Ausflug in den Buchenwald Grumsin : Brandenburgs einziger Urwald im Werden

Urwüchsig und weit, mit Wegen durchs Moor – und überraschender Kunst. Die Schorfheide ist eine besondere Region. Unsere Tipps für den Ausflug

Felix Denk
Im Buchenwald Grumsin
Im Buchenwald GrumsinFoto: Promo

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Die kühleren Temperaturen, die kürzeren Tage, der nahende Winter: Dass die Blätter im Herbst bunt werden, hat viele Gründe. Aber was sind schon Gründe, wenn man da vor so einem Baumriesen steht, der gut 200 Jahre alt ist, und in feurigem Dunkelrot leuchtet?

Für dieses Spektakel ist der Grumsiner Forst, 75 Kilometer nordöstlich von Berlin, die perfekte Bühne. Er ist einer der ursprünglichsten Mischwälder in Brandenburg, an wenigen Orten ist die Laubfärbung so schön wie in diesem Teil der Schorfheide, die ja ohnehin UNESCO-Weltkulturerbe ist: Seit 30 Jahren hat hier niemand mehr gewirtschaftet, der Wald wächst einfach vor sich hin.

Und auch vorher war nicht so viel los, denn die DDR-Führung stellte im Unterholz gern dem Wild nach – am liebsten natürlich ungestört von Forstwirten.

Mit dem Auto kommt man in knapp 1:20 Stunde direkt nach Altkünkendorf, mit dem Zug fährt man erst mit dem RE3 nach Angermünde und von dort mit dem Bus 452 Richtung Grumsin weiter, das dauert etwa 1:45 Stunde

Wandern im Urwald

Heute ist der Grumsiner Forst ein Urwald im Werden, mit Sümpfen und Mooren, verbunden von Hohlwegen, die sich zwischen steilen Hügel durchschlängeln. Mit ein bisschen Glück sieht man einen Biberbau oder die letzten Zugvögel, die sich auf den Weg nach Süden machen. Schnell hin, bevor der Frost die letzten Farben aus den Blättern zaubert. Der perfekte Startpunkt ist Altkünkendorf, von hier gehen gleich mehrere Wanderrouten los.

Die schönsten Wege durch den Grumsiner Forst sind auf der Seite www.weltnaturerbe-grumsin.de versammelt, etwa die Route "Oranges Buchenblatt" entlang des Wolletzsees

Whisky, Gin & Honig

In Altkünkendorf selbst gibt es ein hübsches Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert, eine Stüler-Feldsteinkirche, in der man auf den Turm steigen kann – und die Grumsiner Brennerei. Die destilliert nicht nur Gin und Whisky aus rekultivierten Getreidesorten, sondern auch feinen Himbeergeist und einen fassgelagerten Birnenbrand. Damit kann man den Herbststürmen trotzen. Wer sich lieber an den Sommer erinnert: Die Imkerei Grumsiner Forst hat noch ein paar Gläser des wunderbar cremigen Sommerblüten-Honig mit Linde, der mit seinem feinen minzigen Geschmack.

Die Brände und Spirituosen der Grumsiner Brennerei kann man sich natürlich auch ganz ohne Ausflug bestellen, zum Beispiel den ungefilterten Grumsiner Gin für 34 Euro

Pilze sammeln, Pilze essen

Einen Pilz am Wegesrand gefunden? Herzlichen Glückwunsch! Bestimmen kann man ihn mit App „Pilze 123“, die mit über 3700 Pilzen und 30.000 Fotos das wohl größte mobile Pilzlexikon ist. Was man am Herd alles aus Pilzen zaubern kann, dazu gibt „Into the Woods“ (Prestel) Auskunft. Berliner Köche wie Tim Tanneberger aus dem Eins44 und Sophia Rudolph aus dem Panama haben Rezepte beigesteuert. Und sowieso ist das Buch des Werbe-Fotografen und Waldnerds Moritz Schmidt (Lieblingspilz: die Heiderotkappe) ein guter Einstieg in die Sammelleidenschaft.

Das Buch "Into the Woods - Pilze suchen und Glück finden" von Moritz Schmid ist im Prestel-Verlag erschienen und kostet 32 Euro

Wunderbare Wurst & Kunst

Wer eine Wegzehrung braucht, für den lohnt sich der Stopp im Gut Temmen im nahen Ringenwalde. Das Fleisch der Färsen landet auch im Grill Royal auf den Tellern. Ein etwas rustikalerer Klassiker ist eine Wurst namens Stracke. In die warmgeschlachtete und in der Lehmkammer luftgetrocknete Wurst kommen zu 80 Prozent magerer Schweinebauch. Die Qualität schmeckt man.

Die Installation des Künstlers Wim Botha
Die Installation des Künstlers Wim BothaFoto: Promo

Im Gut Kerkow, auf der anderen Seite der Poratzer Moränenlandschaft, weiden 100 Aberdeen-Angus-Rinder in wunderschöner Landschaft. Und auch hier gibt es einen sehr feinen Hofladen, der Fleisch, Schinken und Wurst verkauft.

Es gibt aber noch mehr: Nämlich einen Kunstraum. Kuratiert wird er von der PSM Galerie in Tiergarten. Aktuell zu sehen ist die federleichte Installation des südafrikanischen Künstlers Wim Botha.

Obacht, der Hofladen des Gut Temmen hat in der Nebensaison nur am Sonnabend und nur bis 14 Uhr geöffnet, man sollte also erst einkaufen, dann wandern. Der Laden im Gut Kerkow hat jeden Tag von 10 bis 18 Uhr geöffnet

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Nächte in der Roten Scheune

Noch länger bleiben? Die Rote Scheune in Fergitz hat ein smart eingerichtetes Gästehaus in einem ehemaligen Kuhstall aus altem Klinker (und ja, es gibt einen Kamin!).

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Ausgebaut hat es der Berliner Architekt und Uckermark-Experte Thomas Kröger, der auch das vielfach ausgezeichnete (und entsprechend dauerausgebuchte) Schwarze Haus in Pinnow entworfen hat.

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