Bahnhof Berlin-Südkreuz : Kritik an Videoprojekt der Bundespolizei

Am Bahnhof Südkreuz wurden seit 2017 Gesichter von Passanten durch Kameras analysiert. Die Ergebnisse seien kein Erfolg - kritisiert der Chaos Computer Club.

Ein Computer mit automatischer Gesichtserkennung-Software analysiert Passanten auf dem Bahnhof Südkreuz.
Ein Computer mit automatischer Gesichtserkennung-Software analysiert Passanten auf dem Bahnhof Südkreuz.Foto: Markus Schreiber/ap

Seit August 2017 erprobt die Bundespolizei am Bahnhof Südkreuz die Videoüberwachung mit Gesichtserkennung. Der Chaos Computer Club hat nun den Abschlussbericht der Bundespolizei zur Erprobung kritisiert. Die vom Bundesinnenministerium in der vergangenen Woche vorgestellten Ergebnisse seien kein Erfolg – sondern „geschönt“ und „manipuliert.“

Laut Bundespolizei werden in 80 Prozent aller Fälle Gesichter von den Kameras wiedererkannt. Ziel des umstrittenen Verfahrens ist es, die Polizei bei der Suche nach Straftätern und Terroristen zu unterstützen. Der Chaos Computer Club erklärte, die Ergebnisse seien keineswegs akzeptabel, wissenschaftliche Standards seien missachtet worden. Der Bericht liefere sogar Tipps, wie man sich vor biometrischer Rasterfahndung schützen könne: Einfach das Gesicht um mehr als 15 Grad von der Kamera wegdrehen.

Ein Sprecher des Innenministeriums wies die Vorwürfe „entschieden zurück“. Nach der Gesichtserkennung würde nun in der zweiten Testphase geprüft, wie die Kameras auffällige Bewegungsmerkmale oder stehen gelassene Koffer erfasse. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will nun eine klare Rechtsgrundlage für die Gesichtserkennung im Bundespolizeigesetz schaffen.

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