Autobrandstifter erneut vor Gericht : Einer, der es nicht lassen kann

Der 30-Jährige Marcel G. saß bereits mehrfach in Haft. Im Sommer 2019 wurde er wohl wieder rückfällig. Ab heute steht er erneut als Brandstifter vor Gericht.

Feuerwehrmänner löschen ein brennendes Auto - Symbolbild.
Feuerwehrmänner löschen ein brennendes Auto - Symbolbild.Foto: Andreas Altwein DPA

Ein neues Kapitel in seinem Leben sollte beginnen. Das verkündete Marcel G. vor knapp drei Jahren vor dem Landgericht. Straffrei wolle er sich eine Existenz aufbauen. Damals erhielt G. als Autobrandstifter zweieinhalb Jahre Haft. Er verbüßte die Strafe bis auf den letzten Tag. Sein Versprechen hielt nicht. Der 30-Jährige steht ab Freitag erneut als Brandstifter vor Gericht.

Ein halbes Jahr nach seiner letzten Haftentlassung soll G. erneut gezündelt haben – in Berlin und Hamburg. Er habe Grillanzünder auf die Reifen der angegriffenen Wagen platziert. Neun Fälle werden G. zur Last gelegt. 14 Autos seien vollständig oder teilweise ausgebrannt. Ein weiterer Wagen sei leicht beschädigt worden.

Bereits wegen versuchter Brandstiftung verurteilt

Eine Serie, die in Berlin eine eigens eingesetzte Ermittlungsgruppe beschäftigte. Marcel G. ist seit mehr als zehn Jahren bei Polizei und Justiz bekannt – immer wieder richtete er als Feuerteufel zum Teil erhebliche Schäden an und sorgte für Verunsicherung.

2009 wurde der aus Gießen stammende G. in seiner Heimatstadt wegen versuchter Brandstiftung verurteilt. 2012 stand er in Hamburg vor Gericht, weil er Autos angezündet hatte. Marcel G. verbüßte zwei Jahre Haft bis November 2015. Danach kehrte er nach Berlin zurück und suchte Anschluss beim linksalternativen Hausprojekt Rigaer Straße 94 in Friedrichshain.

Friedhof der ausgebrannten Autos
In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 24Foto: Henning Onken
19.08.2011 08:01In einer Halle in Schöneberg sammelt die Polizei die ausgebrannten Autos der vergangenen Monate. Eine Bildergalerie.

Als man ihn ablehnte und für einen „Verräter“ hielt, wurde er wieder brandgefährlich. In der Nacht zum 6. Juli 2016 wurde er in Lichtenberg gefasst. Da hatte er gerade Grillanzünder auf dem linken Hinterreifen eines Lastwagens sowie auf Reifen zweier Autos deponiert. Mit einem Sturmfeuerzeug zündete er die Würfel an.

Kontakte zur linken und rechten Szene

Polizisten, die zufällig in der Nähe waren, konnten das Feuer rechtzeitig löschen und G. stellen. G. zählte sich lange zur linken Szene. Später knüpfte er Kontakte ins rechtsextreme Spektrum, tauchte bei Bärgida, dem Berliner Ableger von Pegida, auf. Seine Taten aber waren wohl eher nicht politisch motiviert.

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Insgesamt ist nach Angaben von Ermittlern bei Auto-Brandstiftungen meistens von Vandalismus, Pyromanie, privater Rache oder auch Versicherungsbetrug auszugehen. Im Januar 2017 erklärte G. vor dem Berliner Landgericht, er habe mit den Brandlegungen in Lichtenberg „der linken Szene eine reindrücken“ wollen. Aus Wut habe er gehandelt. Er habe gedacht, „man könnte es diesem Spektrum in die Schuhe schieben“.

Weil sie ihn zu Unrecht als Verräter und V-Mann bezichtigt, verstoßen und attackiert hätten. Politisch sei er „raus“, sagte G. im letzten Prozess. Ende Dezember 2018 hatte er die verhängte Haftstrafe verbüßt. Nur ein halbes Jahr später soll Marcel G. wieder nachts als Brandstifter durch die Stadt geschlichen sein. Eine neue Brandserie, die die Feuerwehr in Atem hielt.

Drei Taten in Berlin zugegeben

Bei einem Anschlag in der Nacht zum 30. Juli soll G. zwei Autos angezündet und billigend in Kauf genommen haben, dass der Brand auf das benachbarte Wohnhaus übergreift und Bewohner gefährdet. Als ihm die Polizei bereits auf der Spur war, setzte sich G. laut Ermittlungen nach Hamburg ab. Dort wurde er am 6. August gefasst.

Drei Taten in Berlin habe er zugegeben, hieß es. Bis zu dem Zeitpunkt hatte die Polizei für das Jahr 2019 bereits mehr als 300 Autobrände in Berlin registriert. Für den Prozess gegen den als psychisch labil geltenden Mann sind neun Tage vorgesehen.

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