Bahnverbindung Berlin-Brandenburg : Wustermark kämpft um Anschluss

Die Zahl der Züge nach Berlin soll halbiert werden – Anwohner protestieren. Planer bevorzugen eine schnelle Verbindung zwischen Potsdam und Spandau.

Bewohner Wustermarks hat die Ankündigung elektrisiert, dass Züge nach Berlin entfallen. 
Bewohner Wustermarks hat die Ankündigung elektrisiert, dass Züge nach Berlin entfallen. Foto: Arno Burgi/dpa

Wustermark - Ausgerechnet Wustermark. Die einstige Eisenbahnstadt soll einen Teil ihres Bahnverkehrs verlieren. Der Entwurf zum neuen Landesnahverkehrsplan sieht vor, dass es stündlich nur noch eine Verbindung nach Berlin gibt; heute sind es zwei. Und die Linie nach Potsdam wollen die Planer an Wustermark vorbei führen; die Direktverbindung ginge dann verloren. Doch der Protest ist groß: Eine Bürgerinitiative „Nicht ohne Wustermark“ hat sich gegründet; über 2000 Protestunterschriften haben die Initiatoren schon gesammelt.

Die Planer im Infrastrukturministerium in Potsdam wollen mit der Linie RB 21 eine schnelle Verbindung von der Landeshauptstadt nach Spandau und weiter bis Gesundbrunnen anbieten. Die Züge, die in der Hauptverkehrszeit derzeit im Berliner Bahnhof Friedrichstraße beginnen, fahren heute über Potsdam direkt nach Wustermark. Um schnell nach Spandau fahren zu können, wollen die Planer den Bahnhof Wustermark „links“ liegen lassen und direkt vom Außenring Richtung Spandau abbiegen. In Elstal West soll dann ein neuer Haltepunkt gebaut werden, der Stopp im heutigen Bahnhof Elstal würde aufgegeben. Das würde die Fahrt um gut 20 Minuten verkürzen.

Weil die neue RB 21 dann die bisherige Linie RB 13 (Wustermark–Berlin-Jungfernheide) ersetzen würde, die werktags in der Hauptverkehrszeit fährt, verlöre Wustermark diese Züge. Halten würden am Bahnhof Wustermark nur noch die stündlich fahrenden Züge der Linie RE 4 (Rathenow–Ludwigsfelde/Jüterbog).

Der Sprecher des Infrastrukturministeriums, Steffen Streu, sagte, die RB 21 werde mit diesem Laufweg eine sehr attraktive Verbindung zwischen Potsdam und Spandau sein. Er verstehe aber auch die Einwände aus Wustermark. Bürgermeister Holger Schreiber ist „sehr, sehr unzufrieden“ mit dem Plan. Wustermark entwickele sich prächtig und brauche die guten Bahnverbindungen nach Berlin und Potsdam. Völlig verwirrend wäre es nach Ansicht Schreibers, wenn man in Wustermark in die Züge nach Berlin einsteigen könne, für die Fahrt nach Potsdam aber mit dem RE 4 nach Dallgow-Döberitz und dort zur RB 21 umsteigen oder mit dem Bus zum künftigen Haltepunkt Elstal fahren müsse. Im Ministerium sieht man Bedarf für den Halt. Dort sei ein Eisenbahninnovationszentrum geplant, im ehemaligen Olympiadorf in der Nähe sollen Wohnungen entstehen.

Die Bürgerinitiative hat auch eine Idee. Die Züge der RB 21 könnten wie bisher von Potsdam kommend nach Wustermark fahren, dort die Fahrtrichtung wechseln und weiter nach Berlin fahren. Dies würde die Fahrzeit zwischen Potsdam und Spandau um knapp zehn Minuten verlängern, hat Christian Mahr ausgerechnet. Für die Initiative ist es widersinnig, wenn das Land über den Ausbau der Bahnverbindungen nach Berlin nachdenke, vorhandene Linien aber kappe, sagte Mahr. Man werde den Vorschlag prüfen, sicherte Steffen Streu auf Anfrage zu. Allerdings müsse auch der Fahrplan passen.

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