahr ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Das finanzielle Polster der beiden dürfte trotz Pleite und Auflösung ihres Imperiums aus früher 60 Firmen ausreichen: Jeder kann wieder frei über die Kaution in Höhe von je 950 000 Euro verfügen. Die Rückzahlung setzte Neuling durch. Auch die Auflage, jede Woche bei der Polizeiwache vorzusprechen, wurde ihm erlassen – dort fuhr der Marathon-Mann mit schwarzem Porsche vor.

Für Neuling war Aubis nicht die erste wirtschaftspolitische Affäre. In seiner Zeit im Bundestag war dem CDU-Abgeordneten 1991 die Vermengung politischer und wirtschaftlicher Interessen vorgeworfen worden: Die „Neuling Minol Chemiegesellschaft“ soll günstige Konditionen bei Grundstückskäufen erhalten haben von einer Firma, die unter Treuhandobhut stand. Die Kontrolle über die Treuhand hatte wiederum Neuling inne, Vorsitzender des Unterausschusses „Treuhandanstalt“ im Bundestag. Neuling nannte die Vorwürfe „absurd“ und sprach von „Intrigen“ politischer Gegner. Sein Mandat im Treuhand-Ausschuss legte er aber nieder.

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