Ausbau zur Hochsicherheitszone : Pfarrer schreibt Brandbrief zum Breitscheidplatz

Zugeparkte Rettungswege, fehlende Papierkörbe: Der Pfarrer der Gedächtniskirche kritisiert die schlechte Planung der Sicherheitszone auf dem Breitscheidplatz.

Martin Germer schrieb einen offenen Brief an die Innenverwaltung und das Bezirksamt.
Martin Germer schrieb einen offenen Brief an die Innenverwaltung und das Bezirksamt.Foto: Cay Dobberke

Der Ausbau des Charlottenburger Breitscheidplatzes zur Hochsicherheitszone erzürnt den Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Martin Germer. Einerseits hat er Verständnis für Schutzmaßnahmen nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt im Dezember 2016. Doch beim jetzigen Sicherheitsheitskonzept, das im Frühjahr mit mehr Barrieren umgesetzt wurde, sieht er viele Mängel.

In einem offenen Brief an die Senatsinnenverwaltung und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf schreibt Germer sarkastisch: „Welcher verantwortlichen Person dürften wir die Garagen- oder Hofzufahrt dauerhaft zubauen und wem unseren Müll vor die Tür kippen, damit sich endlich mal was bewegt?“

Mit dieser rhetorischen Frage spielt Germer darauf an, dass Feuerwehrzufahrten nicht gekennzeichnet seien und daher durch Motorräder, Leihfahrräder und Leihroller zugeparkt würden. Das erschwere Feuerwehreinsätze und versperre die Zufahrt zum Kirchenparkplatz.

Außerdem fehlten Papierkörbe, die für den Aufbau der Barrieren demontiert wurden. Nahe der Kirche gebe es nur noch einen Abfalleimer, was wegen der vielen Touristen zur „Vermüllung“ führe. Der Senat solle die BSR damit beauftragen, auch das sogenannte Podium rund um die Kirche täglich zu reinigen und dort Papierkörbe aufzustellen.

Darüber hinaus sei die Bordsteinkante an der provisorischen Gehwegüberfahrt zum Parkplatz der Kirche bisher nicht durch eine Bitumenböschung „entschärft“ worden, was „bei jeder normalen Baustelle innerhalb von zwei Tagen gemacht wäre“.

Tauziehen um Zuständigkeiten

Trotz „wiederholter Nachfragen nach Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten“ erhalte die Kirchengemeinde „allenfalls Mitteilungen, dass jeweils andere zuständig wären – was diese dann prompt dementieren“. Erst seit Ende Juni gebe es einen Ansprechpartner in der Innenverwaltung, der aber nicht entscheidungsbefugt sei. Germer sieht in erster Linie die Innenverwaltung in der Pflicht, „da diese ja die Sicherheitsmaßnahmen und damit auch diese Folgewirkungen veranlasst hat“.

Auf der Suche nach einem neuen Sicherheitskonzept

Nach dem diesjährigen Ostermarkt waren die neuen Barrieren, darunter Gitterkörbe mit Sandsäcken, nicht bis zur nächsten Veranstaltung wieder abgebaut worden. Sie sollen bis mindestens zum Jahresende stehen bleiben. In der Zwischenzeit will eine Projektgruppe unter Federführung der Innenverwaltung prüfen, ob und wie der Schutz des Breitscheidplatzes vor Anschlägen auf eine unauffälligere und städtebaulich ansprechendere Weise gewährleistet werden kann.

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