Berlin : Babysitter soll Zweijährigen gequält haben

Prozess gegen 31-Jährigen, der Kind misshandelte Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord vor

Kerstin Gehrke

Nur für ein paar Stunden sollte Nevzat T. auf den kleinen Jungen einer Bekannten aufpassen. In dieser Zeit aber soll es zu Misshandlungen gekommen sein, die der zweijährige Asim-Leon beinahe nicht überlebt hätte. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war es ein versuchter Mord. Seit gestern muss sich der 31-jährige T. vor dem Landgericht verantworten.

An einem Freitag Ende Juli letzten Jahres war T. der Anklage zufolge der Babysitter für den Jungen. Die alleinerziehende Mutter verließ ihre Wohnung am Maybachufer in Neukölln kurz nach elf Uhr. Ihre beiden sechs- und vierjährigen Kinder waren wie üblich in der Kita. Gegen 16 Uhr 30 kehrte die damals 31-jährige Frau zurück. Da war der Körper ihres jüngsten Sohn mit blauen Flecken übersät. „Der Angeklagte handelte aus Freude darüber, dem Kind unter Ausnutzung seiner körperlichen Überlegenheit erhebliche Schmerzen zufügen zu können“, heißt es in der Anklageschrift gegen den türkischstämmigen Mann.

Nevzat T. soll den Jungen massiv geschlagen und getreten haben. Die Innenfläche der rechten Hand sei entweder mit einem Feuerzeug oder einer Zigarette verletzt worden. Der Angeklagte habe zudem in den Penis des Kindes gebissen. Asim-Leon hatte schwerste innere Verletzungen. Nur durch eine Notoperation wurde er gerettet. Derzeit lebt der Junge bei einer Pflegefamilie. Der Angeklagte, ein kräftiger Mann mit Zopf und großer Brille, will aber für die Qualen nicht verantwortlich sein. Seine Anwältin erklärte zu Beginn des Prozesses, ihr Mandant bestreite die Vorwürfe und werde sich nicht weiter äußern. Als erste Zeugin wollten die Richter die Mutter des Jungen befragen. Die aber hatte mitteilen lassen, sie habe Halsschmerzen. Sie soll nun am kommenden Montag gehört werden.

Der Angeklagte soll der Mutter von einem Sturz des Jungen vom Stuhl berichtet haben. Trotz der Verletzungen vergingen viele Stunden, ehe Asim-Leon ärztliche Hilfe bekam. Erst als eine Freundin am nächsten Tag zum Frühstück kam, wurde die Feuerwehr alarmiert. „Mir ist es ein Rätsel, warum sie so lange gewartet hat“, sagte die 39-jährige Zeugin. Es sei wohl Angst im Spiel gewesen, man könnte ihr den Jungen wegnehmen. Grobheiten der Mutter gegenüber den Kindern habe sie nie erlebt, sagte die Zeugin.

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